Warum Virologe Christian Drosten in seinem Podcast Mainz ins Spiel bringt

Der Berliner Virologe Prof. Christian Drosten erklärt in der neuesten Folge seines NDR-Podcasts eine mögliche Kreuzimmunität gegen das Coronavirus am Beispiel der Städte Mainz und Köln. Welche Rolle die Fastnacht dabei spielt.

Warum Virologe Christian Drosten in seinem Podcast Mainz ins Spiel bringt

Was verbindet die beiden Städte Mainz und Köln? Auf diese Frage hat der Berliner Virologe Prof. Christian Drosten eine Antwort: die fünfte Jahreszeit. In der aktuellen Folge seines Podcasts „Das Coronavirus-Update von NDR Info“, in dem er wöchentlich Fragen rund um die Corona-Pandemie beantwortet, spielen die beiden Hochburgen aber auch noch eine andere Rolle - und zwar in Bezug auf das Thema Kreuzimmunität, um das es in der Folge „Das Gedächtnis der Zellen“ geht.

Die zentrale Frage: Bin ich immun beziehungsweise geschützter gegen das Coronavirus, wenn ich bereits eine Infektion mit artverwandten Viren durchgemacht habe? An einem geografischen Beispiel erklärt Drosten den Zuhörern genau diesen Sachverhalt - und zwar so, wie er es auch „seinen Studierenden gerne“ erklärt. „Das entspricht auch genau dem, was ich als Virologe jetzt gut beurteilen kann, nämlich wie weit diese Viren jeweils voneinander entfernt sind in ihrem Verwandtschaftsgrad.“

Entfernungen zwischen Mainz, Köln und Bielefeld

Wie genau das aussehen würde, das erläutert der Virologe an den Städten Mainz, Köln und Bielefeld: „Mainz und Köln, die sind beide in Westdeutschland und unterschiedlich weit voneinander entfernt, da muss man schon ein ganzes Stück fahren. Und jetzt würde man sagen, Köln ist in Nordrhein-Westfalen und Mainz ist in Rheinland-Pfalz, das sind zwei unterschiedliche Bundesländer.“ Als weiteren Vergleich führt er Bielefeld an. „Das ist fast gleich weit weg von beiden, auch wenn wir zugeben müssen, es ist schon näher dran an Köln.“

Anhand der Entfernung der drei Städte macht er den Verwandtschaftsgrad der Viren deutlich: „Also das SARS-CoV-2-Virus ist Bielefeld und diese Betacoronaviren, also OC43 zum Beispiel, das wäre Köln und ein Alphacoronavirus ist Mainz. So kann man sich das ein bisschen vorstellen, von den Entfernungsgraden her.“ Auf die Antwort von Moderatorin Korinna Hennig, dass sich „Kölner und Mainzer wahrscheinlich auch dichter beieinander“ fühlen würden, antwortet Drosten scherzhaft: „Ja. Es gibt tatsächlich auch dann übergeordnete Gemeinsamkeiten, die nicht geografisch erklärbar sind, wie zum Beispiel der Karneval. Aber jetzt werden wir hier sehr unterhaltsam.“

Wie funktioniert die Kreuzimmunität?

„Es gibt eine Kreuzreaktivität und zwar jeweils von einem Alphacoronavirus zum anderen Alphacoronavirus. Also das menschliche Coronavirus 299E reagiert kreuz gegen das menschliche Coronavirus NL63“, so Drosten. Dies gäbe es auch innerhalb der Betacoronaviren (beispielsweise OC43), allerdings nicht zwischen Alpha- und Betacoronaviren. „Das heißt, diese Viren sind anscheinend so weit voneinander entfernt, dass es keine richtige, relevante Kreuzstimulation mehr gibt oder Kreuzaktivität“, erklärt Drosten weiter. Gegen das SARS-CoV-2-Virus gebe es diese Kreuzaktivität gar nicht. „Das Virus ist zwar auch ein Betacoronavirus, aber von allen gleich weit entfernt.“

Doch was bedeutet das eigentlich? „Die Hoffnung, dass ich, wenn ich viele Erkältungen durchgemacht habe und da auch die gängigen Coronaviren drunter waren, relativ geschützt bin vor einer Infektion mit dem Coronavirus, die ist damit, vorsichtig formuliert, möglicherweise leider vom Tisch“, so die Moderatorin. Drosten möchte dies noch vorsichtiger formulieren. „Es ist leider einfach so, dass die Hoffnung jetzt schon ein bisschen schwindet darauf, dass man grundsätzlich einen bevölkerungsweiten Effekt in diese Richtung hat.“

Die gesamte Folge könnt Ihr hier nachhören. (df)

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