Viele Pkw, hoher CO₂-Ausstoß: Rheinland-Pfalz ist Autoland

Werden Mobilität und Verkehr nachhaltiger? Dieser Frage ging der ADAC bei seiner ersten Mobilitätsstudie nach. Die Ergebnisse für Rheinland-Pfalz sind unterschiedlich zu bewerten.

Viele Pkw, hoher CO₂-Ausstoß: Rheinland-Pfalz ist Autoland

Mobilität und Verkehr müssen nachhaltiger werden, so der Konsens der Umwelt- und Verkehrspolitik. Doch laut dem ersten Mobilitätsindex des ADAC sind die Städte und Gemeinden noch weit davon entfernt. Rheinland-Pfalz falle vor allem durch die vielen Pkw, den vergleichsweise hohen CO₂-Ausstoß und das geringe ÖPNV-Angebot auf.

Mit seiner Studie will der ADAC untersuchen, ob der Verkehr in Deutschland nachhaltiger wird. Dazu analysierte der Autoclub in den Jahren von 2015 und 2019 – also vor der Corona-Pandemie – unterschiedliche Bereiche, von den Unfallzahlen über den CO₂-Ausstoß bis hin zum ÖPNV-Angebot. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

616 Autos pro 1000 Einwohner

Besonders auffallend in Rheinland-Pfalz ist demnach der hohe Anteil an Pkw: Pro 1000 Einwohnern waren 616 Autos registriert. Nur das Saarland hatte mit 645 eine noch höhere Dichte. Im Vergleich: Der Bundesdurchschnitt lag bei 575 Autos pro 1000 Einwohner. „Gründe dafür sind der hohe ländliche Anteil und die eher schwache Erschließung durch die Bahn“, so der ADAC.

Die dünne Besiedelung des Bundeslandes führt auch dazu, dass lange Strecken zurückgelegt werden müssen. Pro Jahr sind die Rheinland-Pfälzer 12.400 Kilometer pro Pkw gefahren, in ganz Deutschland waren es etwa 1000 weniger. An der Spitze lag übrigens das ebenso ländlich geprägte Mecklenburg-Vorpommern mit über 13.000 gefahrenen Kilometern.

Entsprechend hoch war auch der CO₂-Ausstoß dieses intensiven Pkw-Verkehrs: Er lag mit 2,06 Tonnen pro Einwohner über dem Bundesdurchschnitt von 2,0 Tonnen (Berlin: 1,1 Tonnen). Die Belastungen mit dem Reizgas Stickstoffdioxid (NO₂) hingegen waren vergleichsweise niedrig: Mit 32,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m³) lagen sie unter dem vom Bundesumweltamt festgeschriebenen Grenzwert von 40 μg/m³ im Jahresmittel. Im wirtschaftlich starken Hessen indes lag der Wert bei 41,3, in Hamburg sogar bei 43 μg/m³. Es gebe aber auch Ausreißer bei diesen Werten, darunter die Stadt Mainz mit ihrem dichten Innenstadtverkehr. NO₂ entsteht bei Verbrennungen, etwa in Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen und kann Schäden an der Lunge verursachen.

Trotz der hohen Pkw-Dichte gab es im Bundesland nur wenige lange Staus, nämlich jährlich 44,3 Kilometer pro Autobahnkilometer. In der Großstadt Berlin waren doppelt so viele. Verbessert habe sich zudem die Verkehrssicherheit, vor allem die Zahl der Verkehrstoten sei gesunken.

Geringes ÖPNV-Angebot

Gleichzeitig steht Rheinland-Pfalz im Bundesdurchschnitt weit abgeschlagen da, was das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs angeht: Lediglich 3500 Kilometer sind die Einwohner hier mit Bus und Bahn gefahren. Zum Vergleich: In Hessen waren es über 24.000 Kilometer (wir berichten), der Bundesdurchschnitt lag bei 6000. Doch sei das Busangebot in schwach besiedelten Räumen ausgebaut worden.

„Leistungsfähige und länderübergreifende ÖPNV-Angebote sollten in den Fokus rücken“ – ADAC

Insgesamt sei die Mobilität in Deutschland zwischen 2015 und 2019 nicht nachhaltiger geworden, so das ADAC-Fazit. Rheinland-Pfalz jedoch habe sich bei der Nachhaltigkeit besser entwickelt als Deutschland insgesamt. „Mit einer Ausnahme erzielt das Land in allen Bewertungsdimensionen bessere Werte als der Bundesdurchschnitt“, heißt es dort.

Besondere Aufmerksamkeit solle man in Zukunft auf die „überregionalen Verflechtungen“ legen: „Die Pendlerströme aus Rheinland-Pfalz, vor allem Richtung Köln und dem Rhein-Main-Gebiet, könnten dort Staus verursachen. Deshalb sollten leistungsfähige und länderübergreifende ÖPNV-Angebote in den Fokus rücken“, so der ADAC.

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