Timo Filtzinger: „Schadet nicht, mal eine Schorle in Mainz getrunken zu haben“

Timo Filtzinger (35) soll als erster Mainzer Nachtkulturbeauftragter Vermittler zwischen Stadt, Bürgern und Nachtkultur-Szene sein. Wie geht er diese Aufgabe an? Und was kann er während der Corona-Krise überhaupt ausrichten?

Timo Filtzinger: „Schadet nicht, mal eine Schorle in Mainz getrunken zu haben“

Seit rund eineinhalb Monaten ist Timo Filtzinger der erste Nachtkulturbeauftragte der Stadt Mainz. Der 35-Jährige arbeitet ehrenamtlich, zunächst ist die Stelle als Pilotprojekt bis Jahresende besetzt. Als er sich auf die Stelle beworben hatte, war völlig unklar, dass die Corona-Krise die Gastronomie- Club- und Kultur-Branche hart treffen würde. Wie also geht er seine Arbeit während der Krise an? Filtzinger sagt: „Ich glaube, es ist wichtig, dass man eine ruhige Art hat und gelassen ist. Dann sitzt da jemand, der nicht gleich zusammenzuckt, wenn mal jemand laut wird und die Luft rauslässt. Man muss zuhören und Probleme erkennen können – und auch Lösungen finden können und wollen.“

Außerdem wichtig: ein gutes Netzwerk. „Mir kommt dann noch zugute, dass ich früher für zwei Getränkefirmen viel in der Region unterwegs war. Ich habe daher viele Gastronomen und ihre Konzepte kennengelernt“, sagt Filtzinger. „Es schadet auch nicht, wenn man mal eine Schorle in Mainz getrunken hat.“

Mediator und simple Lösungen

Timo Filtzingers Job ähnelt dem eines Mediators. Er vermittelt zwischen Gastronomen und Anwohnern oder zwischen Clubbetreibern und der Stadt. Und manchmal kann ein Problem ziemlich schnell gelöst werden, wie der Nachtkulturbeauftrage anhand eines Beispiels erklärt. „Da ging es beispielsweise darum, dass ein Gastronom seine Außengastronomie mit Ketten abgeschlossen und mit dem Klirren Anwohner genervt hat. Jetzt sind daraus Stahlseile geworden. Also auch ganz einfache Sachen, die durch Kommunikation schnell zu beheben sind.“

In der vergangenen Woche trafen sich dann knapp 40 Gastronomen mit Filtzinger zu einem Stammtisch (wir berichteten). Gemeinsam tauschten sich die Beteiligten unter anderem darüber aus, wie die momentane Krise überstanden werden kann. Dabei hätten sich Betreiber verschiedenster Kneipen oder Restaurants versammelt, um sich auszutauschen. „Sie alle haben sich fast zwei Stunden Zeit genommen, ich habe sehr viel mitgeschrieben und bin froh, dass das dabei rumgekommen ist. Das habe ich mir gewünscht – und es ist mehr als ich gedacht hätte“, so Filtzinger. Ein weiteres Thema sei zum Beispiel der ÖPNV gewesen. Denn gerade der Nachtverkehr müsste nach Meinung einiger Gastronomen wieder verstärkt belebt werden.

Zu den Erwartungen an den Nachtkulturbeauftragten sagt Filtzinger: „Mir war von Anfang an klar, dass es nur geht, wenn sich Menschen beteiligen. Die Gastronomen selbst sind gefragt, und auch die Anwohner. Das läuft sehr gut, etwas besser, als ich es mir vorgestellt habe.“ Der Stammtisch sei eine gute Gelegenheit zum Austausch gewesen. „Und ich hoffe, dass beim nächsten Mal noch mehr Menschen kommen.“ (ts)

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