Als die Mainzer noch in der Lotharpassage shoppen gingen

Für viele Mainzer war die Lotharpassage ein echtes Shopping-Erlebnis: Von den 50er-Jahren bis zur Jahrtausendwende war sie eine der beliebtesten Einkaufsmeilen in der Stadt. Ihr Aus schmerzt einige Mainzer noch bis heute.

Als die Mainzer noch in der Lotharpassage shoppen gingen

Mehr als 10.000 Mainzer strömten täglich durch die Einkaufsmeile, die Mitte der 1950er-Jahre errichtet wurde: Die Lotharpassage war für viele Mainzer ein echtes Einkaufs-Paradies. Hier reihten sich viele Fachgeschäfte vom Lederwarenhandel und Fotostudio bis hin zum Schuhhaus, Restaurants und Frisör aneinander. Viele Geschäfte waren sogar noch Familienbetriebe. Mit Woolworth – in Meenzer Mundart „Wollwort“ genannt – gab es sogar ein Kaufhaus in der Passage.

„Nicht schön, aber gemütlich“

Auch „Foto Kukuk“ (heute Philipp-von-Zabern-Platz 5) war Jahrzehnte lang in der Lotharpassage vertreten. Im Gespräch mit Merkurist vom letzten Jahr schwärmte Geschäftsinhaber Julian Becker einst von der ehemaligen Einkaufsmeile. „Die Passage hatte ihr ganz eigenes Flair.“ Da die Straße sehr eng bebaut war, habe sich der Passantenstrom in der Passage geballt. „Die Lotharpassage war zwar nicht schön, aber doch gemütlich.“

Zudem sei die große Anzahl von Fachgeschäften damals eine Neuheit gewesen. Abgesehen davon hätten die Ladeninhaber ein besonders enges Verhältnis gehabt, so Becker. „Man kannte sich und hat sich untereinander unterstützt, da die Läden über Jahrzehnte die gleichen Inhaber hatten.“

Doch nach rund 40 Jahren war Schluss. Denn Ende der 90er-Jahre wurde die Lotharpassage abgerissen. „Das Ende hat uns sehr stark getroffen. Die Mietverträge wurden nicht mehr verlängert“, erinnert sich Becker an die Zeit zurück. Die Kündigung sei aber insgesamt doch sehr unerwartet gekommen. Es habe nie ein klärendes Gespräch mit dem Vermieter gegeben. Dass die Passage nicht ewig Bestand haben werde, war jedoch absehbar. „Die Häuser in der Lotharpassage sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus Trümmern erbaut worden und nach 40 Jahren Bestand baufällig gewesen“, so Becker.

Noch heute vielen Mainzern in Erinnerung

Gegen das Ende der Passage protestierten jedoch nicht nur die Ladenbesitzer, sondern auch Politiker. So forderten die Grünen eine Sanierung der Passage, jedoch ohne Erfolg. Da CDU und FDP die Forderung ablehnten, wurde das Areal letztlich an die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) verkauft und eine neue Einkaufspassage mit Tiefgarage gebaut. Bei den Bauarbeiten stießen die Arbeiter im Jahr 2000 dann auf die Fundamente eines römischen Tempels. Aus diesem Grund trägt die Einkaufspassage heute auch den Namen „Römerpassage“.

Wie Julian Becker von Foto Kukuk letztes Jahr gegenüber Merkurist sagte, könne die Römerpassage die Lotharpassage aber nicht wirklich ersetzen. „Ich denke, es war damals die Zeit, moderner zu werden und auf Einkaufs-Malls zu gehen. Die Lotharpassage war jedoch persönlicher durch die kleinen Geschäfte. Die Römerpassage ist dagegen eine klassische Einkaufs-Mall, die austauschbar ist.“

Dass sich viele Mainzer noch gerne an die Lotharpassage erinnern, erfährt Becker häufig, wenn er sich mit seinen Kunden unterhält. Oft ginge es in den Gesprächen um die ehemalige Einkaufspassage.

Auch viele ältere Mainzer würden ihren Kindern davon erzählen, wenn sie zu ihm ins Geschäften kommen, sagte Becker. Und solange das noch der Fall ist, wird die Erinnerung an die ehemalige Einkaufspassage nicht verblassen.

Logo