Kein Instagram, kein TikTok: Diese Mainzer machen Konzerte wieder offline

Bei „theoffline.events“ werden Smartphones in Jutebeutel eingenäht. Dahinter steckt die Idee von zwei Mainzer Veranstaltern: Konzerte sollen wieder ein Raum für Begegnungen sein. Die ersten Veranstaltungen finden im Lux statt.

Kein Instagram, kein TikTok: Diese Mainzer machen Konzerte wieder offline

Das Smartphone gehört für viele zum Konzertbesuch dazu. Schnell noch ein Foto von der Bühne, eine Story für Instagram oder zwischendurch WhatsApp gecheckt. Bei „theoffline.events“ soll genau das für ein paar Stunden pausieren. Statt die Show durch den Bildschirm zu schauen, sollen die Besuchenden ausschließlich die Musik und den gemeinsamen Moment erleben.

Konzerte ohne Smartphone

Hinter dem Konzept stecken Jonas Putzer und Florian Sczesny, die mit ihrer Eventagentur „Kultur und Vergnügen“ in Mainz beheimatet sind. Beide kommen selbst aus der Musikindustrie und haben über die Jahre zahlreiche Konzerte gespielt und veranstaltet. Dabei sei ihnen immer wieder aufgefallen, welchen besonderen Wert kleinere Konzerte haben können, bei denen die Künstlerin oder der Künstler ganz im Mittelpunkt steht. „Da spielen digitale Endgeräte am Ende gar nicht so eine große Rolle“, erzählt Putzer.

Daraus entstand die Idee für „theoffline.events“. Die Veranstaltungen sollen einen Gegenpol zur ständigen Digitalität schaffen. Soziale Medien sollen für einen Abend vergessen werden und das digitale Endgerät einfach mal wegbleiben. „Es braucht am Ende nicht Zuckerberg, der steuert, wie Menschen sehen, hören und erleben“, sagt Putzer. Ihn und Sczesny beschäftigt die Rolle, die Kultur bei den rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen haben kann, bei denen Konzerne und Algorithmen immer mehr entscheiden würden.

Smartphones werden in Jutebeutel eingenäht

Beim Einlass zu den Events werden die Handys tatsächlich weggesperrt – und zwar in Jutebeutel. Dabei kommt eine Sacknähmaschine zum Einsatz, wie man sie beispielsweise aus der Bau- oder Kaffeebranche kennt. Die Smartphones werden in die nachhaltigen Stofftaschen eingenäht, die die Besuchenden während der Show bei sich behalten können. Nach der Veranstaltung lässt sich die Naht wieder leicht öffnen. „Dann braucht der Einlass vielleicht fünf Minuten länger, aber es ist auch ein Happening. Und um Entschleunigung soll es ja gehen,” sagt Putzer. Wer sein Handy aus medizinischen Gründen benötigt, sei davon ausgenommen.

Vor dem Konzert können Besuchende außerdem Marken für Snacks und Getränke kaufen. So soll auch das Bezahlen ohne Smartphone funktionieren.

Erinnerungen gibt es trotzdem

Trotzdem muss nicht auf Erinnerungen an den Abend verzichtet werden. Die Veranstaltungen werden professionell gefilmt und den Besuchenden anschließend zur Verfügung gestellt. Zusätzlich ist ein kleines Andenken geplant, etwa in Form eines Polaroids.

Für die Veranstalter ist das kein Widerspruch zum Offline-Konzept, denn die Aufnahmen sollen unauffällig im Hintergrund entstehen. Putzer erklärt: „Es ist ein ganz normales Set, das die Artists spielen, und davon werden drei Songs mitgeschnitten. Fehler sind am Ende menschlich. Wenn da ein Patzer drin ist, kann das auch ein cooler Moment sein. Es geht ja auch darum, dass es echt ist.” Dafür arbeite das Team unter anderem mit dem Videografen Simon von der Garten aus Münster zusammen.

Warum Konzerte in Mainz stattfinden

In Düsseldorf veranstaltet das Team bereits seit rund drei Jahren Konzerte. „theoffline.events“ soll nun als eigene Reihe in der Heimatstadt der Veranstalter wachsen.

Das Team ist bereits auf der Suche nach geeigneten Locations für die nächsten Formate. Für die ersten Mainzer Konzerte fiel die Wahl auf das Lux der Hochschule Mainz. Putzer und Ann-Kathrin Vollmers, die Leiterin des Lux, wurden über eine gemeinsame Bekannte miteinander bekannt gemacht. Daraus entstand eine Kooperation, von der auch Studierende profitieren sollen. Sie erhalten ein Freigetränk und vergünstigte Tickets. Die ersten beiden Konzerte sind für jeweils rund 120 Menschen ausgelegt. „Das ist eine Größe, bei der die intime Atmosphäre erhalten bleiben kann,“ sagt Putzer.

Internationale Künstler und handverlesenes Booking

Für die Konzerte setzt das Team auf von ihnen kuratierte Künstlerinnen und Künstler. Es gehe nicht darum, möglichst bekannte Acts nach Mainz zu holen. Stattdessen sollen Künstlerinnen und Künstler auftreten, die musikalisch zum Konzept passen und vielleicht sonst keinen Halt in Mainz machen würden.

Bei den ersten Veranstaltungen sind unter anderem der isländische Singer-Songwriter Axel Flóvent sowie die niederländische Künstlerin néomí dabei. Gerade für Künstlerinnen und Künstler aus dem Ausland könne die Reihe laut Putzer eine spannende Möglichkeit sein, neues Publikum zu erreichen.

Nicht nur Konzerte sind geplant

Auch wenn zunächst Musik im Mittelpunkt steht, soll „theoffline.events“ langfristig mehr sein als eine Konzertreihe. Lesungen, Partys und andere Kulturveranstaltungen sind laut Putzer denkbar. Zunächst wolle das Team mit Konzerten Erfahrungen sammeln und herausfinden, wie das Konzept beim Publikum ankommt.

Besonders Florian Sczesny beschäftigt sich schon länger mit dem Suchtfaktor von Sozialen Medien und nimmt wahr, dass immer mehr Menschen sich nach Entschleunigung sehnen. Putzer sieht in „theoffline.events“ eine Möglichkeit, dieses Anliegen in den Kulturbereich zu übertragen. „Alles nur noch in der digitalen Welt ist auch doof“, sagt er. „Sonst sterben Konzerte irgendwann aus und wir treffen uns alle nur noch online und gucken den Riesenstars aus Amerika zu."

Was sich das Team für Mainz wünscht

Für die Mainzer Kulturszene wünscht Putzer sich mehr Unterstützung für Kunstschaffende und Veranstaltungen. „Es gibt ganz, ganz viele kreative Menschen hier, die echt viel bewegen, denen oft aber der Support aus der Gesellschaft fehlt.” Es brauche auch Planungssicherheit. Ein wichtiger Punkt sei dabei der frühzeitige Ticketkauf.

Er wünscht sich, dass Mainz neben der bekannten Weinkultur auch weiterhin Raum für vielfältige Veranstaltungsformate bietet. „Dass die Kulturszene hier nicht stehen bleibt oder man sich bremsen lässt“, sagt Putzer. „Es ist unfassbar wichtig, Kultur und Austausch weiterhin zu ermöglichen.“ Mit „theoffline.events“ wolle das Team dazu einen Beitrag leisten.

Mehr Informationen zu „theoffline.events“ findet ihr auf der Website. Tickets für die Konzerte von Axel Flóvent am 24. und néomí am 31. Oktober können dort ab jetzt ebenfalls gekauft werden.