Komiker Alfons: „In Mainz hatte ich eine ganz besondere Begegnung“

Er ist wohl der beliebteste Franzose in Deutschland: Mit orange-blauer Trainingsjacke und seinem Puschelmikrofon sorgt Komiker „Alfons“ seit Jahren für Lacher. Zu Mainz hat der Künstler eine ganz besonders enge Beziehung.

Komiker Alfons: „In Mainz hatte ich eine ganz besondere Begegnung“

Eigentlich wollte Emmanuel Peterfalvi nur etwas mehr als ein Jahr in Deutschland bleiben. Doch inzwischen lebt der französische Komiker, der bundesweit als „Alfons“ bekannt wurde, schon mehr als 30 Jahre hier und besitzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Am Freitag* ist er in Mainz mit seinem neuen Bühnenprogramm zu sehen. Mit Mainz verbindet Alfons eine ganz besondere Geschichte. Worum es dabei geht, was er den Mainzer Autofahrern rät und warum man unbedingt sein Programm sehen sollte, erzählt er im Merkurist-Interview.

Merkurist: Am Freitag treten Sie im Frankfurter Hof mit Ihrem neuen Programm „Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Und gibt es dort genügend Parkplätze?“ auf. Kostenlose Parkplätze sind in Mainz ein großes Thema, gerade weil es durch die Verkehrswende immer weniger werden. Welche Rolle spielen Parkplätze bei Ihnen?

Alfons: Das was ihr erlebt in Mainz habe ich schon in meiner Kindheit in Paris erlebt. Ich wohnte in einer Straße, wo es viel zu wenige Parkplätze gab. Aber man muss sagen, dass die Franzosen damit ein wenig anders umgehen als die Mainzer. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht trotzdem irgendwo parkt, auch wenn es zu wenige Parkplätze gibt. Man parkt eben originell, kreativ. Und man streitet sich auch um die Parkplätze. Das alles konnte ich als kleines Kind vom Balkon aus beobachten. Den Streit um die Parkplätze guckte ich mir dann lieber an als Hausaufgaben zu machen.

Worum geht es sonst noch in Ihrem aktuellen Programm?

In meinem Programm geht es um das Thema Menschheit im Allgemeinen. Wir sind eigentlich sehr intelligent, schaffen unglaubliche Dinge, wie Raketen, die zum Mond fliegen. Gleichzeitig sind wir aber nicht in der Lage, ganz einfache Dinge zu tun, wie zum Beispiel in Frieden zusammenzuleben oder vernünftig mit unserer Erde umzugehen. Die Frage ist also: Was ist bei uns kaputt? Wir sind mega-intelligent, aber wir machen so viel Quatsch. Das ist so eine Frage, die ich mir oft auch als Kind gestellt habe, als ich vom Balkon aus den Streit um die Parkplätze beobachtet habe.

Sie haben Ihr „neues“ Programm bisher einmal gespielt, im Februar 2020 – dann kam Corona. Wie hat sich das auf den Inhalt des Programms ausgewirkt?

Das Programm ist inzwischen ein komplett anderes, weil die Welt eine komplett andere ist. Niemand von uns hätte wohl gedacht, dass wir eine solche Pandemie erleben. Hätten wir vor zweieinhalb Jahren gedacht, dass wir wissen, was eine FFP2-Maske ist und was „geboostert“ bedeutet? Und als wir geglaubt haben, jetzt haben wir es einigermaßen verstanden, da startet Putin plötzlich einen Krieg – und zwar in Europa. Und wir dachten: Pandemie ist eher für Asien und Krieg etwas für Afrika. Und jetzt ist beides einfach da, das verändert einen schon.

Für mein Programm ist es jedenfalls wichtig, dass man lacht und einen schönen Abend verbringt. Ich bin aber kein Künstler, der Gag auf Gag abfeuert. Das reicht mir nicht. Ich möchte auch, dass die Leute wachgerüttelt werden, ich möchte Emotionen wecken und dass es in den Köpfen und den Herzen weiterarbeitet.

Sie sind bereits mehrfach in Mainz aufgetreten, was verbinden Sie mit der Stadt?

In Mainz war ich sehr, sehr oft. Genau kann ich es nicht beziffern. Jedenfalls habe ich hier eine ganz besondere Begegnung gehabt. Und zwar hat eine Lehrerin aus Mainz mein altes Programm „Alfons, jetzt noch deutscherer“ gesehen, das sich um meine ‘Deutschwerdung“ dreht und unter die Haut geht. Direkt nach der Vorstellung, die nicht in Mainz stattfand, hat sie mir gesagt, dass ihre Schüler vom Willigis-Gymnasium dieses Programm unbedingt sehen müssen. Das hat mich gefreut, nur ich hatte das Programm schon mehrmals in Mainz gespielt und ein weiterer Auftritt mit diesem Programm war vor Ort nicht mehr vorgesehen. Dann hat sie gesagt, dass das egal ist und sie ihre Schüler in einen Bus steckt und auch in eine andere Stadt kommt.

