Staatstheater Mainz: „Wir tragen diese politische Entscheidung, die Theater zu schließen, nicht mit“

Schließungen und weitere Kontaktbeschränkungen: Die neuen Maßnahmen der Bundesregierung schlagen nach der Bekanntgabe hohe Wellen. Auch das Mainzer Staatstheater, das von der Schließung betroffen ist, findet deutliche Worte.

Staatstheater Mainz: „Wir tragen diese politische Entscheidung, die Theater zu schließen, nicht mit“

Theater werden für die kommenden vier Wochen geschlossen: Was am Mittwochvormittag noch spekuliert worden ist, wurde am Abend bestätigt. Auch Kinos und andere Freizeiteinrichtungen sind davon betroffen. Das stößt bei vielen auf Unverständnis. Das Staatstheater Mainz reagiert nun mit einem offenen Brief mit dem Titel: „Vorhang zu und alle Fragen offen“ auf die verschärften Maßnahmen.

Die Entscheidung der Regierung können die Verantwortlichen des Theaters nicht nachvollziehen: „Liebes Publikum, die Theater zählen zu den sichersten Räumen des Landes. Nachgewiesenermaßen hat sich kein Besucher und keine Besucherin in einem Theater- oder Opernhaus mit Covid19 angesteckt“, heißt es in dem Brief. Denn: Hochleistungsfähige Lüftungsanlagen und strengstens ausgestaltete Hygienekonzepte würden für ein im Wortsinne risikofreies Klima sorgen. „Wir, die Leitung des Staatstheater Mainz, protestieren gegen diese sinnlose Maßnahme.“

Weiter heißt es: „Statt die wenigen gefahrlosen offenen Orte als Chance zu begreifen und den Menschen in einer Zeit der Einschränkungen, Sorgen und Fragen hier die Möglichkeit zu geben, sich nicht nur als Virenschleudern, sondern im Austausch miteinander als denkende und handelnde Individuen zu erleben, werden Theater grundlos verriegelt.“ Der Verantwortung, Besucher und Mitarbeiter zu schützen, sei man sich bewusst.

Ungwisse Wochen

„Aber eben auch unserer Verantwortung, den Diskurs unserer Gesellschaft zu ermöglichen und mitzugestalten. Dies können wir mindestens für die nächsten Wochen nicht mehr tun – und wer weiß, wie lange das so sein wird. Das schadet uns allen“, so die Staatstheaterleitung. Sie hätte sich einen politischen Gestaltungswillen gewünscht, der aktiv nach Möglichkeiten sucht, einer durch die strengen Kontaktbeschränkungen zunehmenden Vereinsamung alles entgegenzusetzen, was entgegengesetzt werden kann, so die Leitung.

Die Verantwortlichen des Staatstheaters richten dann auch direkt deutliche Worte an die Politiker: „Anders als im Frühjahr, als wir weniger wussten und nicht einschätzen konnten, wo die Gefahren lauern, tragen wir diese politische Entscheidung, die Theater zu schließen, nicht mit. Darum werden wir auch nicht mit virtuellen Formaten im Internet den analogen Phantomschmerz mildern. Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Der Brief endet mit einer Nachricht an das Publikum: „Liebes Publikum, wir freuen uns mit Ungeduld darauf, wieder für Sie zu spielen.“ (mm)

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