Wie teuer Busfahren ab Januar wird

Die Tickets für Busse und Straßenbahnen steigen ab Januar geringfügig. Um wieviel und warum, das erklärten uns die Verkehrsverbünde.

Wie teuer Busfahren ab Januar wird

Ab Januar 2022 werden die Ticketpreise für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) steigen. Das teilt die Mainzer Mobilität (MM) auf Anfrage mit. „Um rund 1,5 Prozent“, so MM-Pressesprecher Michael Theurer. Aber nicht bei allen Tickets sind Preiserhöhungen zu erwarten. Hier ein paar Beispiele:

  • Die Einzelkarte für Erwachsene wird von 2,90 Euro auf 3 Euro steigen, für Kinder von 1,70 Euro auf 1,75 Euro

  • Der Preis für Tageskarten wird um 20 Cent auf 6 Euro erhöht

  • Die Monatskarte kostet ab 1. Januar 87,30 Euro statt 86 Euro

  • Sammelkarten sind weiterhin für 11,50 Euro zu haben (umgerechnet 2,30 Euro pro Fahrt)

Jährliche Erhöhungen

„Die Tickettarife steigen jährlich zum 1.1., so auch 2022“, sagt Theurer. Dieses Jahr sei allerdings ein Sonderfall gewesen, die Tarife wurden nicht im Januar, sondern im Juli erhöht. Grund war die in der Corona-Krise beschlossene Mehrwertsteuersenkung. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte die Senkung nicht an die Kunden weitergegeben. „Die Umstellung hätte viel zu viel Aufwand bedeutet, beispielsweise mit dem Drucken neuer Fahrscheine, neuer Fahrpreistabellen, Abstimmungen mit anderen Verkehrsverbünden“, erläutert Theurer. Als Ausgleich wurde eben die Ticketerhöhung um ein halbes Jahr verschoben.

Die MM wiederum ist Partner im RMV. „Wir können da nicht einfach bei den Tarifen machen, was wir wollen“, sagt Theurer. Außerdem müssten alle Verkehrsunternehmen steigende Kosten auffangen, etwa bei Personal, Energie, Fahrzeugen, Streckenunterhalt.

Gestiegene Personal- und Energiekosten nennt auch der RMV als Grund für die Preisanpassung. „Die Tarifanpassung 2021/22 liegt auf dem gleichen moderaten Niveau der vergangenen Jahre und im Übrigen deutlich unter der aktuellen Inflationsrate“, so Pressesprecherin Vanessa Rehermann.

Höhere Preise, mehr Fahrgäste - wie passt das zusammen?

Gleichzeitig will die Stadt Mainz erreichen, dass weniger Autos durch die Stadt fahren, dadurch weniger Abgase entstehen und das Klima besser wird (wir berichteten). Wie passt das zusammen? Welche Pläne gibt es, den ÖPNV für die Menschen attraktiver zu machen? Das fragen sich auch mehrere Merkurist-Leser:


„Das ist eher eine Frage an die Politik“, sagt MM-Sprecher Michael Theurer dazu. „Wir versuchen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten einen guten ÖPNV anzubieten.“ Fakt sei aber auch, dass durch die Corona-Krise der ÖPNV weiterhin mit stark gesunkenen Fahrgastzahlen und gesunkenen Einnahmen zu kämpfen hatte und immer noch habe. „Wir sind zwar dankbar, dass Bund und Land den Verkehrsunternehmen einen Großteil der Einnahmeausfälle erstattet hat, aber halt nur einen Großteil. Die jetzige Erhöhung von 1,5 Prozent ist im Vergleich mit anderen Städten eher moderat.“

In Deutschland finanziere sich der ÖPNV ausschließlich aus Ticketeinnahmen sowie über Zuschüsse der öffentlichen Hand, erklärt RMV-Pressesprecherin Rehermann. Anders sei es in Städten wie Wien etwa, wo der ÖPNV beispielsweise auch über Parkraumbewirtschaftung und Abgaben von Arbeitgebern finanziert werde. „Je günstiger eine Fahrkarte wird, desto größer wird der Betrag, der aus den öffentlichen Zuschüssen gedeckt werden muss, solange es keine anderen Finanzierungsquellen gibt.“

Rehermann geht sogar davon aus, dass nicht allein ein sehr günstiger Ticketpreis die Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen würde: „Sie werden mehr ÖPNV fahren, wenn er die bessere Alternative ist.“ Als Beispiel nennt sie die Stadt Wien: Die 365-Euro-Jahreskarte sei hier kombiniert mit einem „umfassenden Ausbau von Angebot und Infrastruktur mit einer hohen Qualität und hervorragender Vernetzung.“

Diese Ziele verfolge der RMV in seiner Leitlinie „Mobilität2035“: dichtere Takte, pünktlichere Züge und eine gute Vernetzung von Verkehren. Dazu würden auch On-Demand-Verkehre gehören, also Angebote ohne festen Fahrplan und Linienwege, eine Mobilitätsplattform und Flatrate-Angebote.

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