Fledermäuse in Mainz: Es geht ihnen nicht besonders gut

Wenn es in Mainz dämmert, werden Fledermäuse aktiv. NABU-Ehrenamtliche Brigitte Gross erklärt, welche Arten in der Stadt leben, warum ihnen immer mehr Quartiere fehlen und wie Mainzerinnen und Mainzer helfen können.

Fledermäuse in Mainz: Es geht ihnen nicht besonders gut

Wenn die Sonne über Mainz untergeht und die meisten Menschen ihren Blick nach vorne richten, beginnen über ihren Köpfen winzige Tiere zu flattern: Fledermäuse. Brigitte Gross engagiert sich ehrenamtlich im Fledermausschutz beim NABU Rheinland-Pfalz. Sie erklärt, dass die Tiere für Mainz unverzichtbar seien und jede und jeder zu ihrem Schutz beitragen kann.

Welche Fledermäuse leben in Mainz?

Der Weg ins Ehrenamt begann für die Laborantin aus Interesse an der Natur. „Fledermäuse habe ich schon als Kind gerne beobachtet“, erzählt Gross. Über Kurse des NABU Rheinland-Pfalz zum Hören von Fledermausrufen mit speziellen Detektoren fand sie zum Fledermausschutz. Heute vermittelt sie selbst bei Exkursionen Wissen über die Tiere, die viele Menschen nur selten bemerken.

In Rheinland-Pfalz kommen 22 Fledermausarten vor. In Mainz selbst sind vor allem Zwergfledermäuse, Mückenfledermäuse und Abendsegler heimisch. Trotzdem macht Gross sich Sorgen. „Allgemein geht es den Fledermäusen nicht besonders gut“, sagt sie. Alle heimischen Arten stehen unter Naturschutz.

Wohnungsnot für Fledermäuse

Ein großes Problem sei der Verlust von Quartieren. Fledermäuse nutzen Spalten und Hohlräume in Kirchen oder anderen historischen Bauwerken. Die Mainzer Zitadelle zum Beispiel biete vielen Tieren eine Unterkunft.

Durch Gebäudesanierungen verschwinden allerdings immer mehr Verstecke. „Wenn Häuser saniert und alle Öffnungen verschlossen werden, gehen oft wichtige Quartiere verloren“, sagt Gross. In der Mainzer Neustadt wurden deshalb bereits Fledermausquartiere in Gebäude integriert.

Auch Streuobstwiesen, die Insekten anziehen und damit Nahrung für Fledermäuse bieten, werden immer seltener. Besonders bedeutend ist deshalb das Mayener Grubenfeld in der Eifel, das größte Fledermaus-Winterquartier Westeuropas. Einzelne Arten fliegen mehrere tausend Kilometer, um es zu erreichen.

Deshalb sind Fledermäuse wichtig für Mainz

Alle europäischen Fledermausarten ernähren sich ausschließlich von Insekten. Damit sind sie wichtig für das Ökosystem. Eine einzelne Zwergfledermaus kann in einer Nacht zwischen 2000 und 3000 Insekten verspeisen. „Sie sind die natürlichen Schädlingsbekämpfer“, erklärt Gross.

Zu den größten Bedrohungen zählt die zunehmende Lichtverschmutzung, zum Beispiel durch die MEWA-Arena. „Wenn eine neue Lichtquelle auftaucht, kann es passieren, dass die Tiere nicht mehr ausfliegen“, sagt Groß. Folglich gebe es mehr Schädlinge. Als lichttolerant gilt lediglich die Zwergfledermaus.

Fledermäuse in Mainz beobachten

Wer in Mainz Fledermäuse beobachten möchte, kann sich während der Dämmerung in die Zitadelle, die Römersteine, das Laubenheimer Ried oder die Neustadt begeben.

„Man muss einfach mal nach oben schauen“, sagt Gross. Oft sind die Tiere schon kurz nach Sonnenuntergang am Himmel unterwegs.

So können Mainzerinnen und Mainzer helfen

Beim NABU Rheinland-Pfalz gibt es eine Koordinationsstelle für Fledermausschutz. Dort beraten Fachleute und bieten Kurse an.

Auch Privatpersonen können aktiv werden. Fledermausfreundliche Gärten mit Pflanzen, die Nachtfalter anziehen, helfen den Tieren bei der Nahrungssuche. Außerdem können spezielle Fledermauskästen angebracht werden.

Wer eine verletzte Fledermaus findet, sollte sie niemals mit bloßen Händen anfassen, denn die Tiere tragen viele Viren in sich. Stattdessen empfiehlt Gross, sie vorsichtig in einen Karton zu setzen, Wasser anzubieten und den Fledermausschutz zu kontaktieren. Eine entsprechende Telefonnummer ist auf der Website des NABU zu finden.

Fliegt eine Fledermaus in die Wohnung, besteht meist kein Grund zur Sorge. Häufig handelt es sich um junge, noch neugierige Tiere. „Das Licht ausmachen und die Fenster weit öffnen. Auf keinen Fall scheuchen!“, sagt Groß. In der Regel finden die Tiere allein wieder hinaus.

Kleine Luftakrobaten

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Zur Orientierung nutzen sie Echoortung: Sie senden Rufe mit Frequenzen zwischen 20 und 140 Kilohertz aus und erhalten so ein präzises Bild ihrer Umgebung. Bis zu 100 Rufe pro Sekunde können sie aussenden, sagt Gross. Jede Art „spricht“ in eigenen Frequenzen. Kollisionen mit Bäumen oder Blättern sind ausgeschlossen, so genau ist das Bild.

Ein Blick in die Zukunft

Trotz dieser Herausforderungen blickt Gross nicht pessimistisch auf die Zukunft der Fledermäuse. „Fledermäuse gibt es schließlich seit rund 50 Millionen Jahren“, sagt sie. „Sie sind einige der ältesten Säugetiere der Welt.” Die von der Stadt Mainz geplante Entsiegelung von Flächen und das Pflanzen neuer Bäume seien wichtige Schritte zum Schutz der Tiere.

Wer die kleinen Luftakrobaten selbst erleben möchte, hat dazu bald Gelegenheit: Die nächsten Fledermauswanderungen des NABU Mainz und Umgebung finden im August statt. Informationen dazu gibt es demnächst auf der Homepage des NABU Rheinland-Pfalz.