Steigende Inzidenzen: Können die Labore noch genügend PCR-Tests auswerten?

Die Inzidenzen schnellen in die Höhe, die Nachfrage nach PCR-Tests in Mainz und Umgebung steigt aktuell enorm an. Das bringt die Labore an ihre Grenzen. Können sie künftig noch genügend Tests auswerten?

Steigende Inzidenzen: Können die Labore noch genügend PCR-Tests auswerten?

Wer einen positiven Schnelltest hat, wer direkte Kontaktperson ist oder wer eine rote Kachel in der Corona-Warn-App hat, macht in der Regel einen PCR-Test. Wegen der hohen Fallzahlen jedoch werden allmählich die Testkapazitäten knapp, denn – anders als ein Antigen-Test – werden PCR-Tests an medizinische Labore geschickt und dort ausgewertet. Mit deutschlandweit fast zwei Millionen PCR-Tests in einer Woche seien die Zahlen derzeit auf einem „Allzeithoch“, meldet die Geschäftsstelle von „Akkreditierte Labore in der Medizin“ (ALM e.V.). 40 Prozent mehr Untersuchungen als noch in der Vorwoche werden aktuell durchgeführt. Auch die Anzahl der positiven Befunde sei mit 25 Prozent auf Rekordhoch. In vielen Regionen sei die Kapazitätsgrenze erreicht – oder bereits überschritten.

12.000 Proben an einem Tag

Die meisten Proben, die in der Region Mainz und teilweise auch in Hessen genommen werden, landen bei der Zentrale der Bioscientia Healthcare GmbH in Ingelheim. 12.000 Proben kommen dort derzeit jeden Tag an (Stand: 18. Januar), 30 Prozent der Proben seien positiv.

„Unser Personal kommt an seine Grenzen“, sagt Pressesprecher Dr. Hendrik Borucki im Gespräch mit Merkurist. Aktuell könne man noch damit rechnen, innerhalb von 48 Stunden das Ergebnis vorliegen zu haben. Wie das in Zukunft aussehen wird, hänge von mehreren Faktoren ab: Neben der Entwicklung des Infektionsgeschehens dürften jetzt weder die Geräte „schlapp machen“, noch die Reagenzien ausgehen oder Personal ausfallen, sagt Borucki. Am Bioscientia-Standort in Moers etwa war kürzlich das Hauptgerät ausgefallen, Tausende von Proben wurden nach Ingelheim zum Auswerten geschickt – die dann dort zusätzlich abgearbeitet werden mussten.

Zwar habe Bioscientia im vergangenen Jahr sowohl Geräte als auch Räumlichkeiten aufgestockt und die Kapazitäten seit dem vergangenen Winter verdoppelt, doch durch den „Sturm durch Omikron“ komme Bioscientia dennoch an seine Grenzen. Vor allem das Personal sei überlastet. „Qualifizierte Stellen sind sehr schwierig zu besetzen“, so Borucki. „Wir müssen da jetzt irgendwie durch.“

Priorisierte Behandlung bestimmter Proben

Inzwischen werden einige Proben bereits priorisiert behandelt: „Wenn aus dem Auftragsschein hervorgeht, dass die Probe aus einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis stammt, wird diese bevorzugt ausgewertet“, so Borucki. Denn dann könne man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie von einem symptomatischen Patienten stammt oder einer Kontaktperson mit erhöhtem Risiko. „Leute, die sich freitesten wollen, Urlauber und gesunde Kontaktpersonen müssen dann hinten anstehen.“ Wenn die Infektionsrate weiter steigen wird, müssten die aktuellen Regelungen geändert werden, plädiert Borucki. „Nach den jetzigen Regeln, nach denen ein PCR-Test für viele Menschen zugänglich ist, werden wir überschwemmt werden.“

Tatsächlich hat das Bundesgesundheitsministerium inzwischen Pläne, die Testverordnungen zu ändern. Tests von medizinischem und Pflegepersonal soll vorrangig ausgewertet werden, da diese mit vulnerablen Menschen in Kontakt kommen. Einige Bundesländer fordern bereits, den Zugang zu PCR-Tests einzuschränken, etwa nur noch für Menschen mit typischen Corona-Symptomen zugänglich zu machen. Rote Kacheln auf der Corona-Warn-App sollen nur noch mit Antigen-Tests geprüft werden.

Bei Bioscientia in Ingelheim arbeitet man derweil weiter auf Hochtouren. „Es ist unglaublich, was die Leute hier leisten“, sagt Borucki. „Wenn das einmal aufhört, werden wir groß feiern.“

Logo