Rätsel um Steuerbescheid von „Thomas Gottschalk“

Seit zwei Wochen hängen im Mainzer Finanzamt öffentlich einsehbar Dokumente für „Thomas Johannes Gottschalk“ aus. Doch ist nun die TV-Legende gemeint oder ein ganz normaler Steuerzahler, der zufällig genauso heißt?

Rätsel um Steuerbescheid von „Thomas Gottschalk“

In der vergangenen Woche machte Leser Alexander im Finanzamt in der Schillerstraße eine kuriose Entdeckung. Dort hängen in der Nähe des Eingangs in einem großen, für jeden öffentlich einsehbaren Schaukasten drei amtliche Dokumente, die an „Thomas Johannes Gottschalk“ gerichtet sind. Dabei handelt sich um eine „Öffentliche Zustellung“ von Steuerbescheiden aus zurückliegenden Jahren. Alexander will nun wissen, ob hier tatsächlich Moderator Thomas Gottschalk gemeint ist.

Aufenthaltsort unbekannt

In der Tat heißt der ehemalige „Wetten, dass“-Moderator mit zweitem Vornamen Johannes. Auch eine Verbindung zwischen dem TV-Star und Mainz wäre gegeben, da Gottschalk viele Jahre für das ZDF arbeitete. Doch ist es überhaupt möglich, dass der Entertainer Thomas Gottschalk gemeint ist oder besteht in diesem Fall kurioserweise nur Namensgleichheit? Das Mainzer Finanzamt kann jedenfalls dazu aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben machen.

Eine Hilfe zu rein rechtlichen Fragen der Steuerbescheide kann der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz e.V. geben. Die Dokumente an „Thomas Johannes Gottschalk“ wurden öffentlich zugestellt. Doch was heißt das überhaupt? Wie Frank Senger vom Steuerzahlerbund sagt, würden Dokumente auf diese Weise zugestellt, wenn der Aufenthaltsort einer Person unbekannt ist und eine Zustellung per Post nicht erfolgen könne. „Es kann sein, dass die Adresse der Person durch Umzug ins Ausland nicht mehr recherchiert werden kann.“ Zudem könnte es sein, dass eine Zustellung im Ausland nicht möglich ist.

Eine „Öffentliche Zustellung“ des Steuerbescheids sei aber nur das letzte Mittel der Wahl, also die „ultima ratio“, so Senger. Nur wenn alle Versuche, die Adresse herauszufinden, nicht zielführend sind, könne die Bekanntmachung öffentlich erfolgen. „Der Steuerbescheid wird dann nach vier Wochen rechtswirksam, egal ob derjenige den Bescheid eingesehen hat oder nicht.“

Generell müsste der gesuchte „Thomas Johannes Gottschalk“ allerdings in Mainz gemeldet gewesen sein, um hier steuerpflichtig zu werden, so Senger. Sofern die Person nicht in Mainz wohne und stattdessen in einer anderen Stadt gemeldet ist, könnten theoretisch noch geschäftliche Verbindungen nach Mainz eine Rolle spielen, um hier steuerpflichtig zu werden. Dies wäre zum Beispiel möglich, wenn man Anteile an einer Firma in Mainz halte, so Senger.

Ob die öffentlichen Aushänge im Mainzer Finanzamt nun also tatsächlich den Moderator Thomas Johannes Gottschalk betreffen, ist nicht zu klären. Eine über den Bayerischen Rundfunk gestellte Anfrage an den Entertainer Thomas Gottschalk blieb bislang unbeantwortet. (rk)

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