Krähen in Mainz: Unternimmt die Stadt etwas gegen den „Lärm“?

Hunderte von Krähen nisten auf Bäumen in der Innenstadt, in Parks und auf dem Lerchenberg. Einige Anwohner sind von ihren Rufen und ihren Hinterlassenschaften genervt.

Krähen in Mainz: Unternimmt die Stadt etwas gegen den „Lärm“?

Sie leben in großen Gruppen, oft zu Hunderten, und suchen sich auch gemeinsame Brutbäume: Saatkrähen bevölkern seit etlichen Jahren einige der Mainzer Stadtteile. Nun, zur Brutzeit, bauen sie ihre Nester entlang von Straßen, in Parks und Spielplätzen. Und sie sind laut. „Krähen-Lärm auf dem Lerchenberg, warum wird dagegen nichts unternommen?“ fragt daher Merkurist-Leser Marcel. Andere Leser sehen das anders: „Die Krähen waren schon vor dem ‘Lerchenberg’ auf den Feldern zwischen Drais und Ober-Olm. Tiere gehören auf dem Land nun mal dazu“, kontert einer.

Schwerpunkte der Krähenkolonien seien laut Mainzer Grün- und Umweltamt, neben dem Lerchenberg, die Neustadt sowie einzelne Plätze und Straßenzüge in Ebersheim, der Alt- und der Oberstadt. Immer wieder würden sich Anwohner bei der Verwaltung wegen der Rufe beschweren, vor allem in den Morgen- und Abendstunden.

100 Nester über dem Spielplatz

Auch Sissi Westrich (SPD), Ortsvorsteherin von Mainz-Lerchenberg, kennt „die Problematik“ seit mindestens 15 Jahren schon. 189 Nester haben die Lerchenberger Krähen im vergangenen Jahr gebaut, 2018 seien es sogar 284 gewesen. „Im Bereich des Brahmsweg-Spielplatzes waren es rund 100 Nester.“ Viele Anwohner lebten „Auge in Auge mit den Krähen“, so Westrich. Bei durchschnittlich vier Eiern pro Krähenpaar komme man auf zeitweise rund 600 Individuen . Im Bereich des Spielplatzes zwischen Brahmsweg und Silcherwerg würden die meisten der Vögel nisten, zwischen den sogenannten Scheibenhäusern, also den mehrgeschossigen Gebäuden. „Somit sind viele Menschen davon betroffen“, sagt Westrich.

„Die Familien mit Kindern, die hier wohnen, brauchen Möglichkeiten, auf dem Spielplatz zu sitzen, ohne von oben was abzubekommen“ - Sissi Westrich

Und das sei ihres Erachtens tatsächlich problematisch: „Zu gewissen Zeiten ist es wahnsinnig laut, manche Bänke, die auf dem Spielplatz sind, eignen sich nicht zum Niederlassen, weil sie ständig verkotet sind.“ Öfter müssten tote Vögel eingesammelt werden, Eltern hätten Angst. Allerdings seien laut Fachleuten sowohl der Kot als auch Krähen, die miteinander kämpften, nicht problematisch für die Gesundheit. „Dennoch brauchen die Familien mit Kindern, die hier wohnen, Möglichkeiten auf dem Spielplatz zu sitzen ohne von oben was abzubekommen“, sagt die Ortsvorsteherin. „Krähen lieben die Platanen und nisten dort sehr gerne – ausgerechnet den Hauptstadtbaum in Mainz, vor allem auf Spielplätzen und Friedhöfen“, sagte dazu Christian Henkes, Vorsitzender des NABU Mainz und Umgebung, bereits vor einiger Zeit gegenüber Merkurist. Auch den NABU erreichen ab und zu Beschwerden.

Laut Westrich sei es dennoch nicht sinnvoll, die Krähen zu verjagen. „Erfahrungen zeigen, dass bisher keine nachhaltigen Methoden der Vergrämung bekannt sind“, so Westrich. Solche Maßnahmen hätten dazu geführt, dass sich die Krähenkolonie aufsplittet und die Vögel dann das vorherige Gebiet nach und nach wieder bevölkern. Zudem sind Krähen geschützte Tiere. Wie Westrich berichtet, habe es die Obere Naturschutzbehörde (SGD-Süd) im Jahr 2015 nach einer Begehung abgelehnt, die Krähen vergrämen zu lassen. „Die Kolonien spalten sich dann auf andere Standorte in der Umgebung auf und verlagern damit das Problem“, so Henkes. „Die Krähen suchen sich dann einfach andere Bäume.“ Gefangen oder getötet werden dürfen sie laut Bundesnaturschutzgesetz erst recht nicht. „Auch das Nachstellen beziehungsweise das ‘Entnehmen ihrer Art aus der Natur’ ist verboten“, teilt das Grün- und Umweltamt mit. Ebenso dürfen Nester und Ruhestätten weder zerstört noch entfernt werden.

Im Bereich des Spielplatzes in Lerchenberg habe die dort zuständige Wohnbau bereits über Baumschnitte versucht, den Nestbau einzuschränken. Westrich schlägt zudem vor, die Bänke zu überdachen. Auch sei es wichtig, dass genügend Mülleimer vorhanden seien und die Leute ihren Müll nicht liegen lassen, damit die Krähen auf diese Weise „nicht noch ‘gefüttert’ werden“.

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