Mainz und Wiesbaden bauen gemeinsames Wasserstoff-Netz auf

Infrastruktur soll zwischen Ingelheimer Aue und Mainzer Hauptbahnhof entstehen

Mainz und Wiesbaden bauen gemeinsames Wasserstoff-Netz auf

Die Städte Mainz und Wiesbaden wollen gemeinsam eine Infrastruktur aufbauen, um Wasserstoff zu erzeugen, zu transportieren und weiterzuverarbeiten. Um damit starten zu können, hoffen die für das Projekt verantwortlichen Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) und die Mainzer Stadtwerke AG auf eine Förderung der Europäischen Union.

Das geplante Wasserstoff-Netz soll vom Industriegebiet auf der Ingelheimer Aue bis zum Mainzer Hauptbahnhof reichen. Die etwa fünf Kilometer langen, neuen, eigenständigen Wasserstoff-Leitungen ermöglichen es, Industriekunden wie auch die Mainzer Mobilität zu versorgen. Interessant wäre der klimafreundlich erzeugte Wasserstoff auch für gewerbliche und industrielle Großabnehmer, ÖPNV-Betriebe und Logistikunternehmen, wenn sie ihre Produktionen oder Flotten auf Wasserstoff umstellen. Außerdem können bestehende Versorger ihren grünen Wasserstoff unkompliziert in das neue Netz einspeisen.

„Das CO2 wird also nicht mehr an die Umwelt abgegeben, sondern klimaschonend weiterverwertet. Hier sprechen wir von rund 16.000 Tonnen pro Jahr“. - Oliver Malerius, KMW

Die KMW plant zudem einen Elektrolyseur, der Wasserstoff herstellt und diesen mit CO2 in Methanol umwandelt. „Besonders innovativ ist dabei, dass wir das benötigte CO2 aus dem Abgasstrom unseres Müllheizkraftwerks nutzen“, betont Dr. Oliver Malerius, Vorstandsvorsitzender der KMW AG. „Das CO2 wird also nicht mehr an die Umwelt abgegeben, sondern klimaschonend weiterverwertet. Hier sprechen wir von rund 16.000 Tonnen pro Jahr“.

In dem Netzgebiet wollen die Mainzer Stadtwerke darüber hinaus eine Wasserstofftankstelle errichten und eine Abfüllanlage, um den Wasserstoff auch transportieren zu können. „Diese neuen Anlagen, den bereits geplanten Elektrolyseur und die Wasserstoff-Tankstelle am Zentralklärwerk Mainz am Mombacher Kreisel sowie den geplanten neuen Elektrolyseur auf dem KMW-Betriebsgelände möchten wir an das Wasserstoff-Netz anschließen“, erklärt Dr. Tobias Brosze, Technischer Vorstand der Mainzer Stadtwerke AG.

Projekt könnte 2022 starten

Anhängig ist die Umsetzung des Projekts von einer EU-Förderung für Wasserstofftechnologien und -systeme. Die in das Projekt integrierten Projekte entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette konnten diese Förderung beantragen. KMW und die Mainzer Stadtwerke haben die Förderskizze eingereicht und rechnen Ende 2021 mit der Entscheidung, ob das Projekt gefördert wird. Bei positivem Ergebnis soll die Umsetzung direkt im Jahr 2022 starten. Fertiggestellt sein könnte es dann bis 2027.

„Es ist deutschlandweit sicher einzigartig, dass sich beim Zukunftsthema Wasserstoff gleich mehrere kommunale Mainzer Unternehmen so stark engagieren.“ - Oberbürgermeister Michael Ebling

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) hofft derweil auf eine Zusage: „Es ist deutschlandweit sicher einzigartig, dass sich beim Zukunftsthema Wasserstoff gleich mehrere kommunale Mainzer Unternehmen so stark engagieren“, sagt er. Das gelte bereits für den von den Mainzer Stadtwerken, Linde und Siemens errichteten Energiepark Mainz und die geplante Elektrolyseanlage in Mombach. „Und das gilt insbesondere für das jetzt gemeinsam von der KMW und der MSW geplante Wasserstoffnetz.“

Logo