Neuer Laden in Finthen eröffnet

Jemand stirbt, sein Haushalt wird aufgelöst - doch was passiert mit seinem Hab und Gut? Vieles wird weggeworfen - für Michael Schäfer und Massimo Reimuth ist das keine Option. Deswegen haben sie einen besonderen Laden in Finthen eröffnet.

Neuer Laden in Finthen eröffnet

Ein riesiges Grammophon, daneben eine kleine antike Waage, eine Skulptur, ein bunt bemalter Teller und goldene Ohrringe. Wer den Laden von Michael Schäfer und Massimo Reimuth am Katzenberg in Finthen das erste Mal betritt, ist vor allem eines: von den vielen Eindrücken überfordert. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken: eine alte Registrierkasse aus den 50er Jahren, einen massiven Tisch, zahlreiche Bücher, Schuhe, Teekannen, … Auf den ersten Blick scheint sich dieser Laden nicht von einem gewöhnlichen Antiquitätengeschäft zu unterscheiden, doch Schäfer und Reimuth verfolgen ein anderes Konzept.

Schäfer hatte vor drei Jahren eine Entrümplungs- und Umzugsfirma in Finthen gegründet. Reimuth und er haben sich über Freunde kennengelernt und stellten schnell fest, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Die Idee, einen Laden zu eröffnen, sei eher ein Zufallsprodukt gewesen, sagt Reimuth. Und Schäfer ergänzt: „Ich war im benachbarten Supermarkt einkaufen und bin zufällig an den leerstehenden Geschäftsräumen vorbeigekommen. Kurz danach habe ich dann den Vermieter einfach mal angerufen - und es hat geklappt.“ Seit Anfang November hat der Laden nun geöffnet.

Die „schönen oder auch einfach nützlichen“ Dinge, die Schäfer und sein Team in dem Laden verkaufen, stammen zum Teil aus Haushaltsauflösungen oder Entrümplungen, bei denen sie auf Schätze gestoßen sind und den Kunden abgekauft haben. Zum anderen Teil haben Kunden ihnen Dinge im Laden vorbeigebracht, ihnen verkauft oder einfach überlassen, darunter auch Schmuck und Antiquitäten. „Wir wollen die Gegenstände in gute Hände geben“, sagt Reimuth. Und das Ganze habe auch noch einen anderen Grund: „Wir wollen vor allem der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken.“ Das Motto der beiden: Weiterverwenden statt neu kaufen.

Kunden sollen in ihrem Geschäft einen „guten Handel“ machen, erklärt Reimuth. Deswegen sei in ihrem Laden Handeln erlaubt - wie auf einem Flohmarkt. „Ich persönlich mag diesen Gedanken sehr, weil man schnell mit den Kunden in Kontakt kommt. Da entstehen schöne Gespräche.“ Das Konzept solle auch ein Gegenentwurf zu großen Läden sein. „Zu uns kommen die Leute, um nach Schätzen zu stöbern. Sie verbringen sehr viel Zeit im Laden, gucken intensiv.“ Die Resonanz auf den neuen Laden sei bisher positiv. „Viele haben uns gesagt, dass sie es sehr schön finden, dass der Standort wiederbelebt wird“, meint Schäfer. „Sie drücken uns die Daumen. Das freut uns natürlich sehr.“

Wenn es nach den beiden geht, soll es aber nicht nur bei dem Laden am Katzenberg bleiben. Eine Werkstatt, in der Kunden ihre Möbel unter Anleitung aufbereiten können, sei zum Beispiel eine Idee, sagt Schäfer. Ebenfalls vorstellbar: ein Spiele-Treff. „Mein Traum ist es, später irgendwann alte Gesellschaftsspiele aus den 50ern bis 80ern hier auszulegen und so die Leute zum Spielen zu animieren“, sagt Reimuth. „Aber erst einmal wollen wir diesen Laden zum Laufen bringen - dann denken wir über alles andere nach.“

„Schäfer Nachlassmakler“, Katzenberg 13, ist montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 19 Uhr sowie freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. (mm)

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