Schausteller: „Die Johannisnacht wäre ein Traum“

Die Kassen fast leer und weiterhin keine Volksfeste mehr - der Endlos-Lockdown treibt viele Schausteller an den Rand des finanziellen Ruins. Doch welche Perspektiven gibt es jetzt noch für die Mainzer Schausteller?

Schausteller: „Die Johannisnacht wäre ein Traum“

Pleiten, Frust, Fiasko: Die Mainzer Schausteller kämpfen wie viele andere Betriebe weiterhin ums blanke Überleben. Die letzten größeren Einnahmen konnten die Schausteller aus dem Weihnachtsmarktgeschäft generieren - allerdings fand der das vorerst letzte Mal 2019 statt. Seitdem leben die meisten von ihren letzten Ersparnissen und kleineren Einnahmen, die sie auf einigen wenigen Stadtteilkerben beziehungsweise auf Festen in Rheinhessen gemacht haben. Und auch die Zukunft scheint für die Schausteller nicht besonders rosig zu werden.

Wie der Vorsitzende der Mainzer Schausteller, Marco Sottile, gegenüber Merkurist sagt, seien bisher auch keine dringend benötigten staatlichen Hilfen eingegangen. „Von den Novemberhilfen, Dezemberhilfen und Überbrückungsgeldern ist noch nichts angekommen.“ Die Vorgänge seien immer noch in der Prüfung, heiße es von den zuständigen Stellen, sagt Sottile. Die finanzielle Lage sei deswegen weiterhin sehr mau. Auch die Einnahmequelle Fastnacht sei gerade erst wieder weggefallen. Den „Rheinfrühling“ hakt Sottile ebenfalls schon ab. „Ich glaube nicht, dass wir um Ostern rum schon wieder Feste veranstalten können.“ Vor Juni / Juli werde es nicht losgehen.

„Traum“ Johannisnacht

Ein „Traum“ wäre sicherlich, wenn die Johannisnacht stattfinden könnte, sagt Sottile. Perspektivisch gesehen könne sonst der Mainzer Weinmarkt ein Fest sein, das wieder stattfinden kann beziehungsweise die kleineren Stadtteilkerben. Bis dahin sei es aber noch eine lange „Durststrecke“. Kein Thema mehr ist laut Sottile der bereits im letzten Jahr gescheiterte mobile Freizeitpark in Mainz. „Die Pop-up-Parks bringen einfach nicht die großen Umsätze“ - zumal wenn keine Fahrgeschäftsattraktionen dabei seien. Einige Schausteller hätten bei solchen Veranstaltungen sogar Verluste gemacht anstatt Gewinn.

Er selbst, so Sottile, habe inzwischen einen Imbissstand in Hechtsheim aufgemacht, um somit wenigstens seine laufenden Kosten einigermaßen zu decken. „Die Versicherungen für einen großen Betrieb laufen ja alle weiter.“ Bis Mai oder Juni könne man vielleicht noch durchhalten, danach würde es immer schwieriger werden. Sottile schätzt, dass möglicherweise 20 bis 25 Prozent der Schausteller die Krise nicht überstehen. Gleichzeitig denkt er aber auch an die Einzelhändler in der Mainzer Innenstadt.

Früher seien Feste in der Stadt immer eine „Win-win-Situation“ für Händler und Schausteller gewesen. „Wir haben da voneinander profitiert. Die Besucher der Veranstaltungen wie zum Beispiel vom Weihnachtsmarkt haben immer auch in den Geschäften eingekauft.“ Müssten wegen der Pandemie nun auch noch einige Händler in der Stadt aufgeben, dann wäre das auch für Mainz eine ganz schwierige Situation, so Sottile. Somit bleibt also nur die Hoffnung auf ein einigermaßen nahegelegenes Ende des Lockdowns und mögliche Lockerungen im Hinblick auf Veranstaltungen und Feste.

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