Gebürtiger Mainzer rettet historischen Bus vor der Schrottpresse

In den 80er und 90er Jahren waren die orangefarbenen Busse der Stadtwerke nicht aus dem Mainzer Stadtbild wegzudenken. Doch mittlerweile gibt es nur noch wenige Exemplare. Eines davon befindet sich in Bayern. Wir haben mit dem Besitzer gesprochen.

Gebürtiger Mainzer rettet historischen Bus vor der Schrottpresse

Es war wie eine Sucht. In seiner Kindheit und Jugend fuhr Torsten Anstatt gerne mit dem Bus durch Mainz, fotografierte die Fahrzeuge. „Das ist mit den Jahren immer schlimmer geworden“, sagt der heute 39-Jährige und lacht. Er wusste damals schnell: Ich will Busfahrer werden. Knapp 30 Jahre später konnte er sich diesen Traum erfüllen. Und nicht nur das: Er hat auch ein Relikt aus seiner Kindheit und Jugend vor der Schrottpresse bewahrt. Den Wagen 149, einen Bus Modell „O 405“ von Mercedes Benz, erstmals zugelassen am 2. Januar 1989. Damit besitzt Anstatt den ältesten, angemeldeten Bus aus Mainz.

Im Jahr 2007 waren die Busse aus dem Mainzer Stadtbild verschwunden, wurden teilweise nach Rumänien und Polen verkauft. Anstatt, der mittlerweile in Bayern wohnte, machte sich auf die Suche nach den letzten Exemplaren und wurde schließlich 2016 im nordrhein-westfälischen Hamm fündig. „Eigentlich sollte der Bus drei Monate später in der Schrottpresse landen“, erzählt Anstatt. „Das ist mein Schulbus gewesen, er war meist als Linie 7 und 21 unterwegs, da bin ich ganz oft mitgefahren.“

Die Entscheidung fiel schnell. „Nicht lange überlegen, einfach machen - das ist mein Motto. Ich habe den Bus einfach mitgenommen, ich wusste nicht mal, ob er überhaupt fährt. Schließlich stand das Fahrzeug mehrere Jahre dort“, sagt der 39-Jährige. Fast 600 Kilometer musste er dann am selben Tag noch mit dem Bus nach Hause zurücklegen. „Das hat dann auch acht Stunden gedauert, der Bus fährt nicht schneller als 80 Stundenkilometer.“ Anstatt war glücklich, doch es lag auch noch eine Menge Arbeit vor ihm. Die Sitze waren verschimmelt, der Lack musste an vielen Stellen ausgebessert werden. Und auch die Elektronik musste erneuert werden.

Den TÜV „mit Bravour bestanden“

Im Frühjahr 2017 konnte er endlich mit der Restaurierung beginnen. „Dabei halfen mir Freunde und mein Lebensgefährte. Den Großteil habe ich aber selbst gestemmt.“ Die Belohnung: Zum 30. Geburtstag bekam der Bus den TÜV. Prädikat: „mit Bravour bestanden“. Und ein historisches Kennzeichen gab es noch oben drauf. „Das war einfach eine Herzensangelegenheit von mir, da habe ich mich sehr gefreut, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“

Der Bus darf sogar ab und zu noch seiner früheren Bestimmung nachkommen: Als Linienbus ist er manchmal im Nürnberger Land unterwegs, erzählt Anstatt. „Immer dann, wenn bei uns im Unternehmen mal ein Bus streikt. Dann springe ich mit dem Mainzer Bus ein.“ Und er plant sogar einen Besuch mit dem Bus in Mainz. „Es haben mich schon einige darauf angesprochen. Ich würde gerne bald einen Tagesausflug in meine Heimat machen. Und dann stelle ich mich mit dem Bus dahin, wo ihn sich die Leute auch anschauen können.“ Bis dahin dauert es allerdings noch etwas - „ich freue mich aber schon sehr, wenn es soweit ist“.

Bilder und Videos von der Restaurierung sowie weitere Infos findet Ihr auf der Facebook-Seite, die Torsten Anstatt für den Bus eingerichtet hat. (rk)

Logo