An der Goldgrube: Radfahrer sollen auf Schutzstreifen fahren

Der Radweg „An der Goldgrube“ ist seit einiger Zeit gesperrt. Ihn zu benutzen, wäre zu gefährlich. Besonders Baumwurzeln haben den Weg im Laufe der Zeit stark beschädigt. Nun soll es eine neue Lösung für die Fahrradfahrer geben.

An der Goldgrube: Radfahrer sollen auf Schutzstreifen fahren

Aufgeplatzter Asphalt, unebene Stellen und fehlende Markierungen: Der Radweg in der Straße „An der Goldgrube“ in der Mainzer Oberstadt ist zur Gefahrenstelle für Radfahrer geworden. Deshalb hat die Stadtverwaltung ihn zwischen dem Ebersheimer Weg und der Hechtsheimer Straße bereits gesperrt, Radfahrer müssen inzwischen auf die Straße ausweichen. Für die Verkehrsführung muss eine neue Lösung her. Der Verkehrsausschuss hat deshalb in seiner Sitzung am Dienstag mehrheitlich beschlossen, den Verkehrsraum der Straße „An der Goldgrube“ neu zu ordnen. Die CDU-Fraktion stimmte dabei gegen die Beschlussvorlage.

Radweg deutlich in die Jahre gekommen

Der 1,50 Meter breite Radweg entlang der Straße war vor mehreren Jahrzehnten angelegt worden. Auf der einen Seite liegen ein Grünstreifen und ein Gehweg, auf der anderen die 9 Meter breite Fahrbahn. Vor allem durch die auf dem Grünstreifen wachsenden Bäume kam es mit den Jahren zu Unebenheiten auf dem Geh- und besonders dem Radweg. Denn die Baumwurzeln breiten sich immer weiter aus und drücken den Belag nach oben.

Ein weiteres Problem: Grundstückszufahrten und kreuzende Straßen unterbrechen den Seitenbereich immer wieder. Außerdem können Autofahrer vereinzelt auf der Fahrbahn und zwischen den Bäumen im Grünstreifen parken. Das Überfahren des Bordes hinterließ mit der Zeit Schäden auf dem Radweg und im Grünbereich, so die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage. Bereits seit mehreren Jahren gilt für die Straße „An der Goldgrube“ nicht mehr die Nutzungspflicht des Radweges. Radfahrer hatten bisher also die Wahl, ob sie lieber auf der Straße oder auf dem maroden Radweg fahren wollen. Um das zu verdeutlichen, hatte die Stadt 2015 zusätzlich mit Piktogrammen die Fahrbahn markiert.

Neuer Radweg problematisch

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, die Schäden an der Straße zu beheben. Zum einen könnte die Stadt einen neuen Radweg bauen. Das Problem: „Heutige Radwege haben mindestens eine Breite von zwei Metern“, so Radfahrbeauftragte Franziska Voigt im Verkehrsausschuss. Denn nicht nur elektrische Fahrräder, sogenannte Pedelecs, sondern auch Fahrradanhänger werden häufiger genutzt und machen breitere Wege notwendig. Würde der Radweg nun auf zwei Meter ausgebaut werden, würde sich die Fahrbahn für den motorisierten Verkehr verkleinern. Busse könnten dann nicht mehr wie bisher durch die Straße „An der Goldgrube“ fahren, weil der Platz bei Gegenverkehr nicht ausreicht.

Außerdem müssten für den Ausbau des Radwegs die Wurzeln der Bäume zurückgeschnitten werden. „Um eine dauerhaft standfeste Fahrfläche zu schaffen, brauchen wir erst einen sicheren Untergrund“, sagt Carl-Friedrich Mohn, der für Tiefbau in der Stadt Mainz zuständig ist. „Selbst wenn nur kleine Anpassungen vorgenommen werden, müsste man ins Wurzelwerk einschneiden.“ Davon rät Alexander Schubert, Abteilungsleitung der Grünunterhaltung und Baumpflege der Stadt, ab: Der Baumbestand sei in der Straße außerordentlich gut, von den insgesamt 45 Bäumen habe bisher noch nie einer gefällt werden müssen. „Ein Asphaltieren auf den Wurzeln würden wir auch nicht empfehlen, da die Bäume dadurch Schaden nehmen können.“

Schutzstreifen für Radfahrer geplant

Die Stadt hat sich deshalb für eine andere Lösung entschieden. Radfahrer sollen zukünftig auf der Fahrbahn fahren - allerdings auf einem dort eingezeichneten „Schutzstreifen“. Er soll 1,50 Meter breit werden und wird mit einer gestrichelten Linie gekennzeichnet. Unter bestimmten Bedingungen dürfen auch Autos über den Streifen fahren: „Der Schutzstreifen darf nur dann überfahren werden, wenn es der Gegenverkehr notwendig macht und es der Radverkehr erlaubt“, sagt Beck.

Da die Radfahrer auf die Fahrbahn und damit in das direkte Sichtfeld der Autofahrer geholt werden, sollen auch Unfälle vermieden werden: Erfahrungsgemäß geschehen die meisten Unfälle zwischen Rad- und Autofahrern auf Bordsteinradwegen, weil Radfahrer weniger vom motorisierten Verkehr wahrgenommen werden.

Die Straße soll nun schrittweise umgebaut werden, der erste Abschnitt liegt zwischen dem Ebersheimer Weg und der Welschstraße. Zu den Parkplätzen zwischen den Bäumen soll der Streifen für die Radfahrer einen Sicherheitsabstand von einem halben Meter haben, der durch die Bodenmarkierung eines Schutzstreifens deutlich sichtbar gemacht wird. Radfahrer sollen so vor einem Zusammenstoß geschützt werden, falls an einem parkenden Auto eine Tür geöffnet wird. Kindern bis zum 10. Lebensjahr dürfen weiterhin auf dem Gehweg radeln.

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