Angst vor Corona-Ansteckung in Restaurants begründet?

Wer ein Restaurant in Mainz besuchen will, der muss geimpft/genesen und getestet sein. Nur Geboosterte müssen keinen tagesaktuellen Test vorweisen. Nun fiel gerade noch die Erfassung der Kontaktdaten weg. Einige Gäste sind jetzt verunsichert.

Angst vor Corona-Ansteckung in Restaurants begründet?

Seit Montag (31. Januar) müssen Gaststätten in Rheinland-Pfalz nicht mehr die Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen. „Das ist deshalb möglich und vertretbar, da der Mehrzahl der Bürger aufgrund der erfolgten Auffrischungsimpfung selbst als enger Kontaktperson keine Quarantäne mehr droht“, erklärte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) die Entscheidung. Einige potenzielle Restaurantbesucher wie Leser „Wal“ fühlen sich jetzt „nicht mehr sicher“, auch wenn weiterhin grundsätzlich die 2G-Plus-Regelung in der Innengastronomie gilt.

Während die Mehrheit der Gastro-Betriebe in Mainz wohl eher erleichtert auf die neusten Entwicklungen und Entscheidungen der Politik blicken, setzt jedenfalls das „Bootshaus Mainz“ ein deutliches Statement. In einem Facebook-Post erklären die Verantwortlichen, dass sie den Betrieb vorerst einstellen. Leider, so heißt es in dem Post, habe das Corona-Virus den Alltag wieder voll im Griff und die Infektionszahlen erreichten täglich neue Höchststände. „Da uns die Gesundheit unserer Gäste sowie Mitarbeiter sehr am Herzen liegt, möchten wir kein Risiko einer möglichen Infektion im Bootshaus eingehen. Daher haben wir uns entschlossen, das Restaurant bis voraussichtlich Ende Februar 2022 geschlossen zu halten“, teilt das Restaurant mit. Man bedauere diesen Schritt sehr, aber es gebe nichts Wichtigeres als die Gesundheit der Gäste und Mitmenschen.

Das sagt eine Virologin

Doch ist die Angst vor Ansteckung in der Gastro nun berechtigt? Wenn es nach der rheinland-pfälzischen Virologin Isabella Eckerle geht, die am Universitätsklinikum Genf arbeitet, dann ja: „Wer sich jetzt in ein Restaurant setzt, riskiert trotz aller Hygienemaßnahmen eine Omikron-Infektion – eben auch, wenn alle Gäste neben der Impfung oder Genesung einen tagesaktuellen Test haben“, sagt die Virologin im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“. Denn im Restaurant rede man nun mal laut, esse, trinke, gehe mal auf die Toilette oder zur Bar, niemand habe dort permanent eine FFP2-Maske auf. Und bei der rasanten Verbreitung von Omikron und den offenbar unzuverlässigeren Schnelltests sei eine Ansteckung dann eben nicht unwahrscheinlich.

Wie Eckerle im Interview mit der „Wirtschaftswoche“ weiter sagt, habe man jetzt alle Werkzeuge, die man im Kampf gegen Corona haben kann: Masken, Tests, Impfungen. Zudem würden die Daten zeigen, dass die Booster-Impfung zumindest eine Zeit lang vor einer Omikron-Infektion schützt und im Falle einer Erkrankung immer noch deutlich vor einem Krankenhausaufenthalt oder dem Tod. „Aber was auch zur Realität gehört: Früher oder später wird Omikron wohl jeden erwischen.“ Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bezeichnete die Gastronomie bei „RTL Direkt“ zuletzt als „Problembereich“. Zutritt dürfe es eben nur geben, wenn man zweimal geimpft und getestet sei. Lediglich Geboosterte dürften so rein. Dennoch schützt auch eine Auffrischungsimpfung nicht davor, sich mit Corona zu infizieren.

Gäste in Gastro „sicher“

Dass die Angst vor einem Restaurant-Besuch und einer damit verbundenen Corona-Infektion unbegründet ist, glaubt jedoch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Rheinland-Pfalz. Dessen Präsident Gereon Haumann sagte im Gespräch mit Merkurist, dass es kein einziges großes Infektionsgeschehen in der Gastronomie gegeben habe (wir berichteten). Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Mitgliedsbetriebe sicher seien. „Die Gäste sind in den Dehoga-Betrieben jederzeit sicher und geschützt. Dies gilt auch zukünftig“, so Haumann in einem Statement Ende letzten Jahres.

Und so muss also letztlich jeder selbst entscheiden, ob er aktuell einen Gastro-Betrieb besuchen möchte oder aus Angst, sich anzustecken, zuhause bleibt.

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