Viele Obdachlose während Corona-Krise besonders gefährdet

Wer es kann, soll zur Eindämmung des Coronavirus derzeit möglichst zu Hause bleiben. Doch Wohnungs- und Obdachlose könenn das nicht - sie haben kein Zuhause. Warum diese Menschen derzeit besonders gefährdet sind und wer ihnen nun hilft.

Viele Obdachlose während Corona-Krise besonders gefährdet

Die Corona-Krise und die seit rund einer Woche anhaltende Kontaktsperre trifft auch Obdachlose hart. Der Mainzer Arzt Prof. Dr. Gerhard Trabert vom Verein Armut und Gesundheit wies bereits vergangene Woche in einem Facebook-Statement darauf hin: „Viele Menschen ohne einen festen Wohnsitz sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie und den entsprechenden Schutzmaßnahmen besonders gefährdet.“ Viele Tafeln, Teestuben, Anlaufstellen für wohnungslose Menschen seien geschlossen, die Wohnheime überfüllt. Die Schließung von Ausgabestellen für Sozialgeld sowie Arbeitslosengeld verschlimmere die Situation ebenfalls.

Trabert formuliert Forderungen

Trabert schreibt weiter: „Wohnungslose Menschen sind einerseits aufgrund häufig vorliegender chronischer Erkrankungen und einer Multimorbidität (mehrere Krankheiten bei einem Patienten) besonders gefährdet sich zu infizieren und schwere Krankheitsverläufe zu erleiden beziehungsweise auch massiv gefährdet, an einer Infektion zu versterben.“ Da sich diese Menschen vor dem Virus nicht schützen oder isolieren können, stellten sie zudem eine Infektionsquelle dar.

Trabert formulierte eine Reihe von Forderungen, die sich an Bund, Länder und Kommunen richten. Beispielsweise ein bundesweites Versorgungskonzept in allen Kommunen, medizinische Versorgung von Obdachlosen, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder die vorübergehende Unterbringung Obdachloser in Wohneinheiten wie leerstehenden Hotels oder Jugendherbergen.

Hotels, Ferienwohnungen und öffentliche Toiletten für Menschen ohne Wohnung

Einen Erfolg konnten Trabert und sein Team bereits verbuchen: In Zusammenarbeit mit dem Land Rheinland-Pfalz ist es Trabert gelungen, das leerstehende INNdependence-Hotel in der Oberstadt für die Wohnungslosen zu nutzen. Wie das Land mitteilt, konnten zunächst vier Wohnungslose in Zimmern untergebracht werden. Die Stadt Mainz beteiligt sich finanziell und übernimmt zusätzliche Kosten, beispielsweise für Reinigung und beson­deren Hygiene­aufwand.

Auch Privatleute engagieren sich derzeit. Wie der Verein Wohnsitzlos in Mainz kürzlich mitteilte, stellte des Ehepaar Julie und Ingo Fischer nach einem Aufruf Ferienhäuser auf einer Hofreite in Finthen zur Verfügung. Wer Ferienwohnungen, Wohnwagenstellplätze oder Grundstücke (für Wohnsitzlose mit Hunden) vorübergehend für Wohnsitzlose zur Verfügung stellen will, kann sich beim Verein melden.

Auch der Wirtschaftsbetrieb Mainz hat inzwischen reagiert und einige öffentliche Toiletten im Stadtgebiet für die Wohnungslosen wieder geöffnet. Zuvor waren diese vorsorglich zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus geschlossen worden. In einer Pressemitteilung des Wirtschaftsbetrieb heißt es: „Eine Ansteckungsgefahr wird nicht erwartet, da die Benutzung durch die geschlossenen Geschäfte auch verringert ist.“ Die Toiletten würden, wie vor der Corona-Krise auch schon, ein bis zweimal täglich gereinigt. (nl)

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