365-Euro-Ticket in Mainz: Wie ist der aktuelle Stand?

Kommune, Stadt und Verkehrsunternehmen wollen es, doch noch immer lässt das 365-Euro-Ticket auf sich warten. An was das liegt, erklärte OB Michael Ebling im Interview.

365-Euro-Ticket in Mainz: Wie ist der aktuelle Stand?

Die Spritpreise sind auf Rekordhoch, einige Länder wollen nun – statt Tankrabatte zu gewähren – die Preise für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) senken. In Mainz ist das Fahren mit Bus und Bahn weiterhin auf hohem Niveau. Im Januar wurden die Preise sogar geringfügig um durchschnittlich 1,5 Prozent erhöht. Diese turnusmäßige Erhöhung sei im Vergleich zu anderen Städten eher moderat, sagte damals der Sprecher der Mainzer Mobilität (MM), Michael Theurer, gegenüber Merkurist (wir berichteten).

Dann hatte der RMV in einer Sondersitzung eine zweite Erhöhung um durchschnittlich 3,9 Prozent ab 1. Juli beschlossen. Damals hatte es massive Kritik sowohl von der Stadt Mainz als auch Wiesbaden an den hohen Preisen im ÖPNV gegeben: Es sei die höchste Tarifsteigerung im ÖPNV seit mehr als zehn Jahren. „Das ist das völlig falsche Signal zur völlig falschen Zeit“, sagten die beiden Grünen-Politiker, der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol und die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (wir berichteten).

Eine Frage der Politik?

Der Plan, den ÖPNV günstiger und damit attraktiver zu machen, sei „eine Frage an die Politik“, so Theurer im Januar. Die MM versuche, „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten einen guten ÖPNV anzubieten.“ Denn, so erklärt es RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann, finanziere sich der ÖPNV in Deutschland ausschließlich aus Ticketeinnahmen sowie über Zuschüsse der öffentlichen Hand.

Die Städte Mainz und Frankfurt wollten bereits vor drei Jahren gemeinsam ein 365-Euro-Jahres-Ticket im Rhein-Main-Gebiet einführen. Damals hatte die Bundesregierung im Rahmen des Klimapakets vorgesehen, Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV zu fördern. Der Mainzer Oberbürgermeister (OB) Michael Ebling (SPD) wollte sich damals gemeinsam mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für ein solches Jahrestickets mit Förderung durch den Bund und die Länder einsetzen.

Was ist inzwischen aus diesen Plänen geworden, welche Ziele verfolgt die Mainzer Politik heute?

„Wir müssen unbedingt an das Thema Preis rangehen“ – OB Micheal Ebling

„Der Preis ist ein echter Attraktivitätskiller für den ÖPNV geworden und das ist gegenläufig zu dem, was wir eigentlich gerade mit dem ÖPNV erreichen wollen“, sagt Ebling im Gespräch mit Merkurist. Er wolle daher „unbedingt an das Thema Preis rangehen.“ Doch könne die Kommune allein das nicht stemmen: „Das würde uns überfordern – trotz der hohen Steuereinnahmen.“ Der Impfstoff-Erfolg des Mainzer Unternehmens Biontech hatte der Stadt Mainz Rekord-Überschüsse beschert (wir berichteten).

365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis

Die Stadt brauche Unterstützung von Bund und Land. So hätte bereits die Vorgängerregierung Vorschläge gemacht, doch daraus sei bisher nichts geworden. „Auch wenn man grundsätzlich Bereitschaft signalisiert hat, das Thema zu unterstützen“, so Ebling. Nun habe das Land Rheinland-Pfalz gesagt, dass das 365-Euro-Ticket zumindest für Schüler und Azubis gewollt sei. „Das sehe ich als große Chance, das Tor aufzustoßen – es ist ein Einstieg. Mit Schülern und Azubis erreichen wir eine Zielgruppe, die ohnehin in hohem Maße den ÖPNV nutzt.“ Dann könne man diese Gruppe „vielleicht so für den ÖPNV begeistern, dass sie ihn als dauerhaftes Hauptfortbewegungsmittel nutzt“, so Ebling. Er könne sich vorstellen, dass die Stadt Mainz dies unterstützen könne. Prinzipiell plädiere er aber für eine „landesweite Lösung“. Die Stadt sei Mitglied in den Verkehrsverbünden, daher müsse man „in größeren Zusammenhängen denken“.

Dennoch sei er davon überzeugt, dass die Stadt Mainz auch Treiber einer Entwicklung hin zum 365-Euro-Ticket sein könne. „Für Schüler, Azubis und Studenten können wir einen Anfang machen. Das sei ein erster Schritt, der „vielleicht“ in ganz Rheinland-Pfalz gegangen werden kann, „vielleicht“ aber in der Stadt Mainz bereits „etwas vorher“.

RMV-Pressesprecherin Rehermann geht übrigens davon aus, dass nicht allein ein sehr günstiger Ticketpreis die Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen würde. Der ÖPNV müsse die bessere Alternative sein. Daher wolle der RMV mit seiner Leitlinie „Mobilität2035“ dichtere Takte, pünktlichere Züge und eine gute Vernetzung von Verkehren schaffen. Auch Angebote ohne festen Fahrplan und Linienwege, eine Mobilitätsplattform und Flatrate-Angebote sollen dazu gehören.

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