Corona-Fall am KKM: Müssen nicht alle Pflegekräfte in Quarantäne?

Nachdem eine Krankenpflegerin am KKM positiv auf das Coronavirus getestet worden ist, wundert sich ein Merkurist-Leser: Warum wurden nicht alle Mitarbeiter der Station unter Quarantäne gestellt?

Corona-Fall am KKM: Müssen nicht alle Pflegekräfte in Quarantäne?

Eine Krankenpflegerin am Katholischen Klinikum (KKM) in Mainz ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie befindet sich in Quarantäne - doch viele ihrer Kollegen auf der Station nicht. Das sorgt bei einem Merkurist-Leser für Unverständnis. Im Gespräch mit Merkurist sagt er: „Sie haben ja alle Zeit miteinander im Gemeinschaftsraum verbracht. Alle, die unter 15 Minuten mit der Betroffenen Kontakt hatten, werden erst nach zwei Wochen getestet. Das finde ich komisch, in den Schulen ist das ja auch krasser geregelt.“

Ist dieses Vorgehen des Krankenhauses und des Gesundheitsamts Mainz-Bingen daher falsch? Die Kreisverwaltung teilt auf Anfrage mit: „Das KKM stand in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt und wir wurden über das weitere Vorgehen des Krankenhauses informiert.“ Und: „Der Zeitpunkt der Testung entspricht den Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) zur Kontaktpersonen-Nachverfolgung. Grundsätzlich gilt: je länger und enger der Kontakt, desto höher das Risiko.“

Konkret bedeutet das laut RKI:

  • Kategorie Ia/b: enger Kontakt (mindestens 15-minütiger Gesichtskontakt, direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten (zum Beispiel beim Küssen), Kontakt im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung, ohne verwendete Schutzausrüstung)

  • Kategorie II: geringeres Infektionsrisiko (kein 15-minütiger Gesichtskontakt, medizinisches Personal, welches sich ohne Verwendung von Schutzausrüstung im selben Raum wie der bestätigte Covid-19-Fall aufhielt, aber eine Distanz von zwei Metern nie unterschritten hat)

  • Kategorie III: Medizinisches Personal mit Kontakt im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung, wenn eine adäquate Schutzbekleidung während der gesamten Zeit des Kontakts getragen wurde. Außerdem: Medizinisches Personal mit Kontakt ohne Schutzausrüstung, ohne direkten Kontakt mit Sekreten oder Ausscheidungen des Patienten.

An diese Vorgabe hält sich auch das KKM, wie dessen Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. med. Jörn O. Balzer, gegenüber Merkurist erklärt. „Entscheidend ist die Kontakt-Kategorie. Kategorie Ia und Ib werden für 14 Tage in häusliche Absonderung geschickt und nach Ablauf dieser Zeit getestet. Kontaktpersonen der Kategorie III arbeiten im KKM unter Auflagen (Selbstmonitoring, Mund-Nasen-Schutz) weiter und müssen solange sie asymptomatisch sind nicht getestet werden.“ Um das Kontaktrisiko zu reduzieren, tragen alle Mitarbeiter des KKM permanent Mund-Nasen-Schutz, so Balzer. „Das KKM geht bei Kategorie-III-Personen jedoch im Einzelfall nach Rücksprache mit der Krankenhaushygiene und Gesundheitsamt über die geforderten Auflagen hinaus. So führen diese Personen dann nicht nur das vorgegebene Fiebertagebuch, sondern sie tragen auch eine FFP2-Maske.“

Wie ist das KKM vorbereitet?

Im konkreten Fall tragen die Mitarbeiter eine FFP2-Maske und werden zusätzlich am Ende ihrer Auflagen, spätestens nach 14 Tagen, getestet, erklärt Balzer. „Sollte ein Mitarbeiter, egal welcher Kontakt-Kategorie symptomatisch werden, erfolgt immer sofort ein Abstrich. Im angesprochenen Fall sind bei Mitarbeitern der Kontakt-Kategorie III 14 Tage noch nicht um und da bislang keine Symptome aufgetreten sind, ist somit noch keine Testung erfolgt. Sollten Symptome auftreten wird entsprechend früher getestet.“

Doch was würde passieren, wenn ein Großteil der Pflegekräfte des KKM wegen des Verdachtes auf eine Corona-Infektion isoliert werden müsste? Darauf sei man vorbereitet, erklärt Balzer. „Wie in allen Kliniken üblich, wird die Arbeit auf Station durch Pflegekräfte im Schichtdienst übernommen. Im Falle eines erhöhten Patienten-Aufkommens würde von dem derzeit umgesetzten Drei-Schicht-Modell wieder auf ein Zwei-Schicht-Modell (mit einer Backup-Gruppe) gewechselt werden. Die Pflegekräfte im Backup würde dann erst zum Einsatz kommen, wenn eine Gruppe ausfällt, weil sie in Quarantäne müsste.“ Selbstverständlich dabei sei auch, dass sich die Gruppen untereinander nicht begegnen, sodass keine Infektionskette zwischen den Gruppen selbst entstehen könne.

Darüber hinaus habe man am KKM mit einem Selbstauskunftsbogen eine Art „Frühwarn-System“ etabliert, um Infektionsketten zu unterbrechen, erklärt Balzer gegenüber Merkurist. „So sind alle Mitarbeiter angewiesen, einen solchen Bogen auszufüllen und mit der Krankenhaushygiene in die Abstimmung zu gehen, wenn sie bekanntermaßen einen Kontakt hatten und/oder Symptome zeigen. Dann berät und entscheidet die Krankenhaushygiene in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, wie das weitere Vorgehen ist. Hier können Abstrich, Quarantäne oder Arbeiten unter Auflagen möglich sein - je nach Kontaktgrad.“ (pk)

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