Nach wochenlanger Debatte ist nun klar: Das 20. Mainzer Oktoberfest kann doch noch stattfinden (wir berichteten). Inzwischen war die Dauer-Posse um das Fest fast schon zum lokalen Meme verkommen. Und gerade jetzt, wo feststeht, dass am Freitag das erste Bierfass angestochen werden darf, entwickelt sich die nächste Debatte.
Völlig spontan hatte der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA) am Mittwochmorgen zur Pressekonferenz eingeladen. Mit auf dem Podium sollten laut DEHOGA-Einladung außer Fest-Veranstalter Karl Strack von der Mainzer Messe Gesellschaft (MMG) und DEHOGA-Boss Gereon Haumann auch Baudezernent Ludwig Holle, Ordnungsdezernent Karsten Lange und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (alle drei CDU) sitzen.
Dicke Luft zwischen Haase und seinen Dezernenten
Doch genau das sorgt gerade für mächtig Ärger an der Stadtspitze. Völlig überrascht von der Einladung trotz der noch laufenden Genehmigungsverfahren, soll Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) nach Merkurist-Informationen seine Dezernenten noch zurückgepfiffen haben. Matz und Lange erhielten die OB-Ansage entweder zu spät – oder wollten den Tadel des Oberbürgermeisters nicht hören. Holle hingegen war zwar auf dem Messegelände, blieb aber vor dem Zelt, in dem die PK stattfand und stand sowohl sinnbildlich als auch tatsächlich im Regen. Das führte zum mitunter skurrilen Bild, dass die Reporter nach der Pressekonferenz auf dem Messegelände Holle vor dem Festzelt trafen, wo dieser stoisch auf die offizielle Stadt-Pressekonferenz am Nachmittag verwies. Er aber zog das Unverständnis von OB Haase damit nicht auf sich – anders als seine CDU-Kollegen Matz und Lange. Wohl deswegen, weil Holle sich an Haases Machtwort hielt und der PK fernblieb.
Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Holle am Mittwochnachmittag sagte Haase dazu gegenüber Merkurist: „Wir als Stadt müssen immer Herren des Verfahrens sein. Die Menschen müssen sich darauf verlassen, wenn jemand in amtlicher Funktion irgendwo ist, dass das die offizielle Verlautbarung der Stadt ist.“ Dies sei auch in den Dienstanweisungen so geregelt. Haase wirft den Dezernenten Lange und Matz also vor, sich vom DEHOGA und der MMG vor den Karren spannen lassen zu haben – und das, während die Sicherheitsprüfungen vor Ort noch liefen. „Letztendlich kann das den Eindruck erzeugen, dass man Druck auf die Verwaltung ausübt, indem man schon an die Öffentlichkeit geht und sagt: Ihr müsst jetzt so handeln“, erklärte Haase seine Bedenken weiter.
Das Thema werde nun „intern besprochen“, verkündete Haase auf der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Doch es scheint so, als würde es zwischen dem OB und den Dezernenten Lange und Matz gerade mächtig krachen.
Angesprochen auf seinen mitunter skurril anmutenden Auftritt am Rande der DEHOGA-Pressekonferenz am Vormittag, erklärte Holle gegenüber Merkurist: „Ich war anwesend, weil ich mir mit den Mitarbeitenden vor Ort noch einmal ein Bild machen wollte und ich auch mit den Veranstaltern sprechen wollte. In seiner Funktion als Baudezernent sei er schließlich derjenige, der das Verfahren in der Stadt formal leite und die offizielle Kommunikation übernehme, so Holle weiter. Sein Ziel sei es aber immer gewesen, eine offizielle Stellungnahme erst abzugeben, nachdem auch tatsächlichen die Fest-Freigabe erteilt worden sei, betont er.