Dritte Corona-Welle – Dreyer: „Die Lage ist ernst“

Bei einer Pressekonferenz gaben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler einen Überblick über die Corona-Situation im Land. Hier erfahrt ihr die wichtigsten Punkte.

Dritte Corona-Welle – Dreyer: „Die Lage ist ernst“

Wie gehen die Corona-Impfungen und -Tests in Rheinland-Pfalz voran? Und wie ist die Lage in den Krankenhäusern? Diese und weitere Fragen beantwortete Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstagnachmittag. Gemeinsam mit Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Detlef Placzek, Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, und dem medizinischen Vorstand und Vorstandsvorsitzenden der Unimedizin Mainz Prof. Dr. Norbert Pfeiffer gab sie einen aktuellen Überblick über die Corona-Lage im Land.

„Die Infektionen steigen und ich weiß, dass sich viele Menschen Sorgen machen.“ - Malu Dreyer

„Wir befinden uns aktuell mitten in der dritten Welle und somit in einer sehr schwierigen Phase der Corona-Pandemie. Die Infektionen steigen und ich weiß, dass sich viele Menschen Sorgen machen“, sagte Dreyer. Die Lage sei ernst, die 7-Tage-Inzidenz in Rheinland-Pfalz liege auf einem Höchststand dieses Jahr und die Situation auf den Intensivstationen sei zunehmend angespannt. Aber: „Wir sind mit klaren rechtlichen Grundlagen, schnellen und effektiven Impfungen, breit angelegten Testungen sowie guten und vorausschauenden Vorbereitungen in den Krankhäusern gut für die aktuelle Lage aufgestellt.“

Situation in den Krankenhäusern

Zur Situation in den Krankenhäusern sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Wir spüren die Herausforderungen: Die Zahl der Covid-Patienten in den Kliniken steigt, die Liegedauer auf Intensivstationen verlängert sich, immer mehr junge Menschen haben schwere Verläufe“. Umso wichtiger sei es aber, dass aktuell noch rund 22 Prozent der Intensivbetten frei seien. „Ein Wert, der laut DIVI-Register so hoch liegt wie in keinem anderen Bundesland.“ Grund dafür sei vor allem, dass die Intensivbetten seit Beginn der Pandemie massiv aufgestockt worden sind.

„Die Lage bleibt jedoch weiter angespannt, und wir sind auf die Disziplin der Mitbürgerinnen und Mitbürger angewiesen.“ - Prof. Dr. Norbert Pfeiffer

Aktuell stehen mehr als 1.600 Intensivbetten zur Verfügung. Zudem könnten innerhalb von 7 Tagen zusätzliche 433 Intensivbetten in den Notbetrieb genommen werden. Prof. Dr. Norbert Pfeiffer von der Unimedizin Mainz lobte die Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern. Dadurch könne man die Lasten gleichmäßig verteilen, sodass es nicht zu einer Überforderung einzelner Krankenhäuser kommt. „Die Lage bleibt jedoch weiter angespannt, und wir sind auf die Disziplin der Mitbürgerinnen und Mitbürger angewiesen, um weitere Infektionen und Erkrankungen so gering wie möglich zu halten.“

Impfungen sollen vorangehen

Vergangene Woche wurde in Rheinland-Pfalz die Millionste Impfung verabreicht. Damit haben mehr als 20 Prozent der Rheinland-Pfälzer mindestens ihre Erstimpfung erhalten, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Ab Freitag (23. April) darf eine weitere Impf-Gruppe Termine vereinbaren. Dann werden die Terminregistrierungen für alle Personen der Prioritätsgruppe III möglich sein. Das seien rund eine Million weitere Rheinland-Pfälzer. Die ersten Impfungen werden voraussichtlich ab Ende Mai stattfinden können. Zur Prioritätsgruppe III gehören unter anderem auch Lehrer der weiterführenden Schulen, Menschen mit Vorerkrankungen, Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel und Obdachlose. Mehr Infos zu den Berechtigten der Gruppe will das Land bald auf seiner Webseite mitteilen.

Beim Thema Impfen appellierte Ministerpräsidentin Dreyer auch noch einmal an alle, Impftermine wahrzunehmen oder abzusagen, wenn sie diese nicht antreten können oder wollen. „Andernfalls verzögern sich Termine für alle anderen. Die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist und bleibt eine Aufgabe, die die Solidarität und Mithilfe der gesamten Gesellschaft erfordert“, sagte sie.

Testmöglichkeiten

Insgesamt gibt es in Rheinland-Pfalz mittlerweile rund 1200 Teststellen. Bisher seien allein an die kommunalen Teststellen und Hilfsorganisationen gut 1,6 Millionen PoC-Testkits ausgegeben worden, sagte Detlef Placzek, Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung. Seit Beginn - Anfang März - seien schätzungsweise 6 Millionen Tests durchgeführt worden. Hinzu kämen Tests an privaten Teststellen wie beispielsweise bei Apotheken und Ärzten, aber auch von kommerziellen Anbietern. Jetzt müsse man das Angebot noch so ausweiten, dass auch an Wochenenden oder spät am Abend Tests möglich seien.

Luca-App

Als weitere zentrale Säule im Kampf gegen die Pandemie nannte Malu Dreyer die Kontaktnachverfolgung. Digitale Lösungen wie die Luca-App könnten die Gesundheitsämter entlasten. Seit dem 12. April 2021 nutzten die ersten Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz die App. In den kommenden Wochen sollen sich alle Gesundheitsämter mit Luca vernetzen. „Die Anbindung der Gesundheitsämter ist aber nur der erste Schritt. Wie alle Maßnahmen in der Pandemie müssen möglichst viele Menschen mitmachen, die Angebote wahrnehmen und Maßnahmen verantwortungsvoll umsetzen“, sagte Dreyer.

Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes, um die Notbremse bundesweit durchzusetzen, sagte Dreyer, dass Rheinland-Pfalz die diskutierten Maßnahmen bereits zu großen Teilen konsequent umsetze und an einigen Stellen sogar darüber hinaus gehe. Ein zentraler neuer Punkt sei die Änderung der Ausgangssperre, die nicht mehr ab 21 Uhr sondern ab 22 Uhr und mit Ausnahmen unter anderem für Jogger und Spaziergänger gelten soll. „Die Regelung ist weniger streng als unsere bisherige. Ich will nochmals sagen: Wir wissen, dass nicht der Aufenthalt draußen in der Nacht das Problem ist, es geht darum mittelbar zu verhindern, dass Menschen sich zu Hause mit anderen treffen“, so die Ministerpräsidentin.

Ebenfalls neu sei, dass ab einer Inzidenz von 165 Fernunterricht erteilt werden muss. „Dieser Vorgabe des Bundes hätte es nicht bedurft. In Rheinland-Pfalz setzen sich Gesundheitsämter, Schulträger und ADD ab einer Inzidenz ab 100 zusammen und entscheiden über passgenaue Maßnahmen“, sagte Dreyer. Sie sei aber froh, dass der rheinland-pfälzische Wunsch, die Außenbereiche von Zoos und botanischen Gärten offen zu halten, angenommen wurde - allerdings müssen dann Tests vorgelegt werden.

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