Das fand ich so wunderbar, dass ich angeboten habe, an dem Tag nach dem Auftritt nach Mainz an ihre Schule zu kommen und alle Fragen zu beantworten, die die Schüler an mich haben. Und das war dann wirklich ein mega-tolles Erlebnis in Mainz. Wir haben zwei, drei Stunden teils kontrovers diskutiert und eine gute Zeit gehabt. Aus diesem Erlebnis möchte ich jetzt ein bundesweites Projekt machen, das Europa, Rassismus, Toleranz und viele andere Themen umfasst. Die Idee ist in Mainz geboren worden und das hinterlässt natürlich Spuren im Herzen.

Sie haben 2017 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Weil Sie in Hamburg wohnen, haben Sie diese vom damaligen Ersten Bürgermeister in Hamburg, Olaf Scholz, bekommen. Welche Rolle spielt der jetzige Bundeskanzler in Ihrem aktuellen Programm?

In meinem Programm geht es eher nicht um Tagespolitik. Doch bei besonderen Anlässen lasse ich mir es nicht nehmen, darauf einzugehen. Ein Beispiel: Die Zugfahrt von Scholz, Draghi und Macron nach Kiew. Da frag ich mich dann: Warum erst so spät und warum mit dem Zug? Normalerweise fliegen die ja immer zu Auslandsbesuchen. Aber dann habe ich es verstanden. Wahrscheinlich hat Scholz zu Macron gesagt: Pass auf, wir fahren mit dem Zug, ich zeig euch ein neues Ding, das heißt ‘9-Euro-Ticket’. Das kann eigentlich nur die einzige Erklärung für die Zugfahrt sein.

Aktuell bieten Sie im Anschluss an Ihr Programm eine spezielle Aktion an. Erzählen Sie mal!

Dabei handelt es sich um eine Idee, die in meinem „Le Freundeskreis“ entstanden ist. Das ist eine Online-Plattform, die ich im letzten Jahr für meine Fans, Freunde und Unterstützer ins Leben gerufen habe. Jeder, der interessiert ist, kann sich dafür anmelden. Jedenfalls haben wir dort einmal nach Beginn des Krieges in der Ukraine über meine orangenfarbene Jacke, die ich bei jedem meiner Auftritte trage, diskutiert. Da meinte einer, dass ich diese doch jetzt aus aktuellem Anlass in den Nationalfarben der Ukraine – blau-gelb – tragen könnte. Das fand ich eine tolle Idee und habe mir sofort eine nähen lassen.

Schließlich kam dann noch ein weiterer Vorschlag aus „Le Freundeskreis“, die Jacke „Le Friedensjacke“ zu nennen. Und als ich dann wiederum an den Krieg in der Ukraine und das damit verbundene Leid der Kinder gedacht habe, kam mir letztlich die Idee, Spenden für das Deutsche Kinderhilfswerk zu sammeln. Konkret können sich dafür Besucher meines Programms nach der Veranstaltung die Friedensjacke anziehen und fotografieren lassen – gerne auch mit mir zusammen – und dann freuen wir uns über eine kleine, mehr noch über eine große Spende. Mittlerweile sind so über 30.000 Euro zusammengekommen.

Gibt es einen deutschen Komiker, Comedian oder Kabarettisten, den Sie besonders mögen oder mit dem Sie befreundet sind?

Oh, das sind viele. Da werde ich jetzt aber keinen nennen. Sonst kriege ich auf die Fresse von den anderen.

Welche Interviewfrage haben Sie schon so oft gehört, dass Sie sie nicht mehr beantworten wollen?

Diese Frage: Hätte ein deutschsprachiger Komiker in Frankreich Erfolg, wenn er Französisch mit deutschem Akzent sprechen würde?

Würden Sie uns vielleicht dennoch die Antwort auf diese Frage verraten?

Ich habe keine Ahnung. Es hat noch nie einer probiert.

Zurück zu Ihrem Auftritt in Mainz. Ist Mainz in Frankreich eigentlich sehr bekannt?

Also wenn Sie ‘Mainz’ sagen, dann nein. Aber ‘Mayence’ ist auf jeden Fall bekannt. ‘Mayence’ kennt eigentlich jeder. Ich weiß nicht, ob davon immer noch was in den Geschichtsbüchern steht, jedenfalls ist die Stadt dort sehr bekannt.

Ihr Auftritt findet am Freitag im Frankfurter Hof statt. Warum sollten die Mainzer unbedingt dorthin kommen und Ihr Programm sehen?

Weil wir in dieser Zeit unbedingt Geschichten brauchen, die das Herz erwärmen. Und darin, diese zu erzählen, bin ich gut. Ich wäre kein guter Finanzminister oder Versicherungsvertreter, aber ich bin ein guter Geschichtenerzähler. Und wenn euer Herz erwärmt werden soll, dann bin ich dafür der richtige.

Vielen Dank für das Gespräch, Alfons!

*Update! Am Mittwochnachmittag teilt das Management von Alfons mit, dass er an Corona erkrankt ist. Sein Auftritt im Frankfurter Hof wird daher vom 24. Juni 2022 auf den 27. Oktober 2023 verlegt.

Logo