Wölfe im Rheingau: Können sie auch in Rheinhessen auftauchen?

Im Rheingau, ganz in der Nähe von Oestrich-Winkel, wohnt ein Wolfspaar. Seit Jahren kommen immer mehr Tiere zurück nach Deutschland. Könnten sie sich auch in Rheinhessen ansiedeln?

Wölfe im Rheingau: Können sie auch in Rheinhessen auftauchen?

Das erste hessische Wolfspaar ist ganz in der Nähe von Wiesbaden aufgetaucht, bei Oestrich-Winkel im Rheingau. Das meldete kürzlich das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Bisher galt nur ein weibliches Tier als sesshaft, nun wurde mittels DNA-Spuren auch ein männlicher Wolf wiederholt nachgewiesen. Ob das Paar auch Nachwuchs hat, ist noch nicht bekannt.

„Wir stehen der Meldung über das erste nachgewiesene Wolfspaar im Rheingau positiv gegenüber“, teilt Markus Stifter, Pressesprecher des Landesjagdverbands Hessen (LJV), auf Merkurist-Anfrage mit.

„Der Wolf kehrt von ganz allein zu uns zurück“ - Ann-Sybill Kuckuk

In Rheinland-Pfalz gibt es schon seit etlichen Jahren Wölfe: Sesshaft sind sie etwa im Westerwald. „Auch in anderen Regionen gibt es ab und zu Sichtungen von durchwandernden Wölfen, zum Beispiel in der Eifel und im Taunus, zudem werden von ihnen gerissene Tieren oder überfahrene Wölfe gemeldet“, sagt Ann-Sybil Kuckuk, Naturschutzreferentin beim NABU Rheinland-Pfalz. „Der Wolf kehrt aufgrund seiner starken Ausbreitungs- und Anpassungsfähigkeit von ganz alleine zu uns zurück und nimmt seinen natürlichen Platz im Ökosystem ein.“

Die Tiere können bis zu 1000 Kilometer zurücklegen und überqueren sogar größere Flüsse und Autobahnen. Ist es also auch möglich, dass sich Wölfe bei uns in Rheinhessen ansiedeln?

Als letztes wurde Anfang 2020 ein Wolf bei uns gesehen, und zwar ganz in der Nähe von Mainz-Finthen. Er war auf der Autobahn A 60 von einem Auto erfasst und getötet worden. Er war wohl auf der Durchwanderung, auf der Suche nach einem neuen Revier, meldete damals das rheinland-pfälzische Umweltministerium. Bald wird er präpariert im Naturhistorischen Museum Mainz ausgestellt werden.

Für eine Bleibe sei unsere Gegend aber eher ungeeignet: „Aufgrund der weitestgehend fehlenden Waldflächen ist eine Ansiedlung in Rheinhessen unwahrscheinlich, denn Wölfe brauchen neben Offenland auch ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.“

Sind Wolfsansiedlungen gute Nachrichten?

Ausreichend Lebensraum sei in Rheinland-Pfalz prinzipiell vorhanden, sowohl für Mensch als auch Wolf. Eine Ausbreitung im Land sei aber begrenzt, da der Mensch es stark besiedelt habe und der Wolf natürliche Ansprüche an sein Territorium hat. „Das Wichtigste ist, dass wir wieder lernen müssen, mit der Anwesenheit dieses Wildtieres angemessen umzugehen, so wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist, in denen der Wolf nie weg war“, so Kuckuk. Die in Rheinland-Pfalz ansässigen Wölfe zeigen bislang ein natürliches Verhalten. 20 Jahre Wolfsmonitoring habe gezeigt, dass das Risiko von Wolfsangriffen in Europa trotz steigender Population weiterhin sehr gering sei.

Und wenn der Wolf doch einmal gefährlich wird, wenn er zum Beispiel Nutztiere angreift? „Der Wolf ist in der Regel scheu und meidet direkte Konfrontationen mit Menschen. Dennoch zieht es einige wenige neugierige Wölfe in die Nähe des Menschen“, sagt Markus Stifter vom Landesjagdverband Hessen. „Es sollte jedoch jedem bewusst sein, dass es sich bei dem Wolf um ein Raubtier handelt.“ Das Hessische Umweltministerium stelle Fördermittel für Herdenschutzmaßnahmen zur Verfügung, die seien aber oft so gering, dass sie noch nicht einmal die Materialkosten für die Schutzzäune decken, kritisiert Stifter.

Der Landesjagdverband in Hessen unterstütze Bevölkerung, Weide- und Pferdetierhalter mit anerkannten ehrenamtlichen Wolfsberatern. Darunter zählen etwa die Sicherung von Probenmaterial und für Weidehalter die Möglichkeit, bei den zuständigen Behörden Schadensersatz und Fördermittel zur Wolfsprävention zu beziehen. „Nun gilt es zu beobachten, wie sich die Anwesenheit des Wolfspaares auf Nutz- und Wildtiere auswirkt“, so Stifter.

Auch das Land Rheinland-Pfalz fördere Wolfspräventionsmaßnahmen mittels Herdenschutzzäunen und -hunden, sagt Kuckuk. Der NABU fordert darüber hinaus, die Beratung für Tierhalter auszubauen. „Für den NABU ist klar: Die Sicherheit des Menschen steht an erster Stelle, sodass im Notfall auch der Abschuss eines besonders verhaltensauffälligen Wolfes gerechtfertigt ist“, sagt Kuckuk. Dies gelte etwa auch dann, wenn der Wolf mehrfach Nutztierherden angreife. „Die Studie hilft jedoch, das tatsächliche Risiko sachlich einschätzen zu können, Ursachen zu identifizieren und Handlungsoptionen aufzuzeigen.“

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