Baugebiet Ostfeld – Bleibt Mainz jetzt die Luft weg?

Vor zwei Wochen sollte geklärt werden, ob das geplante Bauprojekt auf dem Gelände „Ostfeld/Kalkofen“ die Frischluftzufuhr für Mainz gefährdet. Konkrete Antworten seitens der Mainzer Politik blieben aus.

Baugebiet Ostfeld – Bleibt Mainz jetzt die Luft weg?

Mitte Mai hat Merkurist die Stadt Mainz und Umweltdezernentin Katrin Eder gefragt, ob das geplante Baugebiet in Wiesbaden auf dem „Ostfeld/Kalkofen“ die Frischluftzufuhr für Mainz gefährdet. Aus diesem Grund spricht sich nämlich die Aktionsgemeinschaft „Hände weg von Os/Ka“ gegen das Bauprojekt aus. Die Antwort der Stadt Mainz ließ allerdings Fragen offen.

Die Stadt Wiesbaden hat geantwortet

Jetzt hat das Umweltamt der Stadt Wiesbaden Stellung bezogen: Die Städte Mainz und Wiesbaden stünden im Projekt „Klimprax“ miteinander in Verbindung, sagt ein Sprecher des Wiesbadener Umweltdezernats. An dem Projekt seien fünf verschiedene Institutionen beteiligt. Darin würde man sich auch das Bauvorhaben „Ostfeld/Kalkofen“ thematisieren. „Das Projekt beschäftigt sich mit den temperaturbedingten Klimafolgen für Kommunen“, erklärt er. Es stimme zwar, dass eine Frischluftschneise durch das Gebiet nach Mainz führe. Die Stadt sei zwar betroffen, aber nicht signifikant.

Die Aktionsgemeinschaft widerspricht

Sabine Maritzen, Sprecherin der Aktionsgemeinschaft „Hände weg von Os/Ka“, weist diese Prognose zurück. „In den Umweltkarten, die Wiesbaden herausgegeben hat, ist das Ostfeld ein Frischluftentstehungsgebiet. Es ist nicht nur eine Leitbahn für Frischluft, sie bildet selbst Frischluft“, erklärt Maritzen. Der derzeitige Bebauungsplan, den die Stadtentwicklungsgesellschaft herausgegeben hat, bebaue größtenteils dieses Quellgebiet mit fünfstöckigen Gebäuden und greife in die Kaltluftbahnen ein.

„Wenn ich ein Quellgebiet versiegle, dann versiegt die Quelle. Dazu gibt es keine Alternative“, sagt Maritzen. Wiesbaden verspreche sich davon neuen Wohnraum und neue Arbeitsplätze. Mainz bekäme aber durch den Bau massive Frischluftprobleme. Grund dafür sei die geplante hohe und dichte Bebauung des Gebiets. Die Stadt habe ohnehin schon eine stärkere Erwärmung und Schadstoffanreicherung als andere Städte im Land, so die Sprecherin der Aktionsgemeinschaft.

Bebauung des „Ostfelds“ war schon einmal geplant

Vor 20 Jahren habe es schon einmal den Plan gegeben, das Ostfeld zu bebauen, so Maritzen. „Es gab ein Gutachten, das gesagt hat ‚Ja, ihr dürft da bauen, wenn ihr zwischen den einzelnen Gebäuden die dreifache Höhe freilasst‘“, erklärt Maritzen. So hätte die Frischluft weiterströmen können. Diesen Plan habe die Stadt Wiesbaden aber aus umweltpolitischen Gründen verworfen. Das geht auch aus einem Beschluss des Stadtparlaments von 1999 hervor. Merkurist konnte den Beschluss einsehen.

„Es wurde dann im Endeffekt gekippt, weil die Bebauung so locker hätte sein müssen, um eben AKK (Amöneburg, Kostheim, Kastel) und Mainz nicht die Luftzufuhr zu nehmen, dass es nicht mehr ökonomisch war“, berichtet Maritzen. Heute sei die Lage etwas anders: Wiesbaden brauche dringend Wohnraum.

Es geht nicht nur um Frischluft

„Das Thema ist so relevant, dass die Mainzer Grünen es in ihr Wahlprogramm aufgenommen haben“, sagt Maritzen. Die Frischluftzufuhr sei dabei nicht das einzige Problem: Neben einem Wohngebiet mit circa 4500 Wohnungen sei ein Gewerbegebiet geplant, das circa 9500 Arbeitsplätze verspreche. Bei so vielen Arbeitsplätzen und vergleichsweise so wenigen Wohnungen sei es aber absehbar, dass die meisten Arbeitnehmer anreisen müssten. Dadurch gäbe es mehr Verkehr, was den Klimawandel fördere. „Die Leute werden natürlich nicht nur in Wiesbaden nach bezahlbarem Wohnraum suchen, sondern sie werden natürlich auch nach Mainz ziehen. Das wird die gesamte Wohnungssituation in Mainz anheizen“, erklärt Maritzen.

Doch es ist noch lange nichts entschieden

„Es wird immer so getan, als ob die Pläne stehen“, sagt Maritzen. Das letzte Wort habe immer noch das Wiesbadener Stadtparlament. „Das Problem ist nur, wenn sie zu lange warten bevor sie aktiv werden, dann stehen die Pläne und sie können ein Projekt nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr modifizieren.“ (df/pk)

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