Weltmeister Niklas Kaul: „Das klassische Studentenleben habe ich nicht“

Der 1. FSV Mainz 05 hat die Studenten der Johannes Gutenberg-Universität zum „Studi-Talk“ eingeladen. Zu Gast auf dem Podium waren Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul und Ex-05-Profi Niko Bungert.

Weltmeister Niklas Kaul: „Das klassische Studentenleben habe ich nicht“

Mehr als 300 Studenten strömten am Montagabend in die MEWA Lounge der Opel Arena. Grund hierfür war nicht nur die Einladung des Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität, Georg Krausch, und des 1. FSV Mainz 05 zum jährlichen „Studi-Talk“, sondern auch die Starbesetzung auf dem Podium: Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul und Ex-Fußballprofi Niko Bungert. Im Gespräch mit 05-Sportvorstand Rouven Schröder und Stadionsprecher Andreas Bockius beantworteten sie die Fragen der Studenten.

Vereinbarkeit von Sport und Ausbildung

Gemäß dem Thema des Abends „Vereinbarkeit von Leistungssport und Ausbildung“ galt die erste Frage dem Alltag des Weltmeisters. „Das klassische Studentenleben habe ich nicht“, antwortete Niklas Kaul. Der Leistungssport und sein Lehramtsstudium, Sport und Physik, erforderten gutes Zeitmanagement. Kurze Wege zwischen Universität und Trainingsplatz machten es einfacher.

Momentan teile er sich die Zeit ein: halb Sport, halb Studium. „Dieses Semester habe ich die Stunden an der Uni auf 15 pro Woche runtergeschraubt“, so Kaul. Der Grund: die Olympischen Spiele im nächsten Jahr. Dennoch habe er das Ziel eines Tages Lehrer zu werden. „Ich möchte gerne mit dem Studium fertig sein, wenn ich mit dem Sport aufhöre. Ich möchte die Sicherheit haben, dass ich danach einen Beruf ergreifen kann. Auch falls die Sportkarriere einmal frühzeitiger endet als gedacht“, sagt der 21-Jährige. Denn auch Verletzungen seien ein ständiges Risiko im Leistungssport.

Karrierewege

Was die Studenten auch noch interessierte: Wie kann man eine Karriere im Sport machen, ohne Sport studiert zu haben? „Da gehört viel Glück dazu“, sagt Sportvorstand Rouven Schröder. Er selbst habe keine klassische Sportkarriere durchlaufen und auch kein Sport studiert. Das sei auch nicht nötig. Er habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht. „Parallel dazu habe ich die Möglichkeit bekommen Profi zu werden. Das war relativ spät, mit 23 Jahren.“ Seine Stärken zu erkennen und Ziele zu haben, sei wichtig. Er habe sich oft durchboxen müssen. „Wichtig sind auch Weiterbildung, viel Fleiß und Menschen, die einem weiterhelfen wollen“, so Schröder. Eine Möglichkeit für die Studenten sei das Angebot des Vereins und der Opel Arena. Auf der Webseite könnten sie sich über Jobs und Karrierewege bei Mainz 05 informieren, auch ohne Sportstudium.

Wie sieht es finanziell aus?

„Als Fußballer muss man sich darüber bewusst sein, wie gut es einem geht“, sagt Niko Bungert. Andere Sportler verdienten deutlich weniger - unter anderem Leichtathleten. Rechtfertigen müssten sich Fußballspieler aber nicht, meint Bungert. „Im Endeffekt gibt es diesen Markt. Man hat Glück, dass das was man gut kann, so wertgeschätzt wird.“

In der Leichtathletik sehe das etwas anders aus, sagt Kaul. „Bei uns brauchen sich die besten Vier oder Fünf der Welt wenig Gedanken zu machen.“ Für die Top 10 oder Top 15 der Weltrangliste sei die Finanzierung schon schwieriger, Sponsoren unerlässlich. „Die deutsche Sporthilfe zum Beispiel ist ein wichtiger Partner. Nicht nur finanziell, sondern auch auf die Frage hin ‘Wie kann eine sportliche Karriere aussehen?’“, so Kaul. Für ihn sei es die „duale Karriere“, die ihm Sicherheit und auch andere Einblicke biete.

Leistungsdruck, Musik und große Gefühle

Mit der Sportkarriere sei immer Leistungsdruck verbunden, sagt Kaul. Das habe er gemerkt, als die Nationalhymne nach seinem Sieg im Stadion in Doha spielte. „Es war sehr emotional für mich. Weil es auch der erste Moment war, den ich für mich alleine hatte und in dem ich die letzten zwei Tage reflektieren konnte“, erinnert sich Kaul. Wäre die Nationalhymne länger gespielt worden, wäre es auf dem Podest noch emotionaler geworden, sagt er. (rk)

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