Kommt der Nachfolger für das 9-Euro-Ticket? Das sagt das Mobilitätsministerium

Was bleibt nach drei Monaten 9-Euro-Ticket? Wird der ÖPNV jetzt dauerhaft günstiger? Das rheinland-pfälzische Mobilitätsministerium ist skeptisch.

Kommt der Nachfolger für das 9-Euro-Ticket? Das sagt das Mobilitätsministerium

Noch bis Ende August können Besitzer des 9-Euro-Tickets mit allen deutschen Nahverkehrsmitteln reisen. Ab September kosten Bus- und Bahnfahrten dann wieder deutlich mehr – hinzu kommt, dass der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seine Preise deutlich angehoben hat (wir berichteten). Politiker und Experten diskutieren nun, wie es nach dem 9-Euro-Ticket weitergehen soll. Kommt der Preis-Schock oder doch noch eine günstige Alternative?

Der Mobilitätsforscher Prof. Dr. Andreas Knie etwa regt ein 365-Euro-Ticket für alle in Deutschland an. Dieses könnte dann wieder bundesweit genutzt werden und würde Kunden umgerechnet einen Euro pro Tag kosten (wir berichteten). In Mainz ist ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis schon ab September beschlossen (wir berichteten). Das Ticket ist aber nur regional und nicht bundesweit gültig. Wie Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) bereits erklärte, sei ein 365-Euro-Ticket für alle denkbar, zuvor müssten aber noch finanzielle Fragen geklärt werden. Frühestens 2024 könnte ein solches Ticket für junge Menschen in Rehinland-Pfalz kommen, hieß es vom Mobilitätsministerium im Mai gegenüber dem SWR.

Ministerium kann sich Nachfolgeticket nur mit Bundeshilfe vorstellen

Auf eine aktuelle Anfrage von Merkurist antwortete ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Mobilitätsministeriums nun: „Das 9-Euro-Ticket ist ohne Zweifel ein großer Erfolg, viele zusätzliche Fahrgäste nutzen Busse und Bahnen. Allerdings muss noch genauer geprüft werden, ob der Ursprungsgedanke, Berufspendlerinnen und -pendler angesichts hoher Benzinpreise zum Umstieg auf Bus und Bahn zu ermutigen, wirklich in relevantem Umfang gelungen ist.“ Auffällig bisher sei nämlich eher ein massiver Anstieg von Freizeit- und Wochenendfahrten. Umfragen würden zudem darauf hindeuten, dass Fahrgäste im ländlichen Raum auf das 9-Euro-Ticket verzichten würden, weil der ÖPNV dort noch nicht weit genug ausgebaut ist.

„Tarifmaßnahmen sind also hilfreich, aber nicht ausreichend. Alle Nachfolge-Maßnahmen müssen daher zwingend auch mit einer Verbesserung des Angebots einhergehen“, heißt es aus dem Ministerium weiter. Von hier wird nun Druck auf die Bundesregierung ausgeübt. Diese müsse sicherstellen, dass mehr Geld für den ÖPNV-Ausbau und die Verbesserung des Angebots bereitgestellt wird. „Der Bund darf sich hier nicht aus seiner Verantwortung stehlen“, sagt der Sprecher.

Einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket könne es ohne Unterstützung des Bundes in Rheinland-Pfalz vorerst nicht geben. „Aktuell steht das Land in der Verantwortung, bestehende Angebote zu sichern und eine massive Erhöhung der Tarife zu verhindern. Allein dies wird die aktuell zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel stark belasten“, so der Sprecher. Ein kurzfristiger Nachfolger sei auch rechtlich mit Aufwand verbunden, was insgesamt dazu führe, dass diese Lösung laut dem Ministerium „sehr ambitioniert“ sei. „Also grundsätzlich sind wir für eine Nachfolgelösung offen, aber nicht auf Kosten der Sicherung und des Ausbaus bestehender ÖPNV-Angebote.“

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