Warum RNN und RMV auf einen Kilometer-Tarif verzichten

Wer mit Bus und Bahn unterwegs ist, wundert sich so manches Mal über die unterschiedlichen Tarifstrukturen. Doch warum verzichten die Verkehrsverbünde auf Kilometerpreise?

Warum RNN und RMV auf einen Kilometer-Tarif verzichten

4,20 Euro - so viel kostet eine Bahnfahrt von Mainz-Römisches Theater nach Bodenheim. Oder auch von Wiesbaden nach Bodenheim. Aber auch von Mainz-Laubenheim nach Bodenheim. Für Merkurist-Leser Helmut unverständlich und unfair. Er fragt in seinem Snip: „Warum gibt es keinen fairen Kilometer-Tarif?“

Für den Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbund (RNN) ist das kein Thema. Ein Sprecher sagt dazu: „Die Preisvergleiche auf Kilometerbasis sind bei Verbundtarifen nicht zielführend und nicht sinnvoll, da Zeitkarten immer im jeweils gelösten gesamten Tarifgebiet (im RNN Wabe genannt) gültig sind.“

So könne man mit einer Zeitkarte von der Wabe 313 Bodenheim zur Wabe 300 Mainz/Wiesbaden auch von Bodenheim zum Beispiel bis Wiesbaden-Auringen fahren und den gesamten Stadtverkehr in Mainz und Wiesbaden nutzen. „Bei allen räumlich geltenden Verbundtarifen lassen sich immer konkrete Verbindungen finden, die pro Kilometer günstiger und welche pro Kilometer teurer sind. Aber dann wird der Vorteil bei Tageskarten und Zeitkarten außer Acht gelassen, dass man flexibel alle Verbindungen in den gelösten Waben beliebig nutzen kann – und die Zeitkarte somit eine Art Flatrate für ein bestimmtes räumliches Gebiet darstellt.“

Das sagt der RMV

Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hält einen solchen Preisvergleich für nicht sinnvoll. Wie Pressesprecher Maximilian Meyer bereits im Oktober 2019 gegenüber Merkurist mitteilte, sei es zunächst wichtig zu sehen, dass ein Vergleich von Kilometerpreisen in Verkehrsverbünden, bei denen die Preise auf Tarifgebieten beruhen, nicht funktioniere. „Beispielsweise kostet eine Fahrt durch das Tarifgebiet 65 Mainz/Wiesbaden (Ausnahme Kurzstrecke) immer gleich, egal ob man eine kurze oder lange Strecke fährt.“

Ein weiterer Grund für unterschiedliche Fahrpreise im Vergleich von Regionen sei, so Meyer, die Finanzierung. „Im RMV werden rund 56 Prozent der Kosten durch Fahrgeldeinnahmen gedeckt. Außerdem gibt es innerhalb Deutschlands unterschiedliche Fahrkartensortimente. Die Einzelfahrkarte wird zwar oft als Maßstab für einen Vergleich genommen. Sie macht aber nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fahrten aus. Viele Fahrgäste nutzen Zeitkarten, Jobticket oder Kombitickets.“ (mm)

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