Warum sind die Mombacher Störche nicht in den Süden geflogen?

Auch in den kalten Monaten können in Mainz Störche gesichtet werden. Merkurist fragt beim Arbeitskreis Umwelt Mombach nach, wieso die Zugvögel sich nicht auf den Weg nach Afrika gemacht haben.

Warum sind die Mombacher Störche nicht in den Süden geflogen?

Wer in diesem Dezember auf der Rheinallee unterwegs ist, erlebt vielleicht eine kleine Überraschung: Auf den Laternen oder den Industriegebäuden kann man Störche entdecken. Als Zugvögel sollten die Tiere im Winter dort aber gar nicht zu sehen sein, so die gängige Annahme. Wie kommt es also, dass die Mombacher Störche noch in Mainz sind?

Wenn sie gute Nahrungsquellen finden, überwintern die Störche manchmal in der Nähe ihrer Nistplätze, erklärt Jürgen Weidmann vom Arbeitskreis Umwelt Mombach: „Der Verbleib im Brutgebiet oder seiner Nähe verschafft den dort überwinternden Störchen Vorteile im Frühjahr bei der oft starken Konkurrenz um die besten Nistplätze und erspart ihnen den langen und gefährlichen Weg in den Süden.“ Günstige Bedingungen bieten Weidmann zufolge etwa Müllhalden oder Biotope mit offenen Wasserflächen. Unter solchen Voraussetzungen bleiben die Vögel so lange, bis extreme Temperaturen oder langanhaltende Schneefälle sie zum Wegzug zwingen.

Biotope und Müll – beides attraktiv für Störche

Der Wertstoffhof der Firma Knettenbrech + Gurdulic in der Mombacher Industriestraße sei für die Störche im Winter beispielsweise sehr attraktiv. Die Tiere, die von der Rheinstraße aus gesichtet werden können, gehen dort oft auf Nahrungssuche. Auch Biotope befinden sich ganz in der Nähe: Wie Weidmann erzählt, betreut der Arbeitskreis Umwelt seit 2004 verschiedene Storchenwiesen im Mombacher Unterfeld. Diese Flächen belaufen sich mittlerweile auf ca. 11 Hektar. Dort finden die Störche Nahrung in Form von Fröschen, Molchen und anderen Tieren. Zudem wurden Nisthilfen für sie errichtet. Diese Futterquellen alleine bewirkt aber noch nicht, dass die Vögel mittlerweile in Mombach überwintern.

Zugvögel begnügen sich nun oft mit Spanien oder Frankreich

Als weitere Ursache für die veränderten Reisegewohnheiten der Störche nennt Weidmann den Klimawandel. Die immer höheren Durchschnittstemperaturen und seltenere Perioden mit Schneedecke machen es den Tieren leichter, auch im Winter in Europa genug Nahrung zu finden. Seit den 1970er-Jahren habe sich das Zugverhalten der Störche – aber auch vieler weiterer Vogelarten – darum stark entwickelt: „Die meist sehr gefährlichen und für die Tiere beschwerlichen Zugwege werden zunehmend verkürzt. Viele von ihnen ziehen ‘nur noch’ bis nach Frankreich und Spanien.“

Der Arbeitskreis Umwelt Mombach e.V. engagiert sich seit mehr als 25 Jahren für Natur und Umwelt in Mainz und Umgebung. Wer beim Arbeitskreis Umwelt aktiv werden möchte, kann sich per E-Mail unter info@akumwelt.de oder telefonisch unter 06131/685868 melden.

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