Atomwaffenstandort Mainz: Wo die Langstreckenraketen lagerten

Die „Nike Hercules“ war dazu vorgesehen, Flugziele in großen Höhen zu bekämpfen. Bei Bedarf konnten sie auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden. Untergebracht waren sie im Wald bei Mainz.

Atomwaffenstandort Mainz: Wo die Langstreckenraketen lagerten

Vor knapp 70 Jahren gehörte der Mainzer Wald den Amerikanern. Denn 1951 übernahmen die US-Streitkräfte den gesamten Ober-Olmer Wald als Truppenübungsplatz. Und sie richteten hier auch eine Raketenbasis sowie ein Munitionslager ein.

Im Lager untergebracht waren unter anderem Langstrecken-Flugabwehrraketen, hergestellt in den USA und dafür vorgesehen, Flugziele in großen Höhen zu bekämpfen. Vor allem die Bomber der Sowjetarmee sollten damit abgewehrt werden. Bestückt werden konnten sie sogar mit nuklearen Sprengköpfen.

Atomsprengköpfe im Wald

Genauer gesagt waren die Raketen des Systems „Nike Hercules“ in der „Wackernheim Maintainence Facility“ stationiert. Neben der „Nike Hercules Launching Area“ des 5th Missile Battailons wurden im Ober-Olmer Wald auch zwei Sondermunitionslager der US-Armee eingerichtet. In einem davon (US Site No 20) waren wohl in drei Munitionsbunkern unter anderem Atomgranaten gelagert. Es befanden sich also auch Atomsprengköpfe – in verschiedenen Größen – für das Flugabwehrsystem hier. Daneben hielten die US-Soldaten militärische Übungen im Ober-Olmer Wald statt. Da dieser gleichzeitig der Zivilbevölkerung zugänglich war, kam es immer wieder zu Konflikten. So kam es vor, dass Spaziergänger mit Nebelgranaten beworfen wurden und in giftgrünem, beißendem Qualm standen.

25.500 Lenkflugkörper der Nike Hercules wurden in den 1950er und 60er Jahren insgesamt in den USA produziert. Ab den frühen 1960er wurden sie auch an Streitkräfte verbündeter Staaten ausgeliefert, darunter nach Deutschland. Stationiert waren die Stellungen entlang des Rheins und der Nordseeküste, in einem Abstand von 30 Kilometern. Ab den 1980er-Jahren galt das Nike-Hercules-System als veraltet. Im Ostblock wusste man von den Standorten der Stellungen, zudem standen inzwischen andere militärische Mittel zur Verfügung.

Der Ober-Olmer Wald gehörte noch bis zum Jahr 1993 zum Nato-Luftverteidigungsgürtel.

Hinweis

Die Informationen stammen zum Teil aus der derzeit laufenden Ausstellung „Von Bäumen und Raketen“ am Forsthaus Ober-Olm. Sie ist noch bis 18. Dezember geöffnet.

Logo