Neue Corona-Strategie in Rheinland-Pfalz: „Inzidenz hat ausgedient“

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) stellt Corona-Plan für Rheinland-Pfalz vor

Neue Corona-Strategie in Rheinland-Pfalz: „Inzidenz hat ausgedient“

Abwasseruntersuchungen statt Inzidenz: Im kommenden Herbst und Winter wird das Land Rheinland-Pfalz seine Corona-Strategie ändern. Das teilte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Montag bei einer Pressekonferenz mit.

Die Ethikbeiräte des Bundes und in Rheinland-Pfalz hatten sich unter anderem für die Schaffung einer besseren Datengrundlage ausgesprochen. Als Teil eines besseren Frühwarnsystems will das Land künftig stärker auf sogenanntes Abwassermonitoring setzen. Durch Proben im Abwasser soll das Pandemiegeschehen besser verfolgt werden. „Für Rheinland-Pfalz heißt das, dass wir dafür bis zum Herbst rund 14 Kläranlagen einbinden möchten“, so Minister Hoch. Auch die Mainzer Kläranlage soll dazugehören.

Hinzu sollen Testungen in einer sogenannten Sentinel-Kohorte kommen, die eine Personengruppe als repräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung testet. Man erhoffe sich davon einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen, die Ausbreitung bestimmter Virus-Varianten sowie über epidemiologische Indikatoren wie Sterblichkeit und Übersterblichkeit. „Durch Abwassermonitoring, der Testung von Sentinel-Kohorten und dem Ausbau der Sentinel-Praxen werden wir in Rheinland-Pfalz eine sehr solide Datengrundlage haben, um zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können“, sagte Gesundheitsminister Hoch. „Die Inzidenz hat als Frühwarnsystem ausgedient.“

Auch die Impfung gewinne im Herbst und Winter wieder stärker an Bedeutung. Man erwarte angepasste Impfstoffe von Moderna und Biontech und halte die Impfzentren weiter offen. Auch das Medikament Paxlovid stehe in ausreichender Menge zur Verfügung. In Andernach soll für 7,37 Millionen Euro bis Ende 2023 ein Pandemielager eingerichtet werden, wo unter anderem Schutzausrüstung für Mitarbeiter in Gesundheitsberufen lagern soll.

In der Landesregierung sei man sich einig, dass „erneute großflächige Kita- und Schulschließungen auch im kommenden Herbst und Winter unbedingt zu vermeiden sind“. Alle Bildungsangebote sollen in Präsenz wahrgenommen werden. „Unsere Handlungsmöglichkeiten werden hier definiert durch das Bundesinfektionsschutzgesetz, dessen aktuelle Fassung bis Ende September in Kraft ist. Aus diesem Grund ist eine generelle Testpflicht momentan oder zum Schulstart am 5. September ebenso wenig möglich wie eine generelle Maskenpflicht und beides ist deshalb auch weiterhin nicht geplant.“

Welche konkreten Maßnahmen ab Oktober in Rheinland-Pfalz gelten, hänge von der Entwicklung der Corona-Lage und von der Neugestaltung des Bundesinfektionsschutzgesetzes ab. Dazu gibt es bereits einen Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP), der allerdings noch am 24. August vom Bundeskabinett beschlossen werden muss. Wie Hoch sagt, wünscht sich die Landesregierung mehr Klarheit von dem Konzept.

Logo