Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit wurde Anfang August die neue Straßenbahnstrecke in der Binger Straße in Mainz freigegeben. Seitdem herrschen neue Verkehrsregelungen in der Innenstadt. Dazu gehört vor allem der „Modalfilter“ in der Großen Bleiche auf Höhe des Landtags. Viel Kritik gab es für die Maßnahme, denn für den Autoverkehr ist die Stelle nun gesperrt, Busse oder Fahrräder indes können sie weiterhin passieren (wir berichteten).
Baustelle auf Großer Bleiche war Hauptursache für Stau
Viele Autofahrer standen in den vergangenen Wochen im Stau, der Ärger der Pendler war groß. Oberbürgermeister Nino Haase könne den Ärger verstehen, wie er im Gespräch mit Merkurist sagt. Doch Grund für die Verkehrsbehinderungen sei nicht die Sperrung am Landtag gewesen, sondern an einer anderen Stelle in der Großen Bleiche: „Die Hauptursache für die Probleme war eine Baustelle an der Umbach.“ Dort war einen Monat lang Baustelle, weil hier ein Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen wurde. „Das Problem ist ja nun Geschichte, seitdem läuft der Verkehr wie erwartet“, so Haase.
Der Modalfilter am Landtag bleibt dauerhaft, er hängt direkt mit der neuen Straßenbahntrasse in der Binger Straße zusammen. So soll der Autoverkehr rund um den Münsterplatz reduziert werden. „Das ist notwendig, um der neuen Straßenbahnlinie dort an der Ampel genügend Grünphasen zu verschaffen“, so Haase. Diese Maßnahme sei bereits 2022 und 2023 im Planfeststellungsverfahren für die Straßenbahn festgelegt worden. Der Autoverkehr wird nun über die Kaiserstraße geleitet.
„Bisherige Modellierungen haben ergeben, dass die Kapazitäten der Straßen ausreichen“, so Haase. Seit ein paar Tagen würden nun wieder „objektive Verkehrsdaten“ erhoben. So soll die neue Situation bewertet werden. Zukünftig soll das Regierungsviertel zudem durch mehr Grünflächen aufgewertet werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Planungen sollen alle Verkehrsteilnehmer beachten
„Es geht nicht um eine autofreie Innenstadt“, so Haase zu den aktuellen Verkehrsplanungen. „Doch wir haben in den letzten Jahrzehnten sehr autozentriert geplant, und nun umfassen unsere Planungen eben alle Verkehrsträger.“ So betrachte das Verkehrsplanungskonzept nicht nur Autos, sondern auch den ÖPNV, Fahrräder und Fußgänger. Die Parkhäuser sollen für Autofahrer jedoch weiterhin erreichbar bleiben. „Wir haben in Mainz relativ viele Parkhäuser, die übrigens ziemlich günstig im Vergleich zu ähnlichen Großstädten sind“, so Haase.
Aber gleichzeitig wolle man andere „Verkehrsträger“ attraktiv machen. „Im Idealfall nutzen die Menschen diese dann auch, weil wir einfach gar nicht genug Flächen in einer wachsenden Stadt haben, um unendlich viel Individualverkehr zuzulassen. Das ist keine ideologische, sondern eine logische Schlussfolgerung.“
Mainz steht vor einem Baustellen-Jahrzehnt
Vor allem Autofahrer müssten sich in Mainz in den kommenden Jahren auf weitere Beeinträchtigungen einstellen. Laut Haase werden in den nächsten zehn Jahren noch „enorm viele Baustellen“ folgen. Gründe dafür sind die Modernisierung des Fernwärmenetzes, der Breitbandausbau sowie die generelle Instandhaltung der Infrastruktur, die vielerorts gleichzeitig erneuert werden müsse. Einige Maßnahmen müssten recht kurzfristig genehmigt werden. „Das ist oft schwierig mit den anderen Baustellen zu koordinieren“, sagt Haase. „Aber am Ende investieren wir damit immer in ein zukunftsstarkes Mainz.“
Einer Kritik stimmt Haase aber zu: „Ich weiß, dass wir die Kommunikation verbessern müssen, um der Bevölkerung den Zweck der Baustellen klarer zu vermitteln und auch über die positiven Effekte der Maßnahmen zu informieren. Hierum kümmert sich nun stärker auch das Baustellenmarketing der Wirtschaftsförderung.“ Dazu gehörten der Ausbau der Fernwärme und des Breitbandnetzes, aber auch notwendige Reparaturen an Straßen, die zum großen Teil kurz nach dem Krieg errichtet wurden. „Das ist jetzt eine Phase, durch die wir alle durchmüssen – nicht allein in Mainz, dies gilt für zahlreiche Kommunen.“
Aktuelle Baustellen können immer auf der Webseite der Stadt Mainz eingesehen werden.