Im Lennebergwald soll gebaut werden: Förster warnt vor „massiven Schäden“

Mitten im Naturschutzgebiet Lennebergwald soll eine riesige Reitanlage errichtet werden. Die Bebauungspläne für die Fläche sind nun öffentlich einsehbar. Naturschützer befürchten, dass der kranke Wald nun noch mehr Schäden erleiden wird.

Im Lennebergwald soll gebaut werden: Förster warnt vor „massiven Schäden“

700 Hektar groß ist der Lennebergwald und seit 1995 Naturschutzgebiet. Er reicht von Finthen über Gonsenheim bis zur Gemeinde Budenheim und dem Ingelheimer Ortsteil Uhlerborn. Einzige Ausnahme: Eine circa fünf Hektar kleine Fläche in der Nähe von Uhlerborn. Sie liegt mitten im Wald und wurde früher von den Mitarbeitern der IBM-Filiale Mainz als Freizeitanlage genutzt.

Dieses Grundstück nebst einigen Feldern hat der Investor Wolfram Richter nun erworben und plant Großes: Stefan Dorschel, Revierförster des Lennebergwalds, befürchtet, dass Richter dort eine Reitanlage errichten wird, vermutlich inklusive Reiterklause, Weideflächen, Galoppbahn, Reithalle und rund 100 Pferden. Über diese Pläne ist er entsetzt: „Auch auf dieser Fläche befinden sich viele schützenswerten Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten.“ Vorgesehen war hier eigentlich eine Renaturierung, die naturnahen Lebensräume sollten also wieder hergestellt werden.

Für die Fläche waren Wiederaufforstungen geplant

Der Lennebergwald leidet seit Jahren unter der Trockenheit. Um dem Waldsterben entgegenzuwirken, werden aktuell standortangepasste und klimastabile Bäume gepflanzt (wir berichteten). Um das ehemalige IBM-Gelände herum sollte ein „standortgerechter Kiefern- und Eichentrockenwald“ entstehen, berichtet Dorschel. Vor allem Lebensräume für Vögel sollten so wieder geschaffen werden.

Zwar laufen von dem nahegelegenen Reitstall bereits einige Pferde durch den Wald, deren Zahl sei aber unkritisch: „Hier ist es im Wald noch relativ ruhig. Durch Zählungen haben wir selbst bei bestem Wetter maximal 13 Ausritte täglich festgestellt“, so Dorschel. Ganz anders sehe es aus, wenn sich die Zahl der Pferde plötzlich vervielfachen würde: „Die Ausscheidungen der Pferde werden zu einem sehr hohen Stickstoffeintrag führen. Die schon jetzt leidenden Bäume werden dadurch noch anfälliger für Schadorganismen wie Pilzerkrankungen und Insektenbefall.“ Durch den Sandboden im Wald gelangen die in den Boden einfließenden Stoffe zudem schnell ins Grundwasser, befürchtet er. „Ökologisch hilfreich und zukunftsweisend wäre gerade im Hinblick auf Klimawandel und Grundwasserschutz nur die Entsiegelung und Renaturierung der Fläche.“

Bebauungspläne einsehbar

Nun hat die Stadt Ingelheim die erste Beteiligungsrunde gestartet. Die Bebauungspläne sind noch bis zum 30. Juli offengelegt, und jeder darf Anregungen und Bedenken dazu einbringen. Mit dem Bebauungsplan solle geprüft werden, ob die Fläche des ehemaligen IBM-Geländes auch weiterhin baulich entwickelt werden könne und unter welchen Bedingungen diese sinnvoll sei, sagt Sandra Bachmann von der Pressestelle der Stadt Ingelheim. „Es gibt keine Festlegung der Stadt, dort zwingend eine Reitanlage einzurichten. Im Planverfahren werden alle Optionen geprüft. Dazu gehören auch die Belange des Naturschutzes und der Verkehrsanbindung.“

Mit den Erkenntnissen aus der ersten Beteiligung sollen dann gegebenenfalls die bestehenden Unterlagen ergänzt und weitere Unterlagen neu erstellt werden, so Bachmann. „Der Bebauungsplan wird im Laufe des Verfahrens so weiterentwickelt, dass alle Belange berücksichtigt werden.“

Gegen eine Reitanlage angehen will unter anderem eine neu gegründete Bürgerinitiative. „Wir bitten Sie eindringlich, davon Abstand zu nehmen, das Projekt durch einen Bebauungsplan weiter zu verfolgen“, schreiben die Initiatoren von „Schützt die Uhlerborner Dünen“ in einem Brief an Stadtratsmitglieder. Und weiter: „Das Projekt ist nach unserer Auffassung nicht genehmigungsfähig. Eine Klage ist wahrscheinlich und hätte nach Auskunft von Fachleuten große Erfolgsaussichten.“

Bei der Stadt Ingelheim sei nicht absehbar, dass „der mögliche Bebauungsplan einer Normenkontrolle nicht Stand hält“, sagt Sandra Bachmann. „Wenn während des Verfahrens festgestellt wird, dass bestimmte Belange dazu führen, den Bebauungsplan nicht weiter zu führen, dann ist auch dieses Ergebnis aus städtischer Sicht akzeptabel.“

Termine zur Einsichtnahme der Planunterlagen bei der Stadt Ingelheim gibt es unter der Telefonnummer 06132 782-196 oder per E-Mail unter stadtverwaltung@ingelheim.de

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