Die Nazi-Feiern der berüchtigten Müllers

Er wurde überregional als „Nazi-Müller“ bekannt: Curt Müller aus Gonsenheim. Zusammen mit seiner Frau veranstaltete er jahrelang Feiern zu Hitlers Geburtstag. Mittlerweile ist er tot. Doch wer war Curt Müller?

Die Nazi-Feiern der berüchtigten Müllers

Andere Familien warnen vor dem bissigen Hund, die Müllers warnen vor sich selbst. „Achtung! Direkt hinter dieser Tür leben die berüchtigten Müllers“ steht am Briefkasten vor dem Haus im Gonsenheimer Gewerbegebiet. Curt Müller lebt hier nicht mehr. Seit November 2018 ist er tot (wir berichteten). Doch die Erinnerung an eine unrühmliche Zeit bleibt.

„Mainz – neues Zentrum der Neonazi-Szene im Westen“, titelte die „taz“ am 30. Januar 1993, „Altnazi Müller reorganisiert die harte Neonazi-Szene“ hieß es im Untertitel. Zuvor hatten im April 1992 mehrere Hundert Neonazis Adolf Hitlers Geburtstag gefeiert – im Haus von Curt und Ursula Müller sowie in der angrenzenden Gärtnerei Müller.

„Nazi-Partys“ bis 1993

Schon ab den 60er-Jahren war das Ehepaar aktiv in der rechtsextremen Szene, gründete die „NS -Kampfgruppe Mainz“ mit. Curt Müller kandidierte bei der Bundestagswahl 1972 für die NPD. Zweimal musste er eine Haftstrafe verbüßen – unter anderem wegen Sachbeschädigung, Beleidigung, Meineid, vorsätzlicher Körperverletzung, Aufstachelung zum Rassenhass und Volksverhetzung. Ursula Müller übernahm 1991 den Vorsitz der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“ (HNG), damals eine der größten Neonazi-Organisationen in Deutschland.

Auch das Anwesen der Müllers war bis 1993 von überregionaler Bedeutung. Zu den „Sonnenwend“- und Hitlergeburtstagsfeiern kamen Hunderte Neonazis, teilweise sogar aus dem Ausland. Die letzte große „Nazi-Party“ bei Müllers fand am 17. April 1993 statt, drei Tage vor Adolf Hitlers Geburtstag. Laut „Rhein-Zeitung“ waren an dem Tag 400 Neonazis in Gonsenheim. Die Polizei musste ein Zusammentreffen der Nazis mit rund 1500 Gegendemonstranten verhindern. Danach konnten sie auf dem Anwesen ungestört feiern. „Am Sonntagmorgen sind die Neonazis wieder verschwunden. Sie werden nächstes Jahr wiederkommen – ganz privat, ganz legal…“, schrieb die „Rhein-Zeitung“. Doch dazu kam es nicht.

Haus glich „Hitler-Museum“

Nachdem die „Sommersonnwendfeier“ im Juni 1993 verboten worden war, fanden keine größeren Neonazi-Treffen mehr in Gonsenheim statt. Doch auch danach blieben die Müllers Gallionsfiguren der rechten Szene. Viele Neonazis bekamen von ihnen moralische Unterstützung, teilweise auch einen Schlafplatz in dem Haus, das laut „Spiegel“-Bericht von 2000 einem „Hitler-Museum“ glich. „Der Führer hängt als Bleistiftzeichnung über der Küchentür, gleich drei Holzbüsten stehen im Regal. Horst Wessel, der Barde Adolf Hitlers, ziert den Klo-Eingang.“ Später konnte man über Google Maps auf dem Gelände der Gärtnerei ein Blumenbeet in Hakenkreuz-Form sehen.

Zum letzten Mal gerieten die Müllers im September 2010 in die Schlagzeilen. Bundesweit wurden Wohnungen mutmaßlicher Neonazis durchsucht, darunter auch das Müller-Anwesen in Gonsenheim. Der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verbot Ursula Müllers Verein HNG im September 2011. Es sei „nicht länger hinnehmbar, dass inhaftierte Rechtsextremisten durch die HNG in ihrer aggressiven Haltung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung bestärkt werden“, so Friedrichs Begründung. Die HNG habe zur „Radikalisierung der Neonaziszene beigetragen.“

Ursula Müller lehnt Interview ab

Und heute? Curt Müller starb am 22. November 2018 im Alter von 88 Jahren. Mehr als ein Jahr lang blieb sein Tod geheim. Ursula Müller, 86, lebt nach Merkurist-Informationen immer noch im Gonsenheimer Anwesen. Mit Medien will sie nicht sprechen. Eine Interview-Anfrage lehnte sie nach einiger Bedenkzeit ab. Der Grund: Von den Medien fühle sie sich ungerecht behandelt. (pk/df)

Logo