Zukunft der Mainzer Programmkinos: Stadt Mainz äußert sich

Nach scharfer Kritik der Betreiber des Capitol & Palatin an der Stadt Mainz hat sich nun die Bau- und Kulturdezernentin zu Wort gemeldet. Sehr viel kann sie über die Zukunft der Programmkinos in Mainz allerdings noch nicht sagen.

Zukunft der Mainzer Programmkinos: Stadt Mainz äußert sich

Seit dem Verkauf das Palatin-Gebäudes in der Hinteren Bleiche im August 2021 laufen die Debatten, Petitionen und Fragen über die Zukunft der Mainzer Kinokultur. In dieser Zeit haben sich die Betreiber der Programmkinos Capitol & Palatin, Eduard Zeiler und Jochen Seehuber, mehrfach an die Öffentlichkeit gewandt und dabei teils scharf gegen die Stadt und den neuen Eigentümer geschossen.

So hatten sie zuletzt die bevorstehende Schließung beider Standorte durch den Abriss des Palatins verkündet, kurz darauf folgte eine Kritik am Vorgehen der Stadt Mainz. Am heutigen Mittwoch hat die Stadt sich nun selbst zu Wort gemeldet und in einer Pressekonferenz den aktuellen Planungsstand zum Kinostandort in der Hinteren Bleiche und der Zukunft der Mainzer Kinolandschaft bekanntgegeben.

Konkrete Aussagen und Prognosen konnte Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) jedoch nur in wenigen Punkten treffen. So stünde zum jetzigen Zeitpunkt lediglich fest, dass der neue Eigentümer Fischer & Co. am alten Palatin-Standort einen Neubau mit Räumen für das „Alexander the Great“ sowie mehreren Kinosälen realisieren will. Letztere will die Stadt Mainz dann langfristig an- und an einen professionellen gewerblichen Betreiber untervermieten – vorbehaltlich der Zustimmung der politischen Gremien. Doch wie viele Kinosäle der Neubau tatsächlich enthalten wird und wann die Bauarbeiten beginnen oder abgeschlossen sein werden, könne noch nicht vorausgesagt werden, so Grosse.

Öffentliche Ausschreibung für neuen Kinobetreiber

Wer der gewerbliche Betreiber des neuen Kinos sein wird, soll über eine öffentliche Ausschreibung mit Fachjury entschieden werden. Dabei stünde nicht die Erfahrung oder Expertise der Bewerber im Vordergrund, sondern die Vereinbarkeit des Konzepts mit städtischen Kulturförderrichtlinien. „Das Konzept muss die Überschrift ‘Kultur’ tragen“, betont Grosse. Aus Sicht der Stadt Mainz sei das Vorhaben, die Kinosäle an einen nicht-kommunalen Betreiber unterzuvermieten, ein komplexes Unterfangen. „Wir betreten dadurch auch Neuland“, so Grosse. Ein direkter Zuschlag an das Capitol & Palatin sei aufgrund der geregelten Prozessabläufe im kommunalen Bereich nicht möglich.

Den Bauantrag wolle der Eigentümer noch im kommenden Jahr einreichen, die Kosten sollen sich auf etwa 2 Millionen Euro belaufen. Für die Planung und Realisierung des neuen Kinos wolle der Bauherr die Beratung von ausgewiesenen Kinospezialisten in Anspruch nehmen. Im Idealfall sollen die zukünftigen Betreiber ebenfalls Einfluss auf die Gestaltung nehmen können. Da jedoch noch nicht feststeht, wann die Ausschreibung startet, geschweige denn, wann ein Gewinner verkündet wird, könne auch das noch nicht zweifelsfrei gesagt werden. Dass die neuen Betreiber erst nach Abschluss der Bauplanungen feststehen und somit gar kein Mitspracherecht bei der Gestaltung ihres zukünftiges Kinos haben, hält Grosse jedoch für „unwahrscheinlich“.

Ungewisse Zukunft für Mainzer Kinolandschaft

Ebenfalls unklar ist, ob das kommunale Programmkino CinéMayence, das sich aktuell im Institut français befindet, in den Kino-Neubau einziehen wird. Aktuell liefen Gespräche mit allen Beteiligten von Fischer & Co., dem Capitol & Palatin und dem Verein AG Stadtkino, der das CinéMayence betreibt. Zudem sei die Stadt mit mehreren Investoren in Kontakt, um außer dem Standort Hintere Bleiche und dem Capitol bestenfalls noch einen weiteren neuen Kinostandort in Mainz zu schaffen. Zur Förderung der Film- und Kinokultur in Mainz solle künftig zudem ein städtischer „Film-Förderpreis“ vergeben werden. Außerdem sei für den Haushalt 2023/24 eine Vollzeitstelle in der Projektleitung „Film“ beantragt worden. Genehmigt ist sie noch nicht.

Dass es weiterhin ein Kino in der Hinteren Bleiche geben wird, soll also sicher sein. Dass dieses neue Kino in Kooperation mit der Stadt Mainz betrieben werden soll, auch. Viel mehr steht jedoch nicht fest. Weder für die konkrete Umsetzung des Kino-Neubaus in der Hinteren Bleiche, noch für die Programmkinos in Mainz. Offen bleibt auch, ob die Betreiber des Capitol & Palatin sich mit einem neuen Konzept für die geplante Ausschreibung bewerben werden. Vor wenigen Wochen hatten sie das in einem öffentlichen Statement noch ausgeschlossen. Voraussichtlich bis Baubeginn kann das Palatin aufgrund einer Verlängerung des Pachtvertrags noch in der Hinteren Bleiche betrieben werden. Was danach passiert, steht in den Sternen.

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