Projekt „Plastikfreies Mainz“ gestartet

Für viele gehört sie zum Einkauf dazu: die Plastiktüte. Gut für die Umwelt ist sie allerdings nicht. Und es geht auch ohne sie, findet das Projekt „Plastikfreies Mainz“. Was das Team vorhat.

Projekt „Plastikfreies Mainz“ gestartet

Das Image von Plastik hat in den vergangenen Jahren massive Risse bekommen. Hergestellt aus Erdöl, schwer abbaubar und mittlerweile in den Tiefen des Meeres und sogar in den Körpern von Tieren zu finden, gilt es als eines der umweltschädlichsten Materialien. Und doch ist es schwer, ohne es auszukommen, sei es als Verpackung im Supermarkt oder als Plastiktüte.

Ein Wochenmarkt ganz ohne Plastiktüten - das ist die Vision, die das gerade gestartete Projekt „Plastikfreies Mainz“ ins Auge gefasst hat. Eine, die das Projekt mit ins Rollen gebracht hat, ist Brit Morbitzer. Die freiberufliche Autorin hat auf dem Wochenmarkt ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht: „Ich gehe selbst oft dort einkaufen und habe immer eigene Beutel dabei. Vor etwa vier Wochen sprach mich eine Verkäuferin darauf an und meinte, das sei ja klasse. Am nächsten Tag war ich wieder auf dem Markt und da wurde ich wieder angesprochen, dieses Mal von einem jungen Mann. Der hat sich auch kaum eingekriegt. Und da dachte ich: Das kann doch nicht sein!“, erzählt sie gegenüber Merkurist.

„Menschen sehen den Müll nicht, deswegen wollen wir ihn sichtbar machen, das Problem visualisieren.“ - Brit Morbitzer

Prompt machte sie das Thema am selben Abend auf ihrem Instagram-Account publik. In ihrer Story erwähnte sie auch Oberbürgermeister Michael Ebling und fragte ihn ganz direkt, was er denn davon halte. Und Ebling zeigte sich offen für einen Austausch. Der erste Workshop, bei dem zunächst gebrainstormt wurde, fand wenig später statt - gemeinsam mit dem OB. Und auch der zweite Workshop war schnell angesetzt, sodass sich Morbitzer nun damit beschäftigt, ein Konzept zusammenzuschreiben und das Projekt auf feste Füße zu stellen. „Ich bin keine Nachhaltigkeitsexpertin, kann aber mein Netzwerk super für dieses Projekt nutzen. Außerdem erarbeite ich derzeit das Konzept, schaue, was die höchste Priorität hat und wie viel was kostet. Auch über Fördermöglichkeiten informiere ich mich.“

Viele Ideen, nun folgt ein Konzept

Wie schnell das Projekt nun ins Laufen gekommen sei, davon sei auch sie selbst überrascht. „Das Ganze ist irgendwie zu einer Art Selbstläufer geworden. Von dieser krassen Entwicklung bin ich selbst überwältigt“, sagt Morbitzer. Zehn Personen seien im Kernteam dabei, unter anderem Julia Klös von „Green and Whales“, das Kunst-Projekt „Substanz der Stadt“ und die Ideenwerkstatt „pinkedistel“. „Das Team ist gut durchmischt, das freut mich sehr. Und davon profitieren wir auch.“

Und viele Ideen, die das Team hat, könnten ihren Weg auch in das Konzept finden. Etwa ein Näh-Workshop für eigene Einkaufsbeutel, Kunstausstellungen oder eine Plakataktion. Auch eine Installation auf dem Rhein, zum Beispiel einen schwimmenden Müllberg, könne sich Morbitzer gut vorstellen. „Menschen sehen den Müll nicht, deswegen wollen wir ihn sichtbar machen, das Problem visualisieren. Es ist nicht bei allen in den Köpfen drin.“ Sogenannte Boomerang-Bags, also ein Korb, in den jeder einen Beutel hineinlegen, aber auch wieder herausnehmen kann, seien ebenfalls eine Idee. „Wir versuchen zu erreichen, dass die Leute nutzen, was sie eh schon zu Hause haben.“ Auch etwas Spezielleres sei geplant, so Morbitzer, doch das bliebe erst einmal noch geheim.

„Ich glaube, dass wir mit dem Thema offene Türen einrennen.“ - Brit Morbitzer

„Wir wollen für das Müllproblem sensibilisieren. Dabei geht es nicht darum, ein Material als per se böse abzustempeln, sondern ein Umweltbewusstsein zu schaffen. Der erste Schritt sind dabei eben die Plastiktüten auf dem Wochenmarkt“, sagt Morbitzer. „Jeder kann dazu etwas beitragen, und wenn es nur ein kleiner Teil ist.“ Und die Vision für die Zukunft ist klar: Irgendwann soll Mainz insgesamt plastikfrei sein.

Wer sich beteiligen möchte, kann sich jederzeit per Instagram melden. „Es haben sich super viele Freiwillige schon gemeldet, gerade bin ich dabei, das Ganze zu organisieren. Aber man muss ein bisschen Geduld mitbringen - wir antworten auf jeden Fall.“ Auch Sponsoren werden gesucht, sie können sich ebenfalls bei Interesse per Instagram melden. (rk)

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