In 50 Metern Höhe: Störche nisten auf Laubenheimer Hochspannungsmasten

Die Störche sind zurück in Mainz: Auf 50 Meter hohen Strommasten, hoch über ratternden Zügen, haben 18 Storchenpaare ihre Nester gebaut. Dabei lassen sie sich auch nicht durch Rotoren abhalten. Per Webcam kann man sie nun beobachten.

In 50 Metern Höhe: Störche nisten auf Laubenheimer Hochspannungsmasten

Hoch über Schienen und Straßen haben die Weißstörche wieder ihr Domizil bezogen. 18 Storchenpaare sind inzwischen nach Laubenheim zurückgekehrt und haben mit dem Nestbau auf den 50 Meter hohen Strommasten entlang der Gleise begonnen. Ihr Zuhause ist jedoch nicht ganz ungefährlich.

Dass der Storch wieder zurück in unserer Region ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn zwischen den 1970er Jahren und 1996 gab es hier keinen einzigen Weißstorch. Inzwischen jedoch brüten dank umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen am Rhein wieder rund 400 Paare in der Umgebung – bei Ingelheim, im Bodenheimer und Hessischen Ried, an der Mainspitze sowie in Schierstein, Mombach und Laubenheim. Dort haben sie sich mit den Strommasten einen nicht ganz ungefährlichen Platz ausgesucht: „Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes ein gewisses Spannungsfeld“, sagte Ioannis Kombouris, Fachbereichsleiter Instandhaltung Stromanlagen bei den Mainzer Netzen, bereits im vergangenen Jahr gegenüber Merkurist. Denn hängen Äste und Zweige vom Netz herunter, kann es zu einem Überschlag und damit zu Stromstörungen kommen.

Seit 20 Jahren in Laubenheim

Die Störche nisten bereits seit mehr als 20 Jahren hier in Laubenheim. Die Mainzer Netze und die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH suchen seit einigen Jahren gemeinsam mit den Naturschutzverbänden, dem Landesvogelwart Rheinland-Pfalz/Hessen und den Naturschutzbehörden nach einer Lösung, die für alle verträglich ist. So werden, sobald die Nester fertig gebaut sind und bevor die Eier gelegt werden, herabhängende Äste abgeschnitten. Im Herbst werden die Nester dann ganz entfernt, denn im Lauf der Jahre können sie sehr schwer werden – teilweise mehrere hundert Kilogramm – und so die Stahlkonstruktion sowie die Isolatoren an den Masten beschädigen.

„Wir freuen uns, dass sich der Storchenbestand in unserer Region so gut erholt hat“, teilt Michael Worch, Geschäftsführer der Mainzer Netze, mit. Gleichzeitig müsse eine „sichere Stromversorgung“ gewahrt werden. Daher sind an manchen Hochspannungsmasten zusätzliche Klein-Windräder montiert. „Diese verhindern, dass die Störche ihre Nester an den extrem gefährlichen Stellen bauen und statt dessen auf weniger gefährliche Stellen im Mast ausweichen“, so Worch. Doch, wie Ingrid Dorner vom NABU-LAG Weißstorchschutz Rheinland-Pfalz berichtet, haben die Störche teilweise einfach die Rotoren mit Nistmaterial zum Stillstand gebracht.

Zudem wurden im Gestänge eines Mastes zwei Holzkreuze als Nistunterlagen geschaffen, um die Störche von den besonders kritischen Stellen wegzulocken. „Davon wurde eine wohl auch in diesem Jahr von einem Paar angenommen“, so Dorner.

Etablierte Storchenpaare

So kritisch das Nisten im Hochspannungsmast ist, für die Störche habe dieser Platz „große Vorteile“, sagt Dorner. Kein Storch werde sich einen alternativen Neststandort auswählen, der einmal in luftiger Höhe, mit einer solchen Weitsicht in der Kolonie gebrütet habe, ohne von Menschen gestört zu werden. So seien etwa die Hochspannungsmasten in Schierstein seit über dreißig Jahren besetzt. „Die vielen Jungstörche, die von solchen Masten ausgeflogen sind, wollen immer ‘hoch hinaus’“.

In Laubenheim werde bisher höchstens in einem Nest gebrütet, alle anderen Paare seien noch nicht so weit, „auch wenn man sie längere Zeit im Nest sitzend beobachten kann“, so Dorner. Ob die Störche zum ersten Mal hier oder „alte“ Vögel sind, lasse sich nur schwer sagen. In sieben der Nester seien aber garantiert „etablierte Brutpaare“ zugange.

Die Mainzer Netze haben bei zwei Brutpaaren Webcams installiert. Den Link zum Live-Video findet ihr hier.

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