Aufregung nach Angriff auf Personalchefin

Nach dem Angriff auf eine 41-Jährige in einer Firma in Kastel zeigten viele Leser Unverständnis darüber, dass der Beschuldigte nach der Tat nicht in Haft genommen wurde. Ein Polizeisprecher schildert den Fall.

Aufregung nach Angriff auf Personalchefin

Nachdem am vergangenen Freitag ein abgelehnter Bewerber die Personalchefin einer Kasteler Firma zunächst am Telefon bedroht und später in den Büroräumen angegriffen hat (wir berichteten), war die Empörung unter den Merkurist-Lesern groß.

Nicht nur Leserin Rosita war fassungslos: Denn nachdem die Polizei die Personalien des Angreifers aufgenommen und eine Anzeige auf den Weg gebracht hatte, wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt. Für das Opfer, das gegenüber Merkurist von dem Vorfall berichtete, eine entsetzliche Tatsache. Die Frau fühlt sich im Stich gelassen. „Es kann doch nicht sein, dass so jemand danach wieder frei rumläuft“, sagt sie verständnislos. „Ihm geht es gut damit, mir nicht.“

Auch die Wiesbadener Polizei registrierte die Vielzahl an Kommentaren unter dem Artikel. Auf Nachfrage von Merkurist äußerte sich ein Sprecher der Polizei Westhessen zu dem Angriff: „Nach einer ersten Einschätzung des Verletzungsbildes durch das medizinische Personal, wurde die Geschädigte ins Krankenhaus transportiert und von dort aus nach ambulanter Behandlung wieder entlassen.“ Die tatsächliche Schwere der Verletzung hat sich am Tatort für die Beamten also gar nicht dargestellt. Die Diagnose folgte im Krankenhaus.

Keine Haftgründe

Die Polizei habe den Vorfall als „Körperverletzung und Beleidigung“ aufgenommen, so der Sprecher. „Haftgründe“, sagt er weiter, „ergaben sich aus der Sachverhaltsaufnahme nicht, sodass der Beschuldigte nach den polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.“

Klassische Haftgründe sind Flucht, Fluchtgefahr und Verdunklungsgefahr. Diese bestanden in dem konkreten Fall nicht, da der Beschuldigte über einen Wohnsitz in Wiesbaden verfügt.

Weiter führt der Polizeisprecher an, dass sich eine Ingewahrsamnahme oder gar eine Haft nach einer Straftat immer nach gesetzlichen Bestimmungen richtet. Weitere Informationen zu dem Übergriff - auch hinsichtlich der Zeugenaussagen und der Schwere der Verletzungen - kann die Polizei derzeit aber nicht veröffentlichen.

„Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen deutschen Staatsangehörigen.“ - Polizeisprecher

Ein Detail wurde jedoch - vor allem in den vielen Kommentaren der Leser - vielfach falsch widergegeben, verbreitet und verurteilt. „Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 23-jährigen deutschen Staatsangehörigen“, stellt der Polizeisprecher klar. (js/lp)

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