Wie gehen Nahverkehrsunternehmen mit der Corona-Krise um?

Reduzierte Fahrpläne, leere Busse und Züge - die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Nahverkehr in der Region. Welche Auswirkungen hat die Krise auf deren Arbeit?

Wie gehen Nahverkehrsunternehmen mit der Corona-Krise um?

Die Corona-Krise wirkt sich auf zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens aus - auch auf den Nahverkehr. Fahrpläne werden reduziert, viele Fahrten fallen aus, so mancher Zug oder Bus ist menschenleer. Wir haben bei den Verkehrsunternehmen in der Region nachgefragt, welche Auswirkungen die Krise hat und mit welchen Herausforderungen sie kämpfen müssen.

Mainzer Mobilität

In den Bussen und Straßenbahnen der Mainzer Mobilität (MM) seien - verglichen mit vor der Krise - noch etwa 10 bis 15 Prozent der Fahrgäste unterwegs, so Unternehmenssprecher Michael Theurer. Das Angebot wurde auf 50 bis 60 Prozent des früheren Fahrplans reduziert. „Damit ermöglichen wir in relativ schwach besetzten Fahrzeugen einen gewissen Abstand zu halten. Wir verhalten uns da sehr verantwortungsbewusst, damit es in Mainz möglichst nur in Ausnahmefällen zu volleren Bussen und Straßenbahnen kommt.“ Generell sei es so, dass man die Auslastung der Busse und Straßenbahnen anschaue und wenn es irgendwo zu viele Fahrgäste seien, versuche man mit zusätzlichen Bussen oder Straßenbahnen gegenzusteuern. „Bis auf Ausnahmen funktioniert das bisher gut.“

Aus wirtschaftlichen Gründen sei die aktuelle Fahrzeugauslastung aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ab Ostern werde deswegen der Fahrplan erneut etwas reduziert (wir berichteten). „Ziel ist es dabei auch, Reserven für den Fall zu haben, dass krankheits- oder quarantänebedingt größere Ausfälle bei unserem eigenen Personal auftreten“, so Theurer. Mehr Fahrten zu den Krankenhäusern seien aber nach Einschätzung der MM nicht erforderlich. „Die aktuellen strikten Besucherregelungen der Krankenhäuser sorgen derzeit wohl eher dafür, dass dorthin weniger Fahrgäste unterwegs sind und wir ausschließlich die Beschäftigten transportieren.“

Den wirtschaftlichen Schaden für die MM könne man noch nicht abschätzen, so Theurer abschließend. „Kein Mensch weiß derzeit, wie lange das andauert und wie ein Hochfahren nach dem Lockdown genau aussehen wird.“ Sicher sei aber: „Die Verluste summieren sich für uns allein bei den Fahrgeldeinnahmen für Einzel- und Mehrfachtickets sowie Tageskarten aktuell auf einen siebenstelligen Betrag im Monat.“

Vlexx

Bei der Vlexx GmbH wurde der Fahrplan auf 58 Prozent der Fahrten reduziert. Das Verkehrsunternehmen sei mit einem Grundangebot vertreten, es fallen aber auch Fahrten auf einzelnen Linien aus, sagt Unternehmenssprecherin Frauke Blech. „Die Fahrgastzahlen sind seit Beginn der Krise rückläufig.“

Der Verkehr laufe insgesamt sehr stabil. Aber: „Wie auch zu normalen Zeiten, können jederzeit interne und externe Ereignisse auftreten, wie zum Beispiel eine Fahrzeugstörung oder Störungen an der Infrastruktur, die den Zugverkehr beeinflussen. Als Mieter der Infrastruktur haben wir als Eisenbahnverkehrsunternehmen jedoch keinen Einfluss auf diese.“

Das gelte auch für Fahrten auf der Strecke Mainz - Alzey, bei der sich ein Merkurist-Leser über den kurzfristigen Ausfall eines Zuges ärgerte:

Bei Zugausfällen können sich die Kunden aber auf ihre Fahrgastrechte berufen, so Blech. Bei Problemen mit Zeitkarten müsse sich der Kunde aber an die einzelnen Verkehrsverbünde wenden, da Vlexx übergreifend unterwegs sei. „Eine darüber hinausgehende Entschädigung ist leider nicht möglich.“

Ziel sei es, ein stabiles Angebot aufrechtzuerhalten. „Der angepasste Fahrplan ist zeitlich nicht beschränkt: Er gilt zunächst solange, bis sich durch behördliche Anordnungen die Lage ändert“, sagt Blech. Der finanzielle Schaden für das Unternehmen könne aktuell noch nicht beziffert werden.

Rhein-Main Verkehrsverbund

Auch beim Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV), der vor allem die S-Bahnen und Regionallinien in der Region bedient, wurden die Fahrpläne auf „ein stabiles Grundangebot“ reduziert. Wie Pressesprecher Maximilian Meyer auf Anfrage berichtet, finden im Regionalverkehr rund 75 Prozent der üblichen Fahrten statt. Derzeit befördere der RMV noch rund 20 Prozent der üblichen Fahrgäste. „Die Fahrzeuge sind daher auch bei eingeschränktem Fahrplan leerer als üblich. Die Zuverlässigkeit des Angebots ist hoch. Die Pünktlichkeit wird durch die niedrige Netzauslastung positiv beeinflusst.“

Montags bis samstags fahren die S-Bahnen derzeit im 30-Minuten-Takt, an Sonn- und Feiertagen stündlich, der Nachtverkehr ist ausgesetzt. „Unser Ziel ist, den Fahrplan nicht weiter zu reduzieren. Allerdings sind der RMV und die Verkehrsunternehmen – wie alle anderen auch – in dieser außergewöhnlichen Lage von den Umständen abhängig“, so Meyer. Fallen sehr viele Mitarbeiter auf einmal aus oder werden beispielsweise aufgrund von Corona Ersatzteile für die Instandhaltung nicht rechtzeitig in die Werkstätten geliefert, könne sich dies auf den Fahrplan auswirken.

„Die aktuellen Fahrgastrückgänge bei Bussen und Bahnen sorgen für Einnahmeverluste in der gesamten Nahverkehrsbranche“, erklärt der Pressesprecher. Auch im RMV-Gebiet werden aktuell weniger Einzel- und Tageskarten verkauft als sonst und bei den Zeitkarten gebe es Rückgänge im Verkauf sowie gekündigte Abo-Verträge. „Eine Abschätzung wie viele Zeitkarten gekündigt werden und Aussagen zu Einnahmeverluste lassen sich erst später treffen.“ (pk)

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