Naturkosmetik: Wo es in Mainz selbst gefertigte Produkte gibt

Kosmetikprodukte aus natürlichen Inhaltsstoffen sind auf dem Vormarsch. In Mainz und Umgebung gibt es einige Anbieter, die ihre Produkte selbst zusammenstellen und teilweise auch von Hand fertigen. Wir stellen euch drei von ihnen vor.

Naturkosmetik: Wo es in Mainz selbst gefertigte Produkte gibt

Der Kosmetikmarkt verliert an Umsatz, doch bei der Naturkosmetik sieht es anders aus: Um fast sechs Prozent ist dieser Markt gewachsen, mehr als 1,3 Millionen Neukunden gab es laut dem Naturkosmetik-Branchenmonitor im vergangenen Jahr. Die Produkte haben natürliche Inhaltsstoffe, wenig Chemie und sind oft umweltfreundlich verpackt – Aspekte, die immer mehr Menschen wichtig sind. Auch einige Mainzer Hersteller setzen inzwischen auf natürliche Kosmetik und bieten eigene Produkte an. Wir zeigen euch, welche Menschen dahinter stecken und was sie antreibt.

Mooikopp

Steffen Pauls liebt seine Heimat, das raue Wetter, das Meer, die Dünen – und die Natur. Geboren und aufgewachsen ist er auf Norderney, „der Liebe wegen“ ist er 1996 nach Mainz gezogen. Hier gründete er gemeinsam mit seiner Frau Anke im Jahr 2000 einen Friseursalon in der Altstadt. Bereits vor sechs Jahren hatten sie damit begonnen, Haarkosmetik selbst zu produzieren. „Uns reichte der ökologische Anspruch und die Qualität der bis dahin angebotenen Haarkosmetik nicht aus“, erzählt Pauls. Ihr Anspruch: Die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. „Bei jeder Produktkonzeption achten wir zum Beispiel auf deren biologische Abbaubarkeit, eine optimale Inhaltsnutzung ohne Restverschwendung, kein Mikroplastik einzusetzen und die Verwendung von Glasflaschen“, so Pauls.

Anke Pauls hat für die Mooikopp-Produkte eine Ausbildung als Heilpraktikerin absolviert, mit dem Schwerpunkt Phytologie/Pflanzenheilkunde. Darauf ließen sie und ihr Mann sich gemeinsam als Aromatologen ausbilden, in der sie Grundlegendes über Öle sowie das Mischen und Herstellen von Duft- und Pflegerezepturen erlernten.

Bei den Wirk- und Duftölen sei ihnen wichtig, so weit wie möglich auf naturbelassene Qualität zu achten, „um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören“, so Steffen Pauls. So bestehen die Tees , Haaröle und Kerzen komplett aus pflanzlichen und kontrolliert biologischen Zutaten.Bei den Shampoos und Duschbalsamen sind Zucker-Kokosöltenside, Duft- und Wirköle beigegeben, bei den Conditionern Kokosölderivate und Rosenblütenwachs und bei der Körperlotion das Wiesenschaumkrautöl. Auch Birkenblätter, Orangenblüten, Brokkolisamenöl, Limettenöl, Klettenwurzelextrakt, Rosmarin und Jojobalöl sind häufig verwendete Zutaten.

Butterbällchen

Zu viel Plastik, zu viel Chemie: Simone Wagner wollte „weg von Stoffen, die weder gut für mich noch für die Umwelt sind.“ Erst war es nur ein Hobby, doch mit Beginn der Pandemie begann sie, ihre Freizeitbeschäftigung auszubauen. „Mein Mann und ich haben eine Künstleragentur, und ab März 2020 brachen uns die Aufträge weg“, berichtet Wagner.

Sie experimentierte mit Ölen, Pflanzenbutter, Wachsen und milden Tensiden – und gründete bald ihr Start-up „Butterbällchen“ in Oppenheim, unterstützt von ihrem Mann Günter. Sie nennt sich selbst „Seifen-Köchin“, da sie jedes einzelne Seifenstück von Hand selbst fertigt. Seit knapp einem Jahr verkauft sie ihre Produkte über den Onlineshop sowie in der Mainzer Lulu an einem eigenen Stand. Hier wird sie in der ehemaligen Personalküche auch bald eine Seifenküche eröffnen können. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt Wagner. Herstellen will sie die Seifen aber auf jeden Fall weiterhin selbst, gegebenenfalls mit Verstärkung. „Das liegt mir zu sehr am Herzen.“

Außer der „normalen“ Handseife gibt es bei Butterbällchen Duschöle, Shampoos, Körperbutter und Peeling - alles in fester Stückform. Als Inhaltsstoffe verwendet Simone Wagner nicht nur Bienenwachse, sondern auch Kaffeepulver, Kokos-, Pfirsichkern- und Mandelöl, Mango- und Kakaobutter. Verpackt werden die Seifen lediglich mit einer Banderole. „Plastik kommt uns gar nicht in die Tüte“, so Wagner.

Das Boep

„Das Babyoelprojekt“ (kurz: das boep) nannte die Ärztin Michaela Hagemann ihr Produkt, als sie 2015 startete. Ursprünglich suchte sie ein Pflegeprodukt für ihre neugeborene Tochter, das frei ist von synthetischen Düften, Mineralölen oder Parabenen. Kurz danach stiegen ihr Bruder, ein Naturkosmetik-Hersteller, und einige ihrer Freundinnen mit ein. Gemeinsam schafften sie eine neue Marke, die auch von Hautärzten geprüft und mit „sehr gut“ bewertet wurde. Seitdem ist die Serie „das boep“ für Babys und Kleinkinder erhältlich – Badeöl und Balsam, Schaumbad und Shampoo, Körperöl und -butter, Sonnencreme und auch Handtücher.

Verkauft wird das Sortiment vor allem im Onlineshop. „In Mainz gibt es unsere Produkte zum Beispiel auch im Kollektiv Mainz, im Natürlich Mainz, im Kinderladen Wirth und in der Lulu“, so Merle Munkel vom Boep-Marketing. Deutschlandweit erhält man die Produkte auch in Bio-Supermärkten, Apotheken, Concept Stores und dm-Märkten.

Inzwischen hat Michaela drei Töchter, ihr Team besteht aus sieben Mitarbeitern. 2020 erhielt sie den rheinland-pfälzischen Start-Up Innovativ-Preis. Produzieren lässt sie ihre Cremes und Öle weiterhin im Allgäu. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an weiteren Produkten, unter anderem für Mamas und Schwangere“, so Munkel. Auch zusätzliche Seifen und Sonnenpflegeprodukte soll es künftig geben.

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