Rettungsdienste deutschlandweit am Limit: Wie sieht es in Mainz aus?

Drohen medizinische Notfälle in Mainz unversorgt zu bleiben? Merkurist fragte nach, ob es auch hier vorkommen kann, dass kein Krankenwagen kommt.

Rettungsdienste deutschlandweit am Limit: Wie sieht es in Mainz aus?

Anfang dieser Woche warnte das „Bündnis pro Rettungsdienst“ vor einem drohenden Kollaps der Rettungsdienste in Deutschland. Das Bündnis setzt sich unter anderem aus Vertretern der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und des Deutschen Berufsverbands Rettungsdiensts zusammen. Wie die Tagesschau berichtete, machte die Vereinigung die vielen Bagatell-Einsätze und eine immense Arbeitsbelastung für die Notlage verantwortlich.

Ist die Lage auch in Mainz so bedrohlich? Merkurist hat bei Bardo Faust nachgefragt. Er ist Pressesprecher der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, die unter anderem für die Rettungsdienste in Mainz zuständig ist. Sein Fazit: „Aktuell erleben wir im Kreis insgesamt eine hohe Auslastung des Rettungsdiensts.“ Davon betroffen seien alle Bereiche – unabhängig von den Hilfsorganisationen, die sie betreiben, oder den einzelnen Rettungswachen. Die Gründe seien vielfältig.

Überlastung der Notaufnahmen

Zunächst nennt Faust infrastrukturelle Probleme: Etliche ärztliche Bereitschaftsdienste seien zusammengelegt oder komplett geschlossen worden. Deshalb würden sich viele Bürger direkt an den Rettungsdienst wenden, auch wenn es sich nicht um einen echten Notfall handele. Es gestalte sich derzeit aber schwierig, Patienten überhaupt stationär aufnehmen zu lassen, so Faust: „Durch die Schließung von Krankenhäusern oder Abmeldung von Stationen haben sich die Fahrtstrecken und damit die durchschnittliche Fahrzeit bei Rettungseinsätzen verlängert, die Überlastung der Notaufnahmen führt zu signifikant längeren Wartezeiten bei der Patientenübergabe.“ Darum appellierte auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch am Freitag (16. Dezember) an die Bevölkerung, bei Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich seien, zuerst die Hausärzte aufzusuchen, anstatt in die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu gehen.

Fehlende Notärzte und Rettungssanitäter

Laut Faust sei aber auch der Personalmangel ein signifikantes Problem der Rettungsdienste im Kreis Mainz-Bingen. Oft bleiben Notfallsanitäter ihm zufolge nicht lange in diesem Beruf, da er sehr belastend sein könne: „Die hohe Einsatzfrequenz, gepaart mit Arbeit zu ungünstigen Zeiten und einer großen physischen und psychischen Belastung“ führe dazu, dass nicht genügend Menschen langfristig gehalten werden könnten. Auch würden viele Mitarbeiter des Rettungsdiensts nach ihrer Ausbildung ein Studium beginnen.

„Es gibt einen fast flächendeckenden Mangel an qualifizierten Notärzten“ – Bardo Faust

Verschärft werde der Missstand durch einen „fast flächendeckenden Mangel an qualifizierten Notärzten“, so Faust. Auch eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion an das rheinland-pfälzische Innenministerium förderte am 1. Dezember alarmierende Zahlen zutage: Viele Notarztstandorte im Land seien schon jetzt nicht mehr in der Lage, rund um die Uhr Patienten zu versorgen.

Laut Faust spielen aktuell auch saisonale und endemische Faktoren eine gravierende Rolle: Die Grippe, Corona und weitere saisonale Erkrankungswellen sorgen für einen hohen Krankenstand. Bardo Fausts Fazit fällt besorgniserregend aus: „Insgesamt wird die Lage aus unserer Sicht als sehr angespannt bewertet.“

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