Kampf gegen Chaos: So hilft ein Mainzer Aufräumcoach beim Ordnung halten

Unordnung beseitigen oder sich von alten Dingen trennen – manchen Menschen fällt dies besonders schwer. Sogenannte Ordnungscoaches können dabei helfen. Auch in Mainz gibt es Aufräumberater, die diese professionelle Hilfe anbieten.

Kampf gegen Chaos: So hilft ein Mainzer Aufräumcoach beim Ordnung halten

In den USA sind sogenannte Ordnungs- beziehungsweise Aufräumcoaches schon länger angesagt. So widmet beispielsweise der Streaminganbieter Netflix diesem Berufsbild sogar eine eigene Serie („Aufräumen mit Marie Kondo“). Darin vermittelt der Star der Szene, die Japanerin Marie Kondo, zahlreiche Tipps für den Lebensalltag. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile immer mehr Ordnungscoaches. Leute, die möglicherweise Hilfe benötigen, Ordnung zu halten, können somit professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Die Coaches helfen den Menschen dann dabei, wieder etwas mehr Struktur in ihr Leben oder ihre Wohnung zu bringen. Für solche Fälle ist in Mainz und Umgebung seit schon seit Längerem auch Coach Sonia Baccouche unterwegs. Gegenüber Merkurist erzählt sie, was ihre Tätigkeit ausmacht und wie sie konkret hilft.

Festgefahrene Einstellungen überdenken

Wie Baccouche sagt, sei Ordnungscoach ein interessantes, aber noch nicht sehr bekanntes Berufsbild in Deutschland. „Ich helfe meinen Klienten, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und packe auch selbst mit an. Wer Ordnung halten möchte, sollte sich vor allem von Überflüssigem trennen.“ Als Ordnungscoach unterstütze sie beim Sortieren, Ausmisten und Strukturieren von Gegenständen. Die wichtigste Frage bei ihrer Arbeit vor Ort sei deswegen: „Bringt dieser Gegenstand mir Freude?“ Sonst könne er weg. „Die freigeräumten Plätze räumen wir dann zusammen mit System wieder ein und schaffen so eine Ordnung, die der Klient später auch einhalten kann.“ Dabei gebe sie viele Tipps zum Aufräumen oder Umstellen eines Raumes und nehme bei Bedarf die aussortierten Spenden zum Weiterleiten mit.

„Wichtig ist, dass die Klienten ihre persönliche Ordnung wiederfinden, in der sie sich wohl fühlen und die sie nachhaltig auch bewahren können“, so Baccouche. Je nach Ausmaß der Unordnung könne die Betreuung mehrere Wochen oder Monate in Anspruch nehmen. Ein Aufräumcoach sei aber nicht nur einfach jemand, der hilft, Ordnung zu machen und einem beibringt, diese zu halten. „Er hilft, Dinge zu entsorgen, an denen man ängstlich festhält, festgefahrene Einstellungen zu überdenken und loszulassen“, erklärt Baccouche.

Die wichtigste Frage sei dabei jedoch: „Bin ich bereit, Hilfe anzunehmen?“ Erst, wenn sich der Klient bewusst dazu entscheide, kann es gelingen. Doch dies sei sicherlich ein Punkt, der vielen oft sehr schwer fällt, sagt Baccouche. Insgesamt sei zu sagen, dass man durch gute Ordnung nicht nur Zeit und Nerven beim Suchen der Dinge spare, sondern auch Energie und dadurch Lebensfreude gewinne.

Psychologische Ausbildung hilfreich

Gesetzlich geschützt sei der Beruf aber nicht. „Es gibt bislang keine Aus- oder Weiterbildung zum Ordnungscoach.“ Also könne sich praktisch jeder so nennen. In der Praxis empfehle es sich jedoch, eine psychologische oder pädagogische Ausbildung abzuschließen. Darüber hinaus seien gute Kenntnisse mit psychischen Erkrankungen, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Ordnungssinn und vor allem Menschenkenntnis notwendig. Sie selbst sei zertifizierte psychologische Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Denn generell „besteht schnell die Gefahr, dass aus dem einfachen Aufräumcoaching ein psychologischer Prozess wird, bei dem es darum geht, feinfühlig und wertfrei die Ängste des Klienten abzubauen“, sagt Baccouche.

Klienten kämen auf sie zu, weil ihnen der Überblick über die Dinge fehle, die sich angesammelt haben oder weil sie sich in ihrem Zuhause nicht mehr wohlfühlen. Oft fehle ihnen schlicht die Motivation, die Sache selbst anzugehen, sagt Baccouche. „Andere leiden unter gesundheitlichen Einschränkungen, psychischen Erkrankungen oder dem Verlust eines Angehörigen. Meistens können sie sich nur schwer von Dingen trennen aufgrund von emotionaler Bindung.“ Als Coach wolle sie ihren Klienten deshalb für die Zukunft ein „funktionierendes Handwerkszeug“ mit auf den Weg geben, damit sich deren Zuhause in einen gemütlichen und harmonischen Wohlfühlort verwandelt.

Offenbar entscheiden sich indes immer mehr Menschen dazu, eine solche externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn über mangelnde Aufträge könne sie sich momentan jedenfalls nicht beklagen. So würden sich die Anfragen in letzter Zeit häufen, erklärt die Mainzer Ordnungsberaterin. Denn wenn es nicht so wäre, hätte sie längst ihre Selbstständigkeit aufgegeben.

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