Das sind die Reaktionen auf den Mainz-Tatort

Der erste Mainzer „Tatort“ nach fast 30 Jahren - doch wie kam er bei Medien und Twitter-Usern an? Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

Das sind die Reaktionen auf den Mainz-Tatort

Wenn sonntags um 20:15 Uhr der „Tatort“ beginnt, explodiert der Kurznachrichtendienst Twitter förmlich. Die User kommentieren witzig, ironisch und manchmal auch ziemlich böse, was sie im TV verfolgen. Heute war allerdings einiges anders: Erstens lief der ARD-Krimi ausnahmsweise an einem Montag und zweitens wurde er zum ersten Mal nach fast 30 Jahren in Mainz gedreht. Eines blieb aber gleich: Twitter explodierte. Doch wie reagierten die User auf den Mainz-Tatort?

Zunächst mit Skepsis. „Nach dem gelben Unterrock und dem 0-0 des FSV 05 am Sonntag, braucht Mainz heute Abend eine klare Leistungssteigerung“, schreibt User Frankie, bevor der Krimi beginnt. Pethe61 spottet: „Der #tatort heute mit frau #makatsch kommt ja aus #mainz - damit da auch mal wieder was los ist.“

Die Aufreger

Dann der erste Aufreger: Heike Makatsch angelt mit ihrem Neffen am Rhein. Der Junge fängt einen Fisch und tötet ihn. „Niemals fängt man am Rheinstrand so nen Fisch“, zweifelt Userin Swantje. „Im Rhein angeln...seid ihr lebensmüde?“, wundert sich auch Skeletor, „wenn die beiden den Fisch aus dem Rhein jetzt auch noch essen, dürfte es bald die erste Leiche geben.“ Jürgen Philipp macht sich ganz andere Gedanken („hat Heike Makatsch einen Angelschein?“), während Juliane schon einen Schritt weiter ist: „100 Prozent ist das Kind der Mörder. Also zumindest vom Fisch.“

Auch die Personalie Heike Makatsch wird kontrovers diskutiert - vor allem wegen ihrer Viva-Vergangenheit. „Warte dauernd darauf, dass Heike Makatsch Whigfield mit Saturday Night ansagt“, kommentiert Hubinho. Maurus schreibt: „Ich bin 'Ich kenne Heike Makatsch noch als Moderatorin bei VIVA'-Jahre alt.“

Polizei twittert doch nicht

Und was sagen die User zum Mainz-Bezug des Krimis? Vielen ist er zu dünn. „25 Minuten und noch immer kein verwirrter Mainzer Passant mit Backfischbrötchen in der Hand, der sich - den Darstellern ins Wort fallend - zum Bibelturm positioniert hat. Fake“, schreibt Ephraim. Wer weiß, vielleicht wäre das tatsächlich passiert, wenn der „Tatort“ in diesem Monat gedreht worden wäre - und nicht im vergangenen Herbst. Eine andere Sache findet Userin Anna unrealistisch: „Schon ne halbe Stunde Mainzer #Tatort und noch niemand hat Wein getrunken... nicht mein M1!“. User DarthLehrer hat so seine ganz eigene Interpretation der Handlung: „Überraschende Wende: Der mutmaßliche Täter ist ein Mainzelmännchen!“

Insgesamt fallen die Reaktionen eher negativ aus. Christiane fasst zusammen, was viele denken: „So langweilig wie der Mainzer #Tatort ist es eigentlich sonst nur in Wiesbaden.“ An dem Twitter-Reigen leider nicht beteiligt war die Mainzer Polizei. Wie der SWR vergangene Woche berichtet hatte, wollte die Polizei den Mainzer Tatort eigentlich live auf ihrem Twitter-Account begleiten. „Leider konnten wir den Tatort nicht mehr rechtzeitig sehen, so dass wir nichts vorbereiten konnten. Das tut uns selbst sehr leid“, schrieb die Polizei nun am Montag.

So sehen die Medien den Film

Vor der Ausstrahlung konnten dagegen Journalisten und Filmkritiker den Tatort sehen. Der Tenor in den großen Medien ist recht ähnlich. Der Stern findet, dass „Zeit der Frösche“ es trotz des emotionalen Themas nicht wirklich schaffe, Spannung aufzubauen. Die Ereignisse würden zu stakkatoartig erzählt, die Handlung sei zu eindimensional. Redakteurin Julia Kepenik kommt zu dem Urteil: „Wenn Sie kein ausgesprochener Heike-Makatsch-Fan sind und über Ostern sowieso schon zu viel ferngesehen haben, können Sie sich diesen 'Tatort' getrost sparen.“ Das dachten sich im Nachinein wohl auch viele Twitter-User.

Das Zeit-Magazin ließ gleich vier Experten über den Tatort urteilen. Christian Buß (Spiegel Online) findet, dass Makatsch' Umzug nach Mainz „eher verschämt thematisiert wird“. Matthias Dell (Zeit Online) wundert sich dagegen, „wie schick ausgerechnet Mainz aussehen kann, wenn es so gefilmt wird“ und Lars-Christian Daniels (Filmstarts) darüber, warum die SWR-Requisite grundsätzlich die Kaffeetassen leer lasse. Auch in Mainz werde fleißig am leeren Pappbecher genippt.

„Immerhin wird kein Rheinhessisch gesprochen“ - die Welt

Barbara Möller von der Welt findet: „In Mainz sieht es in diesem Film aus wie überall. Grau und grottenlangweilig. Immerhin wird kein Rheinhessisch gesprochen.“ Das Beste wäre, denke sich der Zuschauer, wenn Berlinger Mainz schnell wieder verließe. „Richtung Mannheim. Oder Karlsruhe, das Zuständigkeitsgebiet des Südwestrundfunks ist ja groß genug. Oder ganz auf Nimmerwiedersehen. Muss ja nicht jeder ein 'Tatort'-Kommissar sein. Wirklich nicht.“

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