Grüne Brücke: Warum ist sie so verwildert?

Die Grüne Brücke verbindet die Mainzer Neustadt mit dem Rheinufer. Über sie gelangen Fußgänger und Radfahrer über die stark befahrene Rheinallee. Doch einige fühlen sich auf ihr nicht mehr sicher.

Grüne Brücke: Warum ist sie so verwildert?

Seit 40 Jahren verbindet die Grüne Brücke in der Mainzer Neustadt die Feldbergstraße mit dem Feldbergplatz. Auf ihr können Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Radfahrer die Rheinallee bequem überqueren. Entworfen hat sie damals der Umweltkünstler Dieter Magnus als „Kunst- und Naturlandschaft“ mitten in der Neustadt.

Seit zehn Jahren ist der NABU Mainz und Umgebung für die Bepflanzung zuständig: Mit heimischen Pflanzen sollen die Beete möglichst naturnah gestaltet werden. Blumen und Gehölze sollen Insekten und Vögel mitten in der Stadt Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten. Auch mehrere Bienenvölker der Künstlergruppe „Finger“ wohnen seit vielen Jahren hier, ihren Honig kann man im nahen Bioladen kaufen.

Doch können die teils hoch gewachsenen Sträucher eine Sicherheitsgefahr darstellen? Darum sorgt sich Merkurist-Leserin Lisa Schlau in einem Snip: „Was ist mit der Grünen Brücke los? Einst ein sicherer Weg für Schulkinder, jetzt heruntergekommen und zugewachsen. Die Brücke sei „verwildert, eng bewachsen, geradezu einladend für Verbrecher, sich zu verstecken.“

Wilder Bewuchs

„Ein naturnah gestalteter Garten ist eben wie die Natur selbst an manchen Stellen etwas wilder“, erklärt Torsten Collet vom NABU. Seit sieben Jahren ist er Projektleiter für die naturnahe Umgestaltung der Grünen Brücke. Über 1500 Pflanzen und Blumenzwiebeln haben die Ehrenamtlichen des Naturschutzvereins seitdem auf der Grünen Brücke gepflanzt. Unterstützt wird der NABU vom Grün- und Umweltamt etwa mit Pflanzsubstraten und bei der Entsorgung des Grünabfalls. Torsten Collet findet es großartig, dass man mit diesem Projekt auch über eine vielbefahrene, vierspurige Straße einen Rückzugsort für Vögel und Insekten schaffen kann und „so für etwas mehr Vielfalt mitten in der Stadt sorgt.“ Durch den vielen Niederschlag in diesem Jahr seien die Pflanzen sehr stark gewachsen. Dies zeige sich auch auf der Grünen Brücke, etwa bei den Gehölzen an den beiden Aufgängen.

„Da wir noch in der Brutzeit sind, muss ein Rückschnitt hier noch ein paar Wochen warten. Dieser wird allerdings auch kein kompletter Kahlschlag werden, denn eine Grüne Brücke ohne Grün wäre auch nur noch eine normale Brücke“, erklärt Collet. Zudem dürften in den vom NABU bepflanzten Beeten auch mal Pflanzen wachsen, „die sich dort von selbst angesiedelt haben.“

„Grundpflege“ noch im September

Das Grün- Umweltamt ist für die Pflege der ursprünglichen größeren Gehölze und Bäume zuständig. Auch sie möchten die „dichte und wilde Bepflanzung“ nicht kritisieren, wie der Pressesprecher der Stadt, Ralf Peterhanwahr, auf Anfrage mitteilt. „Die Brücke erfüllt mit ihren dichten und robusten Grün eine wichtige Verbindungsfunktion für den Bereich des Feldbergplatzes, der Rheinallee, der Feldbergstraße und des Sömmeringplatzes.“ Der hohe Bewuchs werde in den nächsten Wochen jedoch einen „Grundpflegegang erhalten.“ Ende September werden dann auch Ahorn- und Robinienwildlinge entfernt, die sich dort angesiedelt haben.

Auffällig sei jedoch, dass immer häufiger Müll auf der Brücke hinterlassen werde, so Torsten Collet vom NABU. Bei ihren regelmäßigen Pflegeeinsätzen sowie im Rahmen der Dreck weg-Tage beseitigen die ehrenamtlichen Gärtner vom NABU zwar auch immer den Abfall. Für die generelle Reinigung sei jedoch die Stadt zuständig. So wurden auch vor ein paar Jahren alle Graffitis entfernt. „Die Brücke ist leider immer wieder Ziel von Schmierereien“, sagt auch Peterhanwahr von der Stadt. Verbunden mit dem oft zurückgelassenen Müll um die Bänke und in den Beeten könne „zumindest zeitweise ein negativer Eindruck entstehen.“

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