Seltene Fledermausart hat sich in Mainzer Kirche angesiedelt

Das „Braune Langohr“ ist eine gefährdete Art. Nun wurde sie in Ebersheim im Dachstuhl der Kirche entdeckt. Die Ebersheimer planen jetzt Maßnahmen, um die Tiere weiter zu unterstützen, der Nabu verlieh ihnen dafür eine Plakette.

Seltene Fledermausart hat sich in Mainzer Kirche angesiedelt

Eigentlich sollten in der Ebersheimer Kirche Falken einziehen. Die Pfarrgemeinde hatte hier eigens zwei Brutkästen angebracht, nun wartete man sehnsüchtig auf die neuen Bewohner. Entdeckt wurden jedoch ganz andere Tiere. Zur Überraschung aller hatten sich im Dachstuhl Fledermäuse angesiedelt: Das „Braune Langohr“ ist eine in Deutschland gefährdete Art, also besonders schützenswert.

Gleich nach ihrer Entdeckung starteten die Ebersheimer mit den Planungen für weitere Maßnahmen, um die Tiere zu unterstützen. „Wir planen zum Beispiel eine Fledermaushecke“, erklärt Johannes Blüm, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. „Mit etwas Glück können wir uns vielleicht auch bald über brütende Turmfalken freuen.“

Plakette weist auf die schützenswerten Tiere hin

Am Dienstag (17. Mai) wurde zudem an der an der Fassade der Kirche St. Laurentius eine Plakette angebracht, die auf die schützenswerten Tiere hinweist. Verliehen hat sie Gerhard Schmoch, der stellvertretende Vorsitzende des NABU Mainz und Umgebung. Die Auszeichnungen der Nabu-Projekte „Fledermäuse Willkommen“ sowie „Lebensraum Kirchturm“ erhalten Personen, die sich im Fledermausschutz einsetzen, indem sie bestehende Quartiere erhalten oder neue anbieten.

„Viele Tierarten leiden zunehmend unter Wohnungsnot“, so Schmoch. „Der Platz für Natur wird besonders in Ballungszentren zunehmend rar. Umso wertvoller ist nicht nur die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten für den Artenschutz, sondern auch die geplante fledermausfreundliche Umgestaltung der Außenanlagen mit heimischen Blühpflanzen.“

Die Fledermäuse zu entdecken, sei oft ein Glücksfall, da sie sich sehr unauffällig verhalten, erklärt Katharina Schritt vom Nabu Rheinland-Pfalz. So seien auch im Mainzer Umland nur wenige Quartiere von Fledermäusen in Gebäuden bekannt. Haben sie jedoch einmal ein Quartier bezogen, würden sie es oft über Generationen hinweg nutzen. „Wann die Braunen Langohren im Dachstuhl der St. Laurentius eingezogen sind, lässt sich daher schwer sagen. Sicher ist nur, sie sind schon viele Jahre dort.“

Hintergrund

Das „Braune Langohr“, häufig auch als „Waldfledermaus“ bezeichnet, ist kein Langstreckenflieger und entfernt sich daher selten weit von seinem Quartier. Stattdessen beherrscht es den „Rüttelflug“, erklärt Fledermausexpertin Katharina Schritt: „So kann es Insekten von Oberflächen absammeln.“ Auch die Ebersheimer Langohren würden also vermutlich vornehmlich in naturnahen Gärten vor Ort auf Insektenfang gehen.

Gefährdet seien die Langohren inzwischen vor allem, weil die Quartiere der gebäudebewohnenden Fledermäuse immer häufig „wegsaniert“ würden. „Alternative Quartiere stehen durch Modernisierungen und hermetische Versiegelungen immer weniger zur Verfügung“, sagt Schritt. Auch Baumquartiere gebe es immer seltener. Hinzu komme das zunehmende Insektensterben, vorangetrieben durch den Einsatz von Pestiziden und fehlenden Lebensräumen.

Unterstützen könne man zumindest manche Fledermausarten daher mit Fledermausbrettern oder -höhlenkästen, mit dem Verzicht auf Pestiziden und dem Erhalt von Streuobstwiesen. Auch kleinräumig verfügbare Refugien in strukturreichen Landschaften würden helfen.

Mehr Infos zum Projekt „Fledermäuse willkommen!“ des NABU Rheinland-Pfalz findet ihr hier.

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