Sissi Westrich: So fällt meine Mainzelbahn-Bilanz aus

Im Juni wurde Sissi Westrich (SPD) erneut zur Ortsvorsteherin des Lerchenbergs gewählt. Was sie an ihrem Stadtteil schätzt und wie es mit Einkaufszentrum und Bürgerhaus weitergeht, darüber hat sie mit Merkurist gesprochen.

Sissi Westrich: So fällt meine Mainzelbahn-Bilanz aus

Die meisten verbinden mit dem Mainzer Lerchenberg wohl das Thema Medien. Schließlich hat hier das ZDF seinen Sitz. Dass der Stadtteil aber noch mehr zu bieten hat, weiß Ortsvorsteherin Sissi Westrich (SPD). Im Merkurist-Interview spricht sie über ihre Lieblingsplätze, aber auch die Herausforderungen, mit denen der Lerchenberg zu kämpfen hat.

Merkurist: Frau Westrich, was muss man auf dem Lerchenberg unbedingt gesehen haben?

Sissi Westrich: Der Lerchenberg ist ein Stadtteil, der sich erst auf den zweiten Blick erschließt - Liebe auf den zweiten Blick also. Es gibt zum Beispiel versteckte Kunstwerke wie den Mauerläufer in der Lortzingstraße. Man muss unbedingt die katholische Kirche St. Franziskus gesehen haben, die glaube ich gar nicht so bekannt ist. Dort gibt es die wunderbaren Fenster von Georg Meistermann, einem sehr bekannten Glaskünstler. Außerdem hat sie eine fantastische Orgel. Die Kirche strahlt Geborgenheit aus, hat etwas Warmes. Man muss den Lerchenberg auch erlaufen haben, gerade in den schönen Waldstücken. Bald kann man zudem an der evangelischen Kirche die „Peace Bell“ betrachten. Sie soll in der Mitte des Stadtteils einmal am Tag für den Frieden läuten. Das Ganze ist ein Projekt des Sängers Michael Patrick Kelly. Es sind also viele kleine Punkte, die sich auf dem Lerchenberg entdecken lassen.

Was mögen Sie an Ihrem Stadtteil und seinen Bewohnern?

Mir gefällt die Mischung zwischen Nähe und Distanz. Es ist schon urban, aber man muss nicht viel tun, um viel Nähe zu er​fahren. Dazu muss man sich nur im Stadtteil engagieren. Diese Offenheit ist hier etwas ganz Besonderes. Ich liebe außerdem die Waldstücke, die im Gegensatz zu den Hochhäusern auf dem Lerchenberg stehen. Dieses Nicht-Homogene hat einfach seinen Reiz.

Welche Probleme gibt es?

Wir haben eine tolle Infrastruktur - mit ​Grundschule, Realschule, dem Einkaufszentrum mit 30 Anbietern und bald einem neuen Bürgerhaus. Wir haben aber auch starke Gegensätze: Wir sind der Stadtteil mit den meisten Menschen über 60 und ​liegen auch an der Spitze bei dem Anteil der Menschen unter 18. Dazwischen ist es ein bisschen mau. Die Interessen der unterschiedlichen Altersgruppen zusammenzubringen, ist sehr herausfordernd. Und auch in anderen sozialen Belangen zeigt die Sozialraumanalyse, dass es da ein Gefälle gibt. Nehmen wir zum Beispiel ​den Sprachstand bei Schuleingangsuntersuchungen - da müssen wir noch viel tun und Familien ​zur Förderung ihrer Kinder früher ab​zuholen. Bestimmte Stadtteile sind bei diesem Thema mehr im Fokus. Und wir müssen mehr dafür tun, dass der Lerchenberg mehr in den Fokus rückt.

Apropos Einkaufszentrum: Wie soll es da weitergehen?

Äußerlich muss das Einkaufszentrum attraktiver werden. Wir warten sehr dringend auf den nächsten Schritt, in dem es an die Gestaltung der Passage geht. Es soll ​barrierefrei werden optisch der Gegenwart angepasst werden, schließlich ist das Zentrum schon fast 50 Jahre alt. Es braucht aber einfach einen Erneuerungsschub.

Und das Bürgerhaus?

Es wird im Gegensatz zu den Gebäuden in anderen Stadtteilen eines mit mehr Ecken und Kanten sein, da Bestehendes integriert wird. Und es wird ein Zuhause für alle Generationen. Unsere fünfte Kita wird dort untergebracht sein ​wie auch das Vitalzentrum für Menschen ab 50. Auch ein Tanzclub wird sich dort ansiedeln. Das freut mich sehr, dass wir so einen weiteren Verein für den Stadtteil gewinnen konnten, denn auf dem Lerchenberg gibt es nur zwei eingesessene Vereine. Die Arbeiten dauern allerdings etwas länger als geplant und das nervt natürlich. Aber ich sehe nicht den jetzigen Zustand, sondern das Ziel. Und darauf freue ich mich sehr.

Drei Jahre ist die Mainzelbahn nun schon in Betrieb - welche Bilanz ziehen Sie?

Ich bin damals regelmäßig beschimpft worden, als die Strecke gebaut worden ist. Es gab Befürchtungen, dass es eine unschöne Schneise durch den Stadtteil gibt. Aber diese Bedenken konnten zerstreut werden. ​Die Mainzelbahn fügt sich gut ein. Jetzt ​beschweren sich viele, dass die Bahn nicht bis zum Bürgerhaus fährt. Diese Variante fiel aufgrund des Ergebnisses der Bürgerbeteiligung raus ​wie auch aus förderungstechnischen Gründen. An der Hindemithstraße gibt es in den Hochhäusern immer wieder Beschwerden über Quietschgeräusche. Die Bahnen quietschen dort aber auch nicht immer, bei Nässe zum Beispiel gar nicht. Man geht jetzt der Idee einer ​weiteren Schmieranlage nach, um das einzudämmen. Mit dem Fahrplanwechsel werden viele Nachtfahrten der Bahn auch auf Busse umgelegt, das ist auch eine Entlastung für die Anwohner.

Das Interview führten Peter Kroh und Denise Frommeyer. (pk)

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