Nach dem Anschlag auf die Strominfrastruktur in Berlin zu Beginn des Jahres hat die CDU-Stadtratsfraktion bei der Mainzer Stadtverwaltung nachgefragt, wie gut die Stadt auf einen länger andauernden Stromausfall vorbereitet ist.
Seit 2022 hat die Stadt nach eigenen Angaben eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, um den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz zu stärken. So wurde gemeinsam mit dem Landkreis Mainz-Bingen ein neues Konzept für den medizinischen Katastrophenschutz erarbeitet und vier neue Notfallkrankenwagen an Hilfsorganisationen übergeben. Zudem wurde bei der Berufsfeuerwehr eine neue Abteilung für Bevölkerungsschutz eingerichtet und ein zentrales Lager für Material angemietet.
Die gute Nachricht zuerst: Das Mainzer Stromnetz gilt als sehr stabil. Wie die Mainzer Netze mitteilen, lag die durchschnittliche Stromunterbrechung pro Verbraucher in den Jahren 2022 bis 2024 deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Während die nationale Lage bezüglich gezielter Angriffe auf die Infrastruktur als „angespannt“ bewertet wird, gab es in Mainz bislang keine solchen Vorfälle. Häufigste Ursache für Ausfälle seien Bauarbeiten.
Krankenhäuser abgesichert, Pflegeheime in der Pflicht
Die Notstromversorgung für zentrale Einrichtungen ist unterschiedlich geregelt. Mainzer Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, eigene Notstromaggregate zu betreiben. Die beiden Feuerwachen wurden ebenfalls ertüchtigt, um bei einem Stromausfall funktionsfähig zu bleiben. Auch die Trink- und Abwasserversorgung kann laut Wirtschaftsbetrieb und Mainzer Netzen im Ernstfall aufrechterhalten werden.
Anders sieht es bei Pflegeeinrichtungen oder Dialysezentren aus. Diese gelten als kritische Infrastruktur und sind selbst dafür verantwortlich, Vorkehrungen für einen Stromausfall zu treffen. Wie die Stadtverwaltung klarstellt, sei es ihr weder möglich noch städtische Aufgabe, diese Einrichtungen flächendeckend mit Notstrom zu versorgen. Die Feuerwehr habe die betroffenen Betreiber besucht und sie auf ihre Pflicht hingewiesen.
Stadt appelliert an Eigenvorsorge der Bürger
Eine der wichtigsten Botschaften der Stadtverwaltung richtet sich direkt an die Bevölkerung: Staatliche Hilfe ist subsidiär, was bedeutet, dass Bürger zunächst zur Selbsthilfe aufgefordert sind. Eine flächendeckende Versorgung mit Lebensmitteln oder Strom sei im Katastrophenfall nicht leistbar. Selbst die Ausgabe von Wasser an Notbrunnen wäre auf 15 Liter pro Person und Tag begrenzt und könnte mit langen Wegen verbunden sein.
Die Stadt misst der Eigenvorsorge daher eine „elementare Wichtigkeit“ bei. Sie appelliert an alle Mainzer, eigene Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser und wichtigen Medikamenten anzulegen. Zudem sollte jeder Haushalt über eine Notfallausrüstung wie batteriebetriebene Radios, Taschenlampen und eine stromunabhängige Kochgelegenheit verfügen. Als Orientierungshilfe verweist die Verwaltung auf die Informationsbroschüren und Checklisten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Diese findet ihr unter diesem Link.