„Grinskram“ für die Neustadt

Olivenholztische, Rucksäcke aus Hanf , Öle aus der Steiermark: Im „Grinskram“ werden ab Samstag nachhaltige und umweltschonende Produkte verkauft. Den Moralapostel will Inhaber Thomas Mohr aber nicht spielen.

„Grinskram“ für die Neustadt

Dass Konsumenten sich nicht hundertprozentig korrekt verhalten können, weiß Thomas Mohr, 29, Inhaber des neuen Laden „Grinskram“ in der Neustadt. Wenn ein Kunde mit fünf Plastiktüten in den Laden käme, sei das eben so. „Wer immer mit dem Finger auf andere zeigt und den Moralapostel spielt, erreicht nicht viel“, so Mohr. „Wir können ihm aber zeigen, dass es auch anders geht.“ Anders heißt: Alle Produkte im Grinskram wurden nachhaltig und umweltschonend erzeugt, fast alle sind zudem noch plastikfrei. Und jeder Artikel hat seine eigene Geschichte: Etwa die Skulpturen aus Duglasienholz, die Mohr selbst gebaut hat - mit Holzresten vom Förster seines Vertrauens. Oder die Taschen und Rucksäcke der Firma „Pure“, die hauptsächlich aus Hanf hergestellt wurden. Natürlich emissionsfrei.

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“Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“ - Inhaber Mohr

„Die meisten denken bei Hanf nur ans Kiffen. Dabei ist es ein wundervoller Rohstoff“, sagt Mohr und schwärmt dabei, genau wie von seinem anderen „Grinskram“. So sei auch der Name entstanden: Die Liebe zum Produkt soll auf die Kunden überspringen, sie zum Lächeln bringen. Der Bezug zum Krimskrams sei dagegen ironisch, Ramsch würde hier nicht verkauft. Stattdessen ökonomische Design- und Alltagsprodukte für eine „grünere Zukunft“. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und es wird eher schlimmer als besser. Dagegen will ich etwas tun“, so Mohr.

Vermieter vom Konzept überzeugt

Seit etwa eineinhalb Monaten renovieren er und seine Freundin Dominique, 26, den neuen Laden in der Lessingstraße, Ecke Kaiser-Wilhelm-Ring, im Alleingang. Bis Samstag muss alles fertig sein, dann feiert „Grimskram“ Eröffnung. Vor wenigen Monaten war daran noch gar nicht zu denken: Mohr, studierter Pädagoge und Soziologe, arbeitete für ein Bildungsprojekt in Frankfurt. In dem Eckhaus in der Mainzer Neustadt befand sich noch der Verein Femma.

Dann kam alles zusammen: Mohrs Vertrag in Frankfurt wurde nicht verlängert und Femma zog in die Raimundistraße. Freundin Dominique hatte damals noch für Femma gearbeitet und von dem Umzug mitbekommen. Weil sich Mohr schon lange für die Themen Nachhaltigkeit und umweltschonende Produkte interessierte, bewarb er sich mit seiner Idee für den leerstehenden Laden.

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Der Vermieter sei sofort überzeugt gewesen, so Mohr, weil das Konzept bestens in die Neustadt passe. Am 1. Mai unterschrieb er den Mietvertrag, zwei Monate später wird der Laden nun eröffnet. Die ersten Kunden bekommen am Samstag ab 13 Uhr einen Sekt oder Orangensaft, außerdem werden kleinere Preise verlost. „Wir sind auf das Feedback gespannt, die ersten Reaktionen auf Facebook waren erschreckend positiv.“

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Jetzt hofft er, dass auch seine Produkte Anklang finden. Unter anderem die Notizbücher mit Ledereinband der Frankfurter Firma Kalakosh: Deren Inhaber wuchs in einem Dorf in Süd-Indien auf und arbeitet nun mit kleinen Produzenten aus seiner Heimat zusammen, die damit ein Einkommen erwirtschaften können. Die Buchseiten werden „treefree“ aus Baumwollresten der Textilindustrie gefertigt. Für die Lederdeckel mussten keine Kühe sterben: Verarbeitet werden nur solche, die eines natürlichen Todes gestorben sind.

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Geöffnet hat das „Grinskram - Green Home Market“, so der volle Name, von Mittwoch bis Freitag (11 bis 18:30 Uhr) sowie am Samstag (10:30 bis 17 Uhr). Der Dienstag soll bald dazu kommen. An den freien Tagen steht Mohr in der Werkstatt und setzt seine Ideen um. „Bald soll es noch mehr eigene Kreationen geben.“

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