Die kuriosesten Fälle eines Mainzer Bus-Kontrolleurs

Wer keinen gültigen Fahrschein besitzt, der muss damit rechnen, dass er erwischt wird. Der ehemalige Kontrolleur Mario Spandl hat einige solcher Schwarzfahrer überführt. Dabei machte er viele kuriose Erfahrungen.

Die kuriosesten Fälle eines Mainzer Bus-Kontrolleurs

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Mainz hat Mario Spandl zurzeit so seine Probleme. Immer wieder erlebt der Rollstuhlfahrer, dass ihn Bus- oder Tramfahrer nicht beim Einsteigen unterstützen oder ihn er erst gar nicht mitnehmen (wir berichteten). Auch als Spandl noch laufen konnte, gab es bei seinen Busfahrten ab und zu Probleme. Denn Spandl arbeitete früher als Fahrkartenkontrolleur. Dabei erlebte er viele kuriose (und auch schmerzhafte) Geschichten.

Von Fahrgast verprügelt

Als Kontrolleur war Spandl Mitte der 90er-Jahre tätig. Zunächst in Frankfurt und dann in Mainz. „Ich wollte nach Mainz, weil ich gedacht habe, dass es dort ruhiger ist.“ Während es in Frankfurt bei Wortgefechten mit den Fahrgästen blieb, sei die Situation in Mainz dann einmal richtig eskaliert, sagt Spandl. Zunächst sei an diesem Tag noch alles ganz normal verlaufen. Nachdem sich die Türen des Busses geschlossen hatten, fingen er und sein Kollege an, die Fahrgäste zu kontrollieren. Dann bat Spandl auch einen jungen Mann, sein Ticket vorzuzeigen. „Der hat sich dann dumm gestellt und ‘nix verstehen’ gesagt, so Spandl.

Nachdem Spandl ihm erklärte, dass er einen Fahrschein haben müsse, wenn er mit dem Bus fährt, reagierte der Mann ziemlich aggressiv und ging auf Spandl los. Mit einem Selbstverteidigungsgriff, den er in der Ausbildung erlernt hatte, versuchte er, sich den Schwarzfahrer vom Leib zu halten. Doch der junge Mann löste sich schließlich aus dem Griff und schlug auf Spandl ein. „Dabei hat er mir das Hemd und die Jacke zerrissen.“ Seinem Kollegen, der ihm zur Hilfe eilte, sei es auch nicht besser ergangen. Wie sich später herausgestellt habe, sei der Mann so „zugedröhnt“ gewesen, dass er selbst keinen Schmerz gespürt haben muss, sagt Spandl. Letztlich hätten er und sein Kollege Prellungen und blaue Flecken erlitten.

Beinahe „gerappelt“ hätte es auch, als er eine Gruppe von etwa fünf bis sechs Männern kontrolliert habe, sagt Spandl. „Fast keiner aus der Gruppe ist im Besitz eines Fahrscheins gewesen.“ Als die Situation zu kippen drohte, sei er äußerst freundlich mit den Männern umgegangen, um Zeit zu gewinnen. Währenddessen rief Spandls Kollege, ohne dass es die Männer mitbekamen, die Polizei. Die Beamten nahmen die Gruppe dann an einer der nächsten Haltestellen in Empfang.

Die Masche hübscher Frauen

Andere kuriose Erfahrungen machte Spandl dann mit weiblichen Schwarzfahrern. „Es gab auch viele hübsche Frauen, die dachten, sie könnten schwarzfahren und einfach so davonkommen.“ Um einer Strafe zu entgehen, machten einige Frauen Spandl ein ungewöhnliches Angebot: „Komm, ich geb’ dir meine Telefonnummer“ bekam er dann zu hören. „Andere wollten mit mir einen Kaffee trinken gehen.“ Doch genutzt hat das nichts, der Kontrolleur ließ sich nicht erweichen.

Einmal sei er dann aber doch mit einer Frau Kaffee trinken gegangen, so Spandl. Da habe sich die Situation aber ganz anders dargestellt. Als er die Frau kontrollierte, konnte auch diese keinen Fahrschein vorzeigen. Im Gegensatz zu einigen anderen Schwarzfahrern habe sich die Frau aber sofort einsichtig gezeigt und die Strafe akzeptiert. „Danach hat sie mich auf einen Kaffee eingeladen“, sagt Spandl. Dieses Angebot habe er dann beim Ausstieg an einer der nächsten Haltestellen angenommen. Insgesamt, sagt Spandl, seien die Fahrgäste meistens auch einsichtig, wenn sie als Schwarzfahrer überführt würden. (pk)

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