Warum der Lennebergwald so unaufgeräumt ist

Herumliegende Äste, umgefallene Bäume, die nicht entfernt werden: Warum ist es in den Wäldern oft so unaufgeräumt? Wir haben uns mit dem Revierförster des Lennebergwalds unterhalten.

Warum der Lennebergwald so unaufgeräumt ist

Wer durch den Lennebergwald spaziert, wundert sich vielleicht über heruntergefallene Äste und umgestürzte Bäume. Sie liegen oft jahrelang herum und werden nicht weggeräumt, selbst entlang der Wege. Was ist der Grund dafür?

„Das anfallende Holz bleibt bis auf verwertbare Stämme liegen“, teilte erst kürzlich der Revierförster des Lennebergwalds, Stefan Dorschel mit. Daher werde aus dem Lennebergwald auch kein Brennholz mehr bereit gestellt. „Noch stehende Nadelholzbestände werden zur Zeit nicht bewirtschaftet, gesunde Bäume bleiben stehen, absterbende und tote Bäume werden nur noch gefällt, wenn sie Waldbesucher, Erholungseinrichtungen, Gebäude oder den Straßenverkehr gefährden.“

Totholz wird bewusst im Wald gelassen

Das Holz der absterbenden Bäume werde also bewusst im Wald gelassen und nicht etwa als Brennholz abgegeben. „Langfristig wird es als Nährstoff- und Wasserspeicher für die nachfolgenden Waldgenerationen gebraucht“, so Dorschel.

Das Ziel: Der Wald soll verjüngt werden. In den bestehenden Lücken sollen junge Bäume heranwachsen. „Das herumliegende Holz dient dem Naturschutz, dem Erhalt und dem Neuaufbau des Waldes“, so Stefan Dorschel. „Aus Totholz entsteht neuer Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze. Es gibt Nährstoffe ab und speichert Wasser.“

So benötigen zahlreiche Insekten totes Holz als Lebensraum. Zudem ernähren sich viele andere Tierarten von den Totholzinsekten, von denen der Großteil inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere steht. Spechte zimmern ihr Höhlen in abgestorbene Baumstämme und schaffen dadurch Lebens- und Bruträume für zahlreiche „Nachmieter“, für Hornissen, Eulen und Fledermäuse etwa. Zahlreiche Lebewesen bauen somit das Totholz allmählich ab. Dessen Bestandteile werden dann langsam wieder zu Waldboden. In diesem können die Samen der folgenden Waldgeneration keimen.

Massive Zunahme der Waldschäden

Die Schäden im Wald haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, so Dorschel. Vor allem Kiefern, Buchen und Bergahorn seien betroffen. Denn durch den Klimawandel habe es auch im Lennebergwald ein massives Baumsterben gegeben. Von den wenigen Niederschlägen der vergangenen Jahre hätten sich etwa Pilzkrankheiten ausgebreitet, darunter die Rußrindenkrankheit.

Der Kiefernanteil des Waldes gehe zurück, es gebe mehr Laubholz. „Nicht alles davon ist langlebig“, so Dorschel. „Zitterpappeln, Birken, Bergahorn und Robinien kommen auf, werden aber in wenigen Jahrzehnten wieder absterben und – hoffentlich – von langlebigen Baumarten wie Eichen und Linden abgelöst.“ Die Zukunft von Kiefern und Buchen jedoch sei derzeit sehr ungewiss.

Betreten des Waldes auf eigene Gefahr

So habe auch entlang der Wald- und Wanderwege der Anteil geschädigter und abgestorbener Bäume zugenommen. „Das Betreten des Walds geschieht immer auf eigene Gefahr“, heißt es von Seiten des Landesforsten Rheinland-Pfalz. Die Waldbesitzer unterliegen zwar keiner Verkehrssicherungspflicht entlang der Wege, Bäume werden jedoch vorsorglich eingeschlagen und im Wald liegen gelassen. Dadurch werde auch der Boden schattig gehalten, was die Feuchtigkeit besser hält, Humusbildung und Nährstoffspeicherung verbessert.

Durch das liegengebliebene Holz soll der Wald also ökologisch stabiler und vielfältiger werden, indem er sich ungestört natürlich entwickeln kann.

Wichtig für die Zukunft sei, dass der Klimawandel gebremst wird, dass es regelmäßige Niederschläge gibt, keine Extremwetter und keine langen Trockenphasen wie in den vergangenen Jahren. „Der Wald sollte nicht noch zusätzlich genutzt und in Anspruch genommen werden“, so Dorschel. „Es kommt nun darauf an, dass weniger Schadstoffe in die Natur kommen und dass der Mensch achtsam mit ihr umgeht.“

